Nach Wochen hat es im unterfränkischen Iphofen das erste Mal nennenswert geregnet. Seit Jahren kämpfen die fränkischen Winzer mit Trockenheit. Gegen die Dürre soll in Iphofen ein Pilotprojekt helfen: eine sieben Kilometer lange Leitung vom Main bis zu den Weinbergen. Eigentlich. Denn seit einer Förderzusage vor fünf Jahren ist das Projekt kaum weitergekommen. Vor Ort gibt es Zweifel, dass es noch finanzierbar ist.
Sinkende Absätze, kein Geld für Bewässerung
"So wie es ursprünglich geplant war, wird es nicht stattfinden", sagt Andrea Wirsching. Die Winzerin ist Vorsitzende des "Iphöfer Weinbauvereins", ihr Betrieb das größte Privatweingut Frankens. Wirsching gilt als eine der prominentesten Befürworterinnen des Projekts. Dieses will der Freistaat mit bis zu 10 Millionen Euro fördern.
Seit der Zusage des bayerischen Umweltministeriums 2021 haben sich jedoch die Rahmenbedingungen für die Winzer geändert. Die Absätze sinken, Winzer roden Weinberge. Wirsching erwartet, dass auch in Iphofen die Fläche weniger wird. 80 Hektar in den kommenden vier Jahren hält sie für möglich – ein Rückgang um rund 30 Prozent. "In so einem Strukturwandel geht es ums Überleben für viele", sagt Wirsching. Geld für die Leitung sei nicht übrig.
Ministerium will drei Weinbau-Pilotprojekte fördern
Vor fünf Jahren hatte das Umweltministerium für drei Pilotprojekte im Weinbau eine Förderung zugesagt. Die Leitung nach Iphofen ist eines davon. Bei Hochwasser soll Wasser aus dem Main in ein Speicherbecken gepumpt werden – von dort im Sommer in die Weinlagen.
Ähnlich soll ein Pilotprojekt ein paar Kilometer weiter in Nordheim und Sommerach funktionieren. Wobei der Mainkanal dort vor der Haustür liegt. Bei einem weiteren Pilotprojekt in Oberschwarzach sollten Starkniederschläge gesammelt werden – außerdem Wasser aus zwei Bächen, wenn diese viel Wasser führen.
Kosten für Wasserprojekte gestiegen
Doch auch in Nordheim und Oberschwarzach fehlt den Winzern das Geld. Neben der Absatzkrise seien die Projektkosten gestiegen. In Nordheim rechnet Bürgermeisterin Sibylle Säger (CSU), selbst aus einer Weinbaufamilie, mit einem Zuwachs von 50 bis 75 Prozent. Ursprünglich hatte sie Gesamtkosten von 14 Millionen Euro erwartet. "Wir möchten das gerne umsetzen, wir wissen nur nicht wie", sagt Säger. Sie hofft zumindest auf eine kleinere Lösung.
Weniger Hoffnung hat Jürgen Rebhann, Vorstand im Weinbauverein Oberschwarzach: "Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der Kosten pro Hektar ist das Projekt tot." Die Rebfläche in Oberschwarzach ist deutlich kleiner als in Iphofen oder Nordheim/Sommerach. Den Eigenanteil der Winzer schätzt er pro Hektar inzwischen auf eine sechsstellige Summe – trotz Förderung.
Weinbaupräsidentin: Zwei Projekte noch möglich, eines nicht
Auch die Spitze des Fränkischen Weinbauverbands hält die Projekte, so wie geplant, inzwischen für kaum finanzierbar. Barbara Becker, CSU-Landtagsabgeordnete und seit kurzem Verbandspräsidentin, glaubt zumindest für Iphofen und Nordheim noch an eine Lösung. Es brauche einen Austausch zwischen Winzern, Kommunen, Behörden und Kritikern. Die Projekte müssten günstiger werden.
Mit Blick auf Oberschwarzach hat aber auch sie keine Hoffnung. Es sei ein "hochspannendes Projekt", Hochwasserschutz und Bewässerung zu kombinieren: "Aber es wäre immens teuer gewesen, selbst in guten Zeiten."
Vorschlag: Wasser nicht nur für Weinbau nutzen
Bei der Landesanstalt für Weinbau- und Gartenbau (LWG) könnte sich Daniel Heßdörfer vorstellen, die Pilotprojekte noch einmal neu zu denken. Er und sein Team forschen zum Weinbau im Klimawandel: neben Bewässerung testen sie Sorten, Erosionsschutz oder Verfahren im Rebschnitt, um den Pflanzen durch die Dürre zu helfen. Doch in den heißen Steillagen kommen solche Alternativen an ihre Grenzen, sagt Heßdörfer. Er schlägt vor: die Projekte über den Weinbau hinaus auszuweiten. Wasser brauchen schließlich auch Sportplätze oder städtische Grünanlagen.
Förderrichtlinie umfasst nur Sonderkulturen
Etwas ähnliches könnte sich Winzerin Andrea Wirsching vorstellen, etwa eine Umwidmung des Pilotprojekts. Dann könnten alle in Iphofen das Wasser nutzen und dafür bezahlen – nicht nur der Weinbau.
Das Bayerische Umweltministerium teilt auf Anfrage allerdings mit: Die Förderrichtlinie umfasst lediglich Sonderkulturen, wie zum Beispiel Wein. Wasser für Sportplätze oder Stadtgrün sei nicht umfasst. Die Millionen für die bisher geplanten Pilotprojekten stünden weiterhin bereit.
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