Nach der Manipulation bei der Kommunalwahl im März haben die Bürger von Wülfershausen an der Saale nun eine Bürgermeisterin. Die Bankbetriebswirtin Ruth Markert erhielt bei der Neuwahl mit 87 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. Sie war für die Freie Wählergemeinschaft angetreten und zuvor bereits 18 Jahre lang im Gemeinderat. Direkt am Montag soll sie ihr Amt antreten.
Die Wahlbeteiligung in der unterfränkischen Gemeinde lag bei 69,5 Prozent. Im März hatten in Wülfershausen noch 77,2 Prozent bei der Kommunalwahl abgestimmt.
Ehemaliger Bürgermeister räumt Wahlmanipulation ein
Der Vorgänger der 52-Jährigen, Wolfgang Seifert, hatte eingeräumt, Wahlunterlagen zur Kommunalwahl im März manipuliert zu haben. In einer Vernehmung hatte er laut Staatsanwaltschaft gestanden, Briefwahlunterlagen geöffnet und jeweils mehrere Stimmzettel der Gemeinderatswahl, der Wahl zum Ersten Bürgermeister und der Kreistagswahl verfälscht zu haben. Der damalige CSU-Politiker trat daher von dem Amt als Erster Bürgermeister zurück, die knapp 1.300 Wahlberechtigten waren somit zur Neuwahl aufgerufen. Zudem verließ der 69-Jährige die CSU.
Bei der Neuwahl haben ihn zehn Wählerinnen oder Wähler trotz des gestandenen Wahlbetrugs als sogenannte "wählerbenannte Person" auf die Stimmzettel geschrieben.
Auch Kreistag muss neu gewählt werden
Weil Seifert auch Stimmzettel der Kreistags- und Gemeinderatswahl verändert haben soll, fand am Sonntag zudem die Nachwahl für den Kreistag des Landkreises Rhön-Grabfeld und den Gemeinderat statt. Bei der Kreistagswahl wurde dabei nur die Briefwahl wiederholt.
Ruth Markert war bei der Kommunalwahl im März noch nicht als Bürgermeisterkandidatin angetreten. Trotzdem hatte sie bereits damals 27 Prozent der Stimmen als sogenannte "wählerbenannte Person" erhalten, die Wählerinnen und Wähler hatten sie damals selbst auf ihre Stimmzettel geschrieben.
Prozess im Herbst
Am 3. November steht der Amtsvorgänger von Markert wegen Wahlfälschung vor dem Amtsgericht Bad Neustadt an der Saale. Im Fall einer Verurteilung könnte der Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft Schweinfurt mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden. Der Angeklagte möchte sich nicht zu den Vorwürfen äußern, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf eine BR24-Anfrage vom März hatte Seifert nicht reagiert. Für den 69-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.
Mit Informationen von dpa.
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