(Archivbild) 10.04.2026, München: Zerstörten Scheiben des israelischen Restaurants Eclipse in München
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(Archivbild) Verhaftung nach Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in München: Spur führt zu Terrornetzwerk
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(Archivbild) Verhaftung nach Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in München: Spur führt zu Terrornetzwerk

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Verhaftung nach Münchner Anschlag: Spur führt zu Terrornetzwerk

Verhaftung nach Münchner Anschlag: Spur führt zu Terrornetzwerk

Nach dem Anschlag auf das jüdische Restaurant "Eclipse" in München verdichten sich Hinweise auf ein europaweites Terrornetzwerk proiranischer Extremisten. US-Ermittler sehen Verbindungen zu einem festgenommenen Iraker und weiteren Attacken.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Nach dem Sprengstoffanschlag auf das israelische Restaurant "Eclipse" in München verdichten sich die Hinweise auf einen Zusammenhang mit einer europaweiten Anschlagsserie proiranischer Extremisten. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der irakische Terrorverdächtige Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi, gegen den die US-Justiz in New York Anklage erhoben hat.

Er soll hinter zahlreichen Angriffen auf jüdische Einrichtungen in Europa stehen – darunter möglicherweise auch hinter dem Anschlag in München. Das geht aus einer US-Anklageschrift hervor, die dem BR vorliegt. Zuerst hatte der "Spiegel" (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) berichtet.

Anschläge in Europa: Wie alles zusammenhängen soll

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wollte sich der Verteidiger des Beschuldigten zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Es sei zu früh, um Details des Falls zu besprechen. Zugleich warnte er vor voreiligen Schlüssen und äußerte Bedenken hinsichtlich der Inhaftierung seines Mandanten. Al-Saadi war zuletzt in der Türkei festgenommen und anschließend an die USA überstellt worden.

Nach Einschätzung amerikanischer Ermittler handelt es sich bei Al-Saadi um einen hochrangigen Funktionär der irakischen Miliz Kataib Hisbollah. Die schiitische Gruppierung aus dem Irak unterhält enge Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden und wird in den USA als Terrororganisation eingestuft. Zudem zeigt ein veröffentlichtes Foto den Iraker offenbar gemeinsam mit Qasem Soleimani, dem inzwischen getöteten Kommandeur der iranischen Quds-Brigaden.

Laut FBI soll Al-Saadi Anschläge der Gruppierung "Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya" – kurz HAYI – in Europa koordiniert haben. Kurz nach der Explosion in München war im Internet ein mutmaßliches Bekennervideo von HAYI veröffentlicht worden. Das etwa 30 Sekunden lange Video zeigte Drohungen auf Deutsch und Hebräisch, dazu einen Lageplan sowie ein Bild des betroffenen Restaurants.

US-Ermittler: Fast 20 Anschläge und Anschlagsversuche

Der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Justiz, Andreas Franck, erklärte auf BR-Anfrage, die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft München dauerten weiterhin an. Man arbeite dabei eng mit Sicherheitsbehörden und europäischen Partnern zusammen. Auch das mutmaßliche Bekennervideo sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Gruppierung HAYI bereits seit Monaten. Nach Angaben der Behörde kommt es seit dem 9. März 2026 europaweit vermehrt zu Angriffen auf jüdische und US-amerikanische Einrichtungen, insbesondere zu Brandanschlägen in den Benelux-Staaten und Großbritannien. Die Taten seien bislang überwiegend nachts oder in den frühen Morgenstunden verübt worden und hätten bisher keine Personenschäden verursacht. Hinter HAYI vermutet der Verfassungsschutz ein irakisch-schiitisches Netzwerk mit Verbindungen in das proiranische extremistische Milieu.

Laut US-Anklage soll HAYI innerhalb weniger Wochen fast 20 Anschläge und Anschlagsversuche in Europa organisiert oder inspiriert haben. Genannt werden unter anderem Explosionen an Synagogen in Belgien und den Niederlanden, Brandanschläge in London sowie ein Messerangriff auf zwei jüdische Männer in Großbritannien. Immer wieder seien anschließend professionell produzierte Propagandavideos veröffentlicht worden.

Angeklagter plante offenbar auch Anschläge in den USA

Der Terrorismusexperte Hans-Jakob Schindler von der transatlantischen Denkfabrik Counter Extremism Project spricht durch die Festnahme von Al-Saadi von einem "schweren Schlag" gegen das Netzwerk. Nach seiner Einschätzung handelt es sich bei HAYI weniger um eine eigenständige Terrororganisation als vielmehr um ein ideologisches Label, unter dem unterschiedliche Operationen zusammengeführt würden. Die eigentliche Steuerung sei mutmaßlich über Mittelsmänner aus dem irakisch-schiitischen Milieu erfolgt. Schindler sieht darin ein weiteres Indiz für Verbindungen in das Umfeld der iranischen Revolutionsgarden.

Besonders alarmierend aus Sicht der Ermittler: Laut FBI soll Al-Saadi versucht haben, auch Anschläge in den Vereinigten Staaten organisieren zu lassen. In abgehörten Gesprächen habe er über Brand- und Sprengstoffanschläge auf Synagogen und jüdische Zentren gesprochen und Geldzahlungen angeboten.

Münchner Restaurant-Betreiber erleichtert

Der Betreiber des Münchner Restaurants "Eclipse", Grigori Dratva, bezeichnete auf BR-Anfrage die Festnahme als wichtiges Signal dafür, dass Sicherheitsbehörden international zusammenarbeiten und Ergebnisse erzielen könnten. Gleichzeitig sehe man sich in der Einschätzung bestätigt, dass der Angriff auf das Restaurant offenbar Teil eines größeren transnationalen Zusammenhangs gewesen sei.

Auch die Europäische Rabbinerkonferenz reagierte erleichtert. Deren Direktor Gady Gronich erklärte, die Festnahme erfülle ihn mit "Erleichterung und Dankbarkeit gegenüber den bayerischen Sicherheitsbehörden". Jüdinnen und Juden fühlten sich in München und Bayern zwar vergleichsweise sicher, gleichzeitig zeige der Vorfall aber, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben könne.

Mit Informationen von Reuters.

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