Rund neun Millionen Menschen leben in Bayern in Landkreisen, das sind fast 70 Prozent der Bevölkerung im Freistaat. In 71 Landkreisen gibt es ebenso viele Kreistage. Sie sind Teil der kommunalen Selbstverwaltung.
Mit "Grüß Gott zu unserer letzten Kreistagssitzung in diesem Jahr" empfängt der Landrat des Landkreises Fürth, Bernd Obst (CSU), die Mitglieder des Kreistages. An diesem Dezembertag ist es die letzte von vier regulären Sitzungen im Jahr. Dabei geht es unter anderem um einen Rückblick auf das vergangene und einen Ausblick auf das Jahr 2026. Unter den 60 gewählten Mitgliedern ist Angelika Abram (SPD). Die 60-Jährige ist Krankenschwester von Beruf, ihre Arbeit im Kreistag ist ehrenamtlich.
Kreistag trifft Entscheidungen
Die Zahl der Mitglieder ist durch die bayerische Landkreisordnung geregelt und abhängig von der Einwohnerzahl. Die Kreistagsmitglieder werden wie der Landrat bei der Kommunalwahl gewählt. Der Landrat oder die Landrätin eines Landkreises führt die laufenden Geschäfte.
"Aber die Entscheidungen treffen tatsächlich wir Kreisräte", bei den regelmäßigen Treffen in den Ausschüssen und Sitzungen, sagt Angelika Abram. Der Kreistag ist damit kein Parlament, das Gesetze beschließt. Er ist Teil der Verwaltung, der weitreichende Entscheidungen trifft. Die Arbeit sei wichtig, weil es um die Geschicke des Landkreises gehe, so Angelika Abram.
Schulen, Kreisstraßen und Bauprojekte
Der Kreistag ist für Bereiche zuständig, die eine Gemeinde oder eine Stadt im Landkreis nicht regeln kann. Dazu gehören etwa die weiterführenden Schulen, weil im Landkreis nicht jeder Ort seine eigene Realschule oder sein eigenes Gymnasium betreiben kann.
Außerdem ist er für den Bau und Erhalt von Kreisstraßen und die Jugend- und Sozialarbeit zuständig. Viele Kreistagsmitglieder engagieren sich zusätzlich auch in Gemeinderäten, sagt der Politikwissenschaftler der Uni Erlangen-Nürnberg Thorsten Winkelmann. Dadurch verzahne sich die Arbeit von Landkreis und Gemeinden. Neben dem Kreistag gibt es aber auch Ausschüsse für bestimmte Themenbereiche.
Sachliche Arbeit über Parteigrenzen hinweg
Die Beschlüsse über Straßen und Schulen werden in Ausschüssen für den Kreistag vorbereitet. Der Landkreis Fürth hat beispielsweise einen Umwelt- und Verkehrsausschuss, einen Schulausschuss und einen Jugendhilfeausschuss.
Der 29-jährige André Höftmann (Grüne) ist Mitglied im Bauausschuss, der sich vor der Kreistagssitzung getroffen hat. Im Landkreis sei die Arbeit überwiegend sach- und themenbezogen und funktioniere meist parteiübergreifend. Auch der Kreistag liefere nicht die große, politische Bühne. "Sondern es geht wirklich darum, direkt was für die Menschen vor Ort zu machen", sagt Höftmann.
Wenn es ums Geld geht, wird es kontroverser
Müllentsorgung oder Straßenbau sind meist keine Themen, aus denen ideologische Debatten entstünden, sagt Politikwissenschaftler Thorsten Winkelmann. Entweder sie funktionierten oder eben nicht. Das heißt aber nicht, dass die Arbeit im Kreistag ohne Diskussionen läuft. Die gibt es besonders dann, wenn es ums Geld geht.
Dann gebe es politisch hitzigere Debatten, berichtet André Höftmann. "Gerade mit Blick auf die angespannte Haushaltslage gibt es da durchaus unterschiedliche Positionen." Der Landkreis plant ein viertes Gymnasium in Cadolzburg, weitere Schulen und Turnhallen müssen saniert werden. Die Kreistagssitzung, in der es um den Haushalt gehen wird, ist für den 9. Februar angesetzt.
Arbeit im Stillen?
Landräte und Landrätinnen sind öffentlich sichtbar, treffen sich mit Unternehmerinnen und Unternehmern, weihen neue Gebäude ein und besuchen Veranstaltungen im Landkreis. Dadurch erhielten sie in der Region eine gewisse Prominenz, erklärt Politikwissenschaftler Thorsten Winkelmann. Er stehe viel mehr in der Öffentlichkeit.
Dass der Kreistag nicht so im Fokus stünde, spreche für die Arbeit des Gremiums. Es gehe um Themen, die weniger emotional seien. Ähnlich berichten es auch die befragten Kreistagsmitglieder. Sie sagen: Sie engagierten sich zwar für ihre Partei, aber vor allem für ihren Landkreis.
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