Der Präsident des Bayerischen Brauerbunds, Georg Schneider, formuliert es in der Augsburger Allgemeinen noch vorsichtig, aber damit ist es in der Welt: Eintritt für die Wiesn. Schneider sagt, man müsse darüber nachdenken, ob man so ein großes und aufwendiges Volksfest allein über den Bierpreis – also die Verzehreinnahmen – finanzieren kann.
Bierpreissteigerung und steigende Kosten
Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz: Die Preise für ein Bier auf dem Oktoberfest steigen jedes Jahr, und 2025 war keine Ausnahme. Zwischen 14,50 und 15,80 Euro kostete die Maß, was einem Anstieg von etwa 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Literpreis lag zwischen 13,60 und 15,30 Euro, und die Münchner Stadtverwaltung prüft, ob diese Preissteigerungen gerechtfertigt sind.
Brauerpräsident Schneider sieht in der stetig steigenden Bierpreis-Kalkulation ein Problem. "Oktoberfest-Besucher tragen durch ihren Bierkonsum dazu bei, dass die Kosten, die dieses Fest verursacht, finanziell getragen werden können", sagte er der Augsburger Allgemeinen. "Dazu gehören der Zeltaufbau, das Personal und die Musiker. Aber reicht es, Bier als Haupt-Kalkulationsgrundlage zu verwenden?"
Der Vorschlag: Eintrittspreise für die Wiesn
Angesichts dieser finanziellen Belastung, die jedes Jahr steigt, schlägt Schneider vor, einen Eintritt für das Oktoberfest zu verlangen. "Bei einer Veranstaltung wie dem Oktoberfest sollte man darüber nachdenken, Eintritt zu verlangen", so Schneider. Der Vorschlag zielt darauf ab, eine gerechtere Verteilung der Kosten zu erreichen, sodass nicht nur die Bierpreise als Finanzierung herangezogen werden.
Wiesn-Chef und OB Reiter erteilen eine klare Absage
Doch der Vorschlag stößt nicht überall auf Zustimmung. Christian Scharpf (SPD), der Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent der Stadt München, erteilt der Idee einer Eintrittsgebühr eine klare Absage. "Das Oktoberfest ist ein Volksfest und kein Freizeitpark", erklärte Scharpf. "Ein Eintrittspreis passt überhaupt nicht zum Volksfestcharakter der Wiesn und kommt nicht in Frage."
Scharpf betonte, dass das Oktoberfest für jeden zugänglich sein müsse. "Die Wiesn ist für jeden und jede da, nicht nur für die, die sich einen teuren Eintritt leisten können. Auch die Gäste, die einfach nur durchschlendern und die Atmosphäre genießen wollen, sind genauso willkommen wie die, die in den Bierzelten feiern oder sich in einem Fahrgeschäft vergnügen wollen."
Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) lehnt Eintrittsgeld entschieden ab: Er wäre "absolut dagegen", sagte er im Presseclub. Für die "Oide Wiesn" hätten sich Eintrittsgeld und Einzäunung zwar bewährt. Aber dort sei die Situation eine andere: Es handle sich um einen kleinen abgegrenzten Bereich der Wiesn. Musik und Besucherstruktur seien völlig anders. Und für die Lenkung der Besucherströme gebe es bereits Konzepte.
Eintrittspreise auch in Zukunft heißes Thema?
Der Vorschlag von Georg Schneider wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie finanziert man eine Veranstaltung von solchem Ausmaß, ohne den Charakter als Volksfest zu gefährden? Der Eintritt auf das Oktoberfestgelände ist traditionell frei, und lediglich der Besuch des Bereichs "Oide Wiesn" erfordert eine Eintrittskarte. Doch angesichts der ständig steigenden Kosten – nicht nur für Bier, sondern auch für den gesamten Betrieb des Festes – könnte der Vorschlag von Schneider in den kommenden Jahren möglicherweise wieder auf den Tisch kommen.
Ob und wie sich die Preise für die Maß Bier und die eventuelle Einführung eines Eintritts weiterentwickeln, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Debatte um das Oktoberfest und seine Finanzierung auch in Zukunft ein heißes Thema bleiben wird.
Mit Informationen von dpa
- Zum Artikel der Münchner Abendzeitung: "Bleibt der Bierpreis mit Eintritt stabil? Das sagen die Wiesnwirte selbst" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]
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