Arbeiten an schwerem Gerät: Soldaten aus Volkach in Unterfranken warten den Motor eines Kampfpanzers Leopard. Während des Manövers "Freedom Shield" setzen sie in Litauen Gefechtsfahrzeuge instand. Der Verband bleibt aber in Deutschland stationiert, wird nicht Teil der Brigade.
Arbeiten an schwerem Gerät: Soldaten aus Volkach in Unterfranken warten den Motor eines Kampfpanzers Leopard. Während des Manövers "Freedom Shield" setzen sie in Litauen Gefechtsfahrzeuge instand. Der Verband bleibt aber in Deutschland stationiert, wird nicht Teil der Brigade.
Bild
Arbeiten an schwerem Gerät: Soldaten aus Volkach in Unterfranken warten den Motor eines Kampfpanzers Leopard.
Bildrechte: Kilian Neuwert/BR
Schlagwörter
Bildrechte: Kilian Neuwert/BR
Videobeitrag

Arbeiten an schwerem Gerät: Soldaten aus Volkach in Unterfranken warten den Motor eines Kampfpanzers Leopard.

Videobeitrag
>

Von Bayern nach Litauen: Soldaten üben bei Großmanöver

Von Bayern nach Litauen: Soldaten üben bei Großmanöver

In Litauen baut die Bundeswehr eine Heeresbrigade auf. Bevor sie ab Ende kommenden Jahres einsatzbereit sein soll, fand nun das erste Großmanöver statt. Zahlreiche Soldaten aus Bayern waren beteiligt.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Über den asphaltierten Hof eines Betonwerks rollt Kundschaft für die Soldatinnen und Soldaten des Logistikbataillons 467 "Mainfranken" heran: Dieses Mal ist es ein defekter Radpanzer. Die Männer und Frauen aus Volkach haben eine Zelthalle auf dem Firmengelände in eine Werkstatt für schweres Gerät verwandelt. Panzermotoren stehen auf dem Boden. Dahinter Kampf- und Schützenpanzer. Sie wirken, als wären sie ausgeweidet worden. Bei den Soldaten aus Unterfranken landen die schweren Schäden. Solche, die auf dem nahen Truppenübungsplatz in Pabrade auftreten und die sich nicht sofort beheben lassen.

Sand wirkt wie Schmirgelpapier

Stabsfeldwebel Mark stellt sich als "Werkstattleiter" vor. Seine Gruppe ist für die Reparatur von Schützenpanzern zuständig. Und die ist teils knifflig: Der litauische Sand macht mitunter Probleme bei den hochmodernen "Pumas". Er wirkt wie Schmirgelpapier, sorgt an vielen Stellen für mehr Verschleiß – auch an den Optiken, schildert Mark oben auf dem Turm eines Pumas. Der ist ein besonders schwerer Fall für seine Männer. Sie könnten durch die komplexen Schäden aber auch viel lernen, sagt Mark: "Wir werden besser und dadurch schneller."

Der Stabsfeldwebel und seine Männer sind nur für das erste Manöver der deutschen Litauen-Brigade vor Ort. Dabei sind sie viel näher an der kämpfenden Truppe als üblich. Denn eigentlich wäre der Platz der spezialisierten unterfränkischen Einheit viele hundert Kilometer hinter einer Front: Also dort, wo sich so schwere Schäden besser beheben lassen.

Zukunft anderer Soldaten liegt in Litauen

Die Zukunft anderer Manöverteilnehmer liegt hingegen in dem baltischen Land: Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach soll im kommenden Jahr aus der Oberpfalz nach Litauen verlegt werden. Schon jetzt untersteht es der Brigade, die Deutschland gerade vor Ort aufbaut.

Die dauerhafte Stationierung von 4.800 Soldatinnen und Soldaten soll ein Signal der Abschreckung gen Moskau senden und so helfen, einen Krieg zu verhindern. Einsatzbereit soll der Großverband bis Ende 2027 sein. Das erste Manöver der Brigade gilt dabei als Meilenstein. Für manch einen Soldaten ist es auch Premiere.

Von Chancen und Herausforderungen

Hauptfeldwebel Philip aus Oberviechtach etwa, ist zum ersten Mal im Land. Verschwitzt steht er nach einem Gefechtsschießen neben seinem Panzer. 20-Stunden-Tage würden an den Kräften zehren, erzählt er mit kratzender Stimme. Doch das Üben sei wichtig. Solche Manöver bräuchte es "immer wieder". Dem Umzug ins Baltikum blickt er dabei positiv entgegen. Er begreift ihn als "Chance", da das Heer priorisiert: Die Brigade soll bevorzugt mit neuem Material ausgestattet werden und über gute Übungsmöglichkeiten in nächster Nähe verfügen. Auf seine Familie, die mitkommen soll, sieht er unterdessen Herausforderungen zukommen. Es stellen sich Fragen nach Schulen und beruflichen Möglichkeiten.

Ausreichend Freiwillige?

Freiwillige wie Philip gibt es aktuell aber offenbar nicht in ausreichender Zahl. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der im Zusammenhang mit der Stationierung stets das Freiwilligkeitsprinzip betont hatte, will Verpflichtungen inzwischen nicht mehr ausschließen. Für Beobachter war das erwartbar – zumal für den Aufbau der Brigade auch spezialisiertes Personal benötigt wird, das in der gesamten Bundeswehr nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung steht.

Bundeswehr rührt Werbetrommel: Informationsreisen

Um Soldaten für den Dienst in Litauen zu motivieren, setzt die Truppe deshalb längst auf vielfältige Werbemaßnahmen: Diese reichen von Ausbildungsabschnitten im Land bis hin zu Informationsreisen und Videos in bundeswehrinternen Portalen. In unterschiedlichsten Heereskreisen wird in diesem Zusammenhang immer wieder darauf verwiesen, dass Litauen vielen als Land gänzlich unbekannt sei und deshalb mancher zögere. Zu hören ist häufig auch das Argument, dass bei der Frage nach Freiwilligenmeldungen nie alle Finger nach oben schnellen, so mancher aber kein Problem damit hätte, auf Befehl in Litauen zu dienen.

Großbaustelle Rudninkai

An der künftigen militärischen Heimat der meisten Brigadeangehörigen wird unterdessen ungeachtet der Personaldebatten weitergebaut. In Rudninkai entstehen ein Kasernengelände, sowie Lager- und Übungsmöglichkeiten. Mitte Juli wurde mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen. Die erste Bauphase soll laut dem litauischen Verteidigungsminister zehn Monate früher als geplant beendet werden. Im Herbst sollen die ersten Soldaten einziehen. Für das Bauprojekt, das als größtes militärisches Bauvorhaben in der Geschichte des Landes gilt, kommt der litauische Staat auf.

Kontrovers – Die Story hat das erste Manöver der Brigade begleitet: Litauen-Brigade: Mission Abschreckung. Es ist der dritte Film, den das BR-Format der Litauen-Stationierung widmet. Ein derartiges Vorhaben gab es in der Geschichte der Bundeswehr nie zuvor. Hier gehts zur Reportage Von Bayern nach Litauen – Leopard-Kampfpanzer der Bundeswehr in NATO-Mission und hier zur Reportage Die Bundeswehr in Litauen – Ein Bataillon zieht um.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!