(Symbolbild) Laut Bundesgesundheitsministerium betrug im Jahr 2024 die Wartezeit auf einen Arzttermin in Deutschland 42 Tage.
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Lange Wartezeiten beim Facharzt: Zahlen, Gründe, Tipps

Lange Wartezeiten beim Facharzt: Zahlen, Gründe, Tipps

Wer zur Fachärztin oder zum Facharzt will, braucht in Deutschland oft Geduld. Aktuell erhitzt eine Antwort der Bundesregierung mit Zahlen für das Jahr 2024 die Gemüter. Die Bundesgesundheitsministerin gelobt Besserung, doch es gibt viel Kritik.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Kurzfristig zur Hautärztin oder zum Kardiologen – das ist in Deutschland oft schwierig. Gesetzlich Versicherte müssen sich in vielen Fällen gedulden, bis sie einen fachärztlichen Termin haben. Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag zeigt, dass sich die durchschnittliche Wartezeit zwischen 2019 und 2024 sogar erhöht hat. Alle wichtigen Infos – und Tipps, wie es vielleicht doch schneller geht.

Wie kann es sein, dass Menschen in Deutschland so lange auf einen fachärztlichen Termin warten müssen? Darüber haben wir mit dem BR-Gesundheitsexperten Nikolaus Nützel sowie mit Dr. Peter Heinz (externer Link), stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB), gesprochen. Das Video finden Sie oben eingebettet in diesem Artikel.

Wie lange waren die Wartezeiten bundesweit zuletzt?

Laut den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums warteten gesetzlich Versicherte im Jahr 2024 durchschnittlich über einen Monat auf einen Facharzttermin – je nach Zählweise 36 (alle Patienten mit null Wartetagen mitgerechnet) oder sogar 42 Tage. Im Jahr 2019 waren es demnach im Schnitt 33 Tage. Die Antwort auf Basis einer Versichertenbefragung liegt BR24 vor. Zuerst hatte die Rheinische Post berichtet (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt).

Bei welchen Fachrichtungen wartet man am längsten?

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung nicht hervor. Pauschal lässt sich nicht sagen, bei welchen Fachrichtungen man wie lange warten muss. Das hängt unter anderem von der Region ab. Immer wieder wird aber berichtet, dass Termine in einer Hautarztpraxis oder bei einer Neurologin schwer zu kriegen sind.

Die Zahl der von Hausarztpraxen vermittelten Termine ist im besagten Zeitraum allerdings sprunghaft angestiegen. Laut dem Bundesgesundheitsministerium vermittelten Hausärztinnen und Hausärzte von 2020 bis 2022 jeweils jährlich etwa 476.000 bis 583.000 Termine bei Fachärzten. Im Jahr 2023 waren es rund 2,54 Millionen Facharzttermine. Hintergrund dieses deutlichen Anstiegs waren demnach Anpassungen im Terminservice- und Versorgungsgesetz, beschlossen von Schwarz-Rot 2019.

Warum dauert es oft länger?

"Das hat viele Gründe", sagt Peter Heinz bei BR24. Er ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Heinz zählt auf: Eine immer ältere Bevölkerung. Neue Behandlungsmöglichkeiten, die für eine längere Behandlungszeit pro Patient sorgen würden. Ein "eklatanter Fachkräftemangel" im medizinischen Bereich. Zudem gebe es oft ein "Pingpong-System" – ein Patient besuche unnötigerweise mehrere Fachärzte bis zur "richtigen Stelle".

Heinz betont aber: "Im internationalen Vergleich ist das eher eine Phantom- oder Luxus-Diskussion. Weil Sie warten in anderen Ländern viel, viel länger auf einen Termin." Zudem würden medizinisch dringende Fälle schon jetzt in Deutschland sehr schnell behandelt – "in der Regel binnen drei Tagen, wirkliche Notfälle meistens noch am gleichen Tag".

Wie will die Bundesgesundheitsministerin die Lage verbessern?

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) räumt ein: "Die Schaffung von Anreizen für schnellere Facharzttermine – etwa aus der vergangenen Legislaturperiode – haben offenkundig nicht zu nachhaltigen Verbesserungen geführt." Deshalb müsse man das Problem jetzt von Grund auf angehen. Es brauche mehr Navigation und Steuerung. Zudem müsse gelten: "Wenn ein schneller Termin medizinisch notwendig ist, soll er auch gewährt werden."

Laut Warkens Plänen sollen gesetzlich Versicherte zuerst in die Hausarzt-Praxis. Von dort sollen sie bei Bedarf überwiesen werden – und schneller als bisher einen Termin erhalten. Allerdings soll dieses sogenannte Primärversorgungssystem wohl erst ab 2028 greifen. Emmi Zeulner, CSU-Gesundheitsexpertin im Bundestag, erläutert im Interview mit BR24: Es gehe um mehr Steuerung und eine bessere Versorgung. Der Patient müsse zum richtigen Arzt kommen. In anderen europäischen Ländern gebe es bereits ein Primärversorgungssystem.

Wie kommt man möglichst schnell an Termine?

Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vermitteln Facharzt-Termine – telefonisch oder online. Wer akut Hilfe benötigt, kann das über ein weiteres Portal buchen. Alle wichtigen Infos und Links zur Terminbuchung finden Sie in diesem BR24-Überblick.

Viele Menschen nutzen kommerzielle Online-Anbieter wie Doctolib oder Jameda. Im Einzelfall kann auch das helfen, möglichst rasch einen Termin in einer fachärztlichen Praxis zu ergattern. Allerdings stehen solche Portale immer wieder in der Kritik. Zuletzt rügte das Landgericht Berlin, dass Kassenpatienten bei Doctolib häufig Selbstzahler-Termine sahen, obwohl sie das durch einen Filter bei der Suche eigentlich ausgeschlossen hatten.

Wie bewertet die Linke die Antwort der Bundesregierung?

Die Linke-Gesundheitspolitikerin Julia-Christina Stange bezeichnet die bestehenden Regelungen für eine bessere Versorgung und schnellere Termine als "Rohrkrepierer". Angesichts explodierender Beiträge der Krankenkassen fragten sich die Menschen zurecht, "wessen Interessen hier eigentlich bedient werden". Anstatt endlich durchzugreifen, verschließe die Bundesregierung fest die Augen.

Mit Informationen von dpa und epd

Im Video: Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt

Ein Hinweisschild weist den Weg ins Wartezimmer einer Arztpraxis.
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Gesetzlich Versicherte müssen im Schnitt 42 Tage auf einen Termin beim Facharzt warten. Kann die Politik diese Zeit verkürzen?

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