Theo Waigel (CSU) am BR Sonntags-Stammtisch
Theo Waigel (CSU) am BR Sonntags-Stammtisch
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Machtpolitisch sei der US-Angriff auf den Iran durchaus vertretbar, so der frühere Bundesfinanzminister Waigel (CSU) am BR Sonntags-Stammtisch.
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Machtpolitisch sei der US-Angriff auf den Iran durchaus vertretbar, so der frühere Bundesfinanzminister Waigel (CSU) am BR Sonntags-Stammtisch.

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Waigel zu Iran-Angriff: "Völkerrechtlich höchst problematisch"

Waigel zu Iran-Angriff: "Völkerrechtlich höchst problematisch"

Er gilt als einer der letzten Weltpolitiker: Der frühere Bundesfinanzminister und CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel. Am BR Sonntags-Stammtisch hat er den US-Angriff auf den Iran kritisiert, aber auch Argumente dafür genannt.

Über dieses Thema berichtet: Der Sonntags-Stammtisch am .

Für Theo Waigel (CSU) ist der Angriff der USA und Israel auf den Iran ein Beispiel für "reine Machtpolitik“. Am BR Sonntags-Stammtisch bezeichnete er den Einsatz als "völkerrechtlich höchst problematisch“. Trump habe in den letzten Monaten und Jahren zum Ausdruck gebracht, dass er das Völkerrecht nicht sonderlich schätze, so Waigel.

Gastgeber Hans Werner Kilz und seine beiden Stammgäste Ursula Münch und Christian Neureuther mit Gayle Tufts und Theo Waigel
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Die US-Außenpolitik war eines der zentralen Themen am BR Sonntags-Stammtisch vom 1. März 2026, aber nicht nur. Hier die Sendung in der Mediathek.

Machtpolitisch sei es jedoch vertretbar, wenn es darum gehe, den Mullahs die Atombombe zu versagen und es ihnen unmöglich zu machen, die Atombombe einzusetzen, so Waigel. Höchst gefährlich sei es wiederum, der Bevölkerung nun die Verantwortung für einen möglichen Regierungswechsel zu geben, wie es Trump unmittelbar nach dem Angriff tat. "Denn wenn die Menschen jetzt verstärkt auf die Straße gehen, dann gibt's vielleicht noch mehr Tote als das letzte Mal", erklärte Waigel.

Politikwissenschaftlerin Münch kritisiert Trumps Gründe für den Iran-Angriff

Politikwissenschaftlerin Ursula Münch gab an dieser Stelle zu bedenken, dass die Distanz zu den Protesten im Iran Ende Dezember viel zu lange her sei. Ein Regierungswechsel sei damals leichter gewesen, so Münch.

Theo Waigel ergänzte: "Die Bevölkerung allein vermag es nicht gegen die Macht anzugehen. Sondern nur, wenn ein Teil des Militärs und der Sicherheitskräfte bereit wären." Das sei nun zu prüfen, ob das möglich sein könne.

Politikwissenschaftlerin Münch bezweifelte zudem Trumps Argumentation, dass der Iran die Sicherheit der Welt und die der USA bedrohen würde. "Das hat er behauptet. Dafür gibt’s eigentlich keine Belege", so Münch. "Die meisten, die sich mit der Bewaffnung des Irans auskennen, sagen: 'Das dauert noch lange, bis der Iran tatsächlich Interkontinentalraketen hat.'"

Entertainerin Gayle Tufts: "Es ist wie ein Hollywood-Film"

Die US-amerikanische Entertainerin Gayle Tufts, die seit 35 Jahren in Berlin lebt, kritisierte zudem die Art und Weise, wie Trump den Iran angegriffen habe. "Er hat das nicht durch den Kongress gehen lassen, was man normalerweise vor einer militärischen Intervention macht", erklärte sie. Sein Anspruch, ein Friedenspräsident zu sein, sei mit dem erneuten Angriff auf ein fremdes Land ebenfalls verlorengegangen. "Es ist wie ein Hollywood-Film. Es ist wie ein schlechter Roland Emmerich-Film und ich möchte Roland Emmerich dabei nicht beleidigen“, fasste Tufts ihren Blick auf den US-Präsidenten zusammen.

Entertainerin Gayle Tufts am BR Sonntags-Stammtisch
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Die US-amerikanische Entertainerin Gayle Tufts hat am BR Sonntags-Stammtisch den US-Angriff auf den Iran kritisiert.

Waigel zu Merz‘ Außenpolitik: "Ausgezeichnete Figur gemacht“

Was das Verhältnis Deutschlands zu Trump angeht, fand Theo Waigel lobende Worte für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): "Ich glaube schon, dass Friedrich Merz bisher außenpolitisch auch im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten eine ausgezeichnete Figur gemacht hat.“ Merz verstehe es, Trump zu nehmen, wie er sei, ihm gleichzeitig aber nicht den notwendigen Widerspruch zu versagen. "Dabei ist es ganz wichtig, dass die Europäer eine relativ gemeinsame Front bezogen haben, was die Zölle angeht“, erklärte Waigel.

Waigel sieht hohen Einfluss von Merz auf Trump

Merz habe auf Trump durchaus Einfluss, "vielleicht stärker sogar als die EU-Kommissionspräsidentin“, befand Waigel. Mit Blick auf das anstehende Treffen zwischen Merz und Trump kommende Woche sei wichtig, bei der Iran-Intervention klarzumachen, was man mittrage und was nicht. Unterstützenswert sei eine Politik, die verhindere, dass der Iran Atommacht werde. "Auf der anderen Seite können wir nicht die ständige Verletzung des Völkerrechts und auch die Einmischung in unsere internen Angelegenheiten akzeptieren, was Demokratie ist und was nicht. Das kann ein Friedrich Merz sagen", erklärte Waigel.

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