Wenn Oskar morgens durch die Tür tapst, wird es in der Klasse 2C der Grundschule Burgkirchen für viele Kinder sofort ein bisschen leichter. Die Klasse lernt mit Oskar Regeln, Rücksichtnahme und Verantwortung – ganz selbstverständlich. Der Schulhund arbeitet Montag bis Donnerstag, mit vielen Ruhephasen.
Alle Kinder kennen die Regeln im Umgang mit Oskar: Wer ihm beispielsweise ein Stück Gurke gibt, wäscht danach automatisch die Hände. Niemand darf ihn herrufen. Oder wenn er schläft, wird leiser gesprochen. Jeden Tag übernimmt ein Kind den "Oskardienst": "Am Ende vom Unterricht muss man Oskar anleinen und rausgehen. Und man muss ihm immer Wasser geben", erklärt die siebenjährige Eleonore.
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Schulhund frisst Krümel und Karotten
Der rotbraune Labrador ist offiziell "Schulhund", doch für die Zweitklässler bedeutet er viel mehr: "In der Pause spielt er immer gerne Staubsauger und frisst die Krümel am Boden, das finde ich lustig“, lacht der siebenjährige Simon. "Manchmal darf man ihm Karotten geben", weiß die siebenjährige Eleonore. Wenn die siebenjährige Leonie vorlesen soll, dann mit Oskar an ihrer Seite: "Da habe ich mehr Mut", sagt sie.
Labrador Oskar unterstützt beim Lernen
Auch beim Lernen hilft Oskar. Die Zweitklässler sollen heute Adjektive üben und Oskar, der im Sitzkreis in der Mitte liegt, darf als Lernobjekt dienen. "Wie ist denn der Oskar?", fragt Lehrerin und Frauchen Tina Mohrdieck. "Cool, schön, lustig, verfressen", erklären die Kinder und legen die neu gelernten Adjektive als kleine weiße Zettel rund um den Labrador. Ein Bild, das in dieser Schule seit fast einem Jahrzehnt zum Alltag gehört.
Festes Konzept und Training
Tina Mohrdieck, Oskars Frauchen und Klassenleiterin, hatte die Idee und den Wunsch, einen eigenen Schulhund zu bekommen, bereits 2016. Dafür musste die heute 46-Jährige die Schule erst überzeugen. "Es war tatsächlich schwierig, viele Kollegen fanden es super, aber es gab damals auch viele skeptische Stimmen", erinnert sie sich. "Wir haben dann ein Konzept geschrieben und es so festgemacht, dass die Kollegen offen wurden und gesagt haben, wir testen es."
Vor seinem ersten Tag in der Schule trainierten Tina Mohrdieck und ihr Mann noch intensiv mit dem Labrador. Oskar kam bereits als Welpe in die Klasse und ist mit den Grundschülern groß geworden.
Schulhunde: Chancen und Herausforderungen
Zahlreiche Studien zeigen, dass Schulhunde den Unterricht positiv beeinflussen können: Sie senken nachweislich Stresswerte wie Cortisol und wirken beruhigend auf Kinder – sowohl bei Grundschülern als auch bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Beobachtungen und Befragungen belegen außerdem, dass Hunde das Klassenklima verbessern, die Beziehung zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern stärken und Motivation sowie Aufmerksamkeit erhöhen.
Gleichzeitig weisen Forschende darauf hin, dass der Einsatz eines Schulhundes kein Selbstläufer ist und sorgfältig geplant werden muss. Hunde können durch Lärm und ständige Reize belastet werden und brauchen feste Ruhezeiten. Hygieneregeln, klare Strukturen und eine professionelle Ausbildung des Mensch-Hund-Teams sind Voraussetzung, damit der Hund nicht überfordert wird und der pädagogische Nutzen überhaupt entstehen kann.
Im Video: Schulhund Lunka im Einsatz
Anna und die Haustiere
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