Rund um den alten Bahnhof in der oberbayerischen Marktgemeinde Wolnzach gibt es immer mehr Baustellen: Das staatliche Bauamt Ingolstadt baut eine neue Straßenbrücke über den Fluss Wolnzach, die Deutsche Bahn erneuert ihre Bahnübergänge, die Gemeinde hat einen neuen Kindergarten gebaut und verbessert die Infrastruktur. Seit Ende Juni ist der Schulweg der Kinder aus den Wohngebieten westlich der Wolnzach abgeschnitten: Zu Fuß oder mit dem Radl kommen sie nicht durch die Baustellen, außen herum bräuchten sie deutlich länger.
Bürgermeister wohnt selbst in betroffenem Gebiet
Damit die Kinder trotzdem sicher in die Schule kommen und nicht alle Eltern fahren müssen, hat sich Bürgermeister Simon Zimmermann (FW) eine Lösung "auf dem kurzen Dienstweg" einfallen lassen. Er fährt die Grund- und Mittelschüler morgens selbst in die Schule, mit dem Marktmobil – einem Kleinbus, den Vereine mieten können – oder, wenn das anderweitig reserviert ist, mit dem Feuerwehr-Mannschaftsbus.
Zimmermann lebt selbst mit seiner Familie im betroffenen Wohngebiet. Grund- und Mittelschule liegen fast auf seinem Arbeitsweg ins Rathaus. Auch seine Tochter Matilda muss in die Grundschule. Dass ihr Papa, der seit Mai Bürgermeister ist, sie und die anderen Kinder jetzt fährt, findet sie "cool".
"Kann von niemandem verlangen, Bus zu fahren"
"Bürgermeister hat dahingehend keine Stellenbeschreibung und ich kann nicht von meiner Verwaltung oder irgendwem verlangen, dass er Bus fährt", sagt Zimmermann. Selbst fahren ist für ihn die schnellste Lösung. Zusätzlich hat sich ein Mitarbeiter des Bauhofs bereiterklärt, deshalb holen sie die Kinder jetzt morgens mit zwei Kleinbussen ab. Einen Personenbeförderungsschein brauchen sie dafür nicht, weil das Angebot kostenfrei ist.
Positive Reaktionen auf Shuttle-Service
Um 7:25 Uhr warten auch an diesem Morgen schon rund ein Dutzend Kinder mit Schulranzen am Treffpunkt. Schnell verteilen sie sich auf die beiden Fahrzeuge. Mutter Pia Eigenseher hat ihren Sohn David zum Treffpunkt begleitet und erzählt: "Es ging ganz schnell und ganz spontan, dass der Shuttle-Dienst eingerichtet wurde. Da sind wir Eltern natürlich sehr froh, dass die Kinder nicht durch die Baustelle mussten. Am ersten Tag standen die auf dem Heimweg vor der verschlossenen Baustelle und wussten nicht genau, wie sie heimkommen sollen."
Auch die Kinder sind begeistert. "Sehr cool, weil man nicht zu Fuß hatschen muss – ist halt Luxus", erzählt ein Grundschüler während der Fahrt. Ein Mittelschüler ergänzt: "Die wollten Fahrradfahrer und Fußgänger über einen sehr steilen Berg umleiten und da war's richtig heiß, also 40 Grad, und dann hat der Herr Zimmermann angeboten, dass er uns fährt, also richtig cool!"
Baustellen sollen in den Sommerferien fertig werden
Noch bis Ende des Schuljahres bietet der Bürgermeister den morgendlichen Shuttle-Service an. Nachmittags müssen die Eltern Fahrgemeinschaften bilden, weil die Kinder alle zu unterschiedlichen Zeiten Unterrichtsschluss haben. In den Sommerferien sollen die Baustellen fertig werden. Darauf freut sich Simon Zimmermann, der ja auch privat betroffen ist.
Gleichzeitig betont er: "Eine Baustelle, grad wenn sie so umfangreich ist wie diese, werden wir nie ohne Sperrungen schaffen. Wir haben gesagt, jetzt noch einmal die Zähne zusammenbeißen und dann wird's am Schluss definitiv für alle einfacher, schöner und vor allem auch sicherer – gerade für Fahrradfahrer und Fußgänger."
