Auf der Brunnenkopfhütte über dem Graswangtal wurde das Wasser in diesem Sommer so knapp, dass der Betrieb zeitweise gefährdet war. Mehrmals pro Woche musste ein Tank mit rund 1.000 Litern Wasser per Traktor auf den Berg gebracht werden. Die Speisekarte wurde verkleinert, teilweise kam Pappgeschirr zum Einsatz. Hüttenwirt Christian Deser musste über Wochen jeden Tropfen sparen, denn: "Ohne Wasser kann man in der Küche nicht mehr arbeiten. Dann muss man zusperren – und dann ist es aus!" Auf die Frage, wie knapp es gewesen sei, antwortet er: "Sehr knapp."
Seit Jahren immer weniger Wasser
Lars Evers, Hüttenreferent der DAV-Sektion Bergland München, findet die Situation ebenfalls sehr ungewöhnlich. Denn der Name des Berges kommt tatsächlich von den Wasservorkommen. "Der Name rührt ja daher, dass es hier einen Brunnen gab, dass es ein wasserreicher Ort war, ein wasserreicher Berggipfel."
Doch die Quelle in den Karsthängen liefert seit Jahren immer weniger Wasser. In diesem Sommer versiegte sie schließlich komplett. "Es gab in der Vergangenheit auch schon sehr trockene Sommer, aber es hat eigentlich doch irgendwie immer gereicht. Und so wie in diesem Jahr, dass die Quelle komplett ausgetrocknet ist, das gab es bisher noch nie", sagt Evers.
Mehr als ein Drittel der Hütten betroffen
Der Brunnenkopf ist kein Einzelfall. Beim Deutschen Alpenverein laufen die Erfahrungen von rund 300 Hütten zusammen. Eine erste Bilanz zeigt: Mehr als ein Drittel der Hütten war in diesem Sommer von Wassermangel betroffen. DAV-Mitarbeiter Julian Rohn spricht von rund 35 bis 40 Prozent.
Dabei gibt es regionale Unterschiede. Im westlichen Alpenraum sind die Probleme größer, Richtung Osten nehmen sie ab. Auch der Untergrund spielt dabei eine Rolle: Je nach Gestein im Untergrund kann Regenwasser unterschiedlich gut gespeichert werden.
Wasser sparen und speichern
Viele Hütten versuchen, ihren Verbrauch zu reduzieren. Auf der Brunnenkopfhütte gibt es beispielsweise seit rund 20 Jahren Trockentoiletten und wassersparende Armaturen. Gerade bei den Toiletten lässt sich viel Wasser sparen: Wassertoiletten können laut DAV rund 60 Prozent des Wasserverbrauchs ausmachen.
Der Alpenverein setzt deshalb auf drei Maßnahmen: Wasser sparen, Wasser speichern und den Verbrauch besser überwachen. Gleichzeitig erwägt der DAV weitere Förderprogramme, um Hütten bei der Anpassung an die zunehmende Wasserknappheit zu unterstützen – etwa für größere Wasserspeicher oder wassersparende Technik.
Größerer Wasserspeicher für den Brunnenkopf
Die DAV-Sektion Bergland München zieht für die Brunnenkopfhütte den Bau eines größeren Wasserspeichers in Betracht, um die Versorgung auch in trockenen Sommern sicherzustellen. Das Vorhaben ist allerdings aufwendig: Planung, behördliche Genehmigungen und erhebliche Kosten stehen an. Unterstützung könnte deshalb auch aus den vom DAV geplanten zusätzlichen Förderprogrammen kommen.
Wie dringend die Investitionen sind, zeigt die Bilanz dieses Sommers: Rund 6.000 Euro zusätzliche Kosten entstanden allein durch die Wassertransporte. Inzwischen reicht das Wasser wieder für den normalen Hüttenbetrieb – langfristig soll die Versorgung aber widerstandsfähiger werden.
Wassermangel als Folge des Klimawandels
Der DAV sieht den zunehmenden Wassermangel als eine weitere Folge des Klimawandels in den Alpen, neben schwindendem Permafrost und häufigeren Extremwetterereignissen.
Der Sommer am Brunnenkopf zeigt, wie schnell eine bisher verlässliche Quelle an ihre Grenzen kommen kann. Für die Hütten bedeutet das: Wasser sparen, vorhandenes Wasser speichern – und rechtzeitig in eine sichere Versorgung investieren.
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