Urlaub im Allgäu. Seit Anja Ruping alleinerziehend ist, ist das nicht mehr möglich gewesen. Doch dieses Jahr verbringen sie und ihre drei Kinder zwei Wochen im Allgäuhaus Wertach. Hier ist Erholung für Familien möglich, auch wenn das Geld dafür nicht reicht. Denn zwölf von 16 Bundesländern - auch Bayern - bezuschusst für Familien mit wenig Geld einen gemeinsamen Urlaub. "Ohne diese Zuschüssehätte ich den Urlaub nicht machen können", sagt Ruping. "Das wäre zu teuer gewesen."
Das Allgäuhaus Wertach ist eine anerkannte gemeinnützige Familienferienstätte in Bayern. Es bietet Vollpension, Spiel- und Sportmöglichkeiten, Bildungsangebote und Wanderungen. Es ist eine von elf Einrichtungen in Bayern, in denen der Freistaat einen Urlaub fördert.
Wer bekommt eine Förderung und wie viel?
Wer in Bayern wohnt, muss eine Förderung beim Freistaat beantragen. Außerdem darf das jährliche Nettoeinkommen nicht hoch sein:
- allein erziehende Eltern (mit einem Kind) maximal 31.000€
- beide Eltern (mit einem Kind) maximal 34.000€
- für jedes weitere Kind kommen 4.800€ Freibetrag dazu
Pro Familienmitglied erhält die Familie täglich 19,50 Euro Förderung, 25,50 Euro pro Kind mit Beeinträchtigung. Die Förderung muss vor einer Buchung beantragt und bewilligt werden. Der Antrag dafür muss mindestens drei Wochen vor dem geplanten Urlaub gestellt werden. Die Auszahlung der Förderung erfolgt nach dem Urlaub.
Geförderte Urlaube sind das gesamte Jahr über möglich. Gefördert werden maximal 14 Urlaubstage. Weitere Informationen stehen auf der Webseite des Zentrums Bayern Familie und Soziales [externer Link].
Der Freistaat fördert gemeinnützige Familienferienstätten, insgesamt gibt es in Bayern elf Stück dieser Familienferienstätten.
Über 17 Millionen Deutsche können sich keinen Urlaub leisten
Ein Fünftel der Menschen in Deutschland kann sich eine Woche Urlaub im Jahr laut Statistischem Bundesamt nicht leisten. Insgesamt sind das 17,3 Millionen Menschen. Besonders Alleinerziehende haben es oft schwer. Laut aktuellen Zahlen der Bertelsmann Stiftung lebte jede fünfte Familie 2025 mit einem alleinerziehendem Elternteil. Davon können sich 39 Prozent einen Urlaub nicht leisten, ergab die Befragung des Statistischem Bundesamts. Zum Vergleich: Bei Haushalten mit zwei Erwachsenen und ohne Kinder liegt die Statistik bei 16 Prozent.
Wer maximal 1.600 Euro netto im Monat verdient, hat laut Statistischem Bundesamt die größten Schwierigkeiten, sich den Urlaub finanzieren zu können. Laut einem Tool des Instituts der Deutschen Wirtschaft verdient knapp ein Drittel der Menschen in Deutschland weniger als 1.600 Euro Netto im Monat.
700.000 Euro stehen dieses Jahr zur Verfügung
In diesem Jahr bewilligte das Land Bayern bisher 753 Förderanträge für einen Familienurlaub. Dafür wurden rund 620.000 Euro an Fördergeldern ausgeschüttet (Stand: 30. Juli 2026). Insgesamt stehen aus dem aktuellen Haushalt 700.000 Euro zur Verfügung.
Anja Ruping genießt die Zeit mit ihrer Familie im Allgäu. "Wir stehen morgens auf und gehen frühstücken. Die Kinder essen eigentlich zu schnell das Brötchen, um sich wieder mit ihren Freunden zu treffen", sagt Ruping. "Abends sitzen wir Erwachsene dann gerne in einer Runde zusammen und reden, was man den Tag über gemacht hat."
Was ihre Kinder noch nicht wissen: für ein paar Tage werden auch Oma und Opa nach Wertach kommen. Die waren früher auch schon hier zur Erholung. Zusammen mit Anja Ruping, als sie selber noch ein Kind war.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
Sie interessieren sich für Religion, Kirche, Glaube, Spiritualität oder ethische Fragen? Dann abonnieren Sie hier den Newsletter der Fachredaktion Religion und Orientierung.

