Bahnmitarbeiter im Einsatz an der Gleisbaumaschine RU800 S
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Wettlauf gegen die Zeit: Megabaustelle Bahn-Generalsanierung

Wettlauf gegen die Zeit: Megabaustelle Bahn-Generalsanierung

Fünf Monate, ein Termin, kein Spielraum: Bis zum 10. Juli soll eine der wichtigsten Bahnstrecken Bayerns komplett erneuert sein - mit Helikopterflügen und der größten Gleisbaumaschine der Welt. Ein Blick hinter die Kulissen der Megabaustelle.

Über dieses Thema berichtet: BR24 vor Ort am .

"Da bin ich aufgewachsen", sagt Roland Schwab. Fünfzehn Jahre hat seine Familie im Bahnhofsgebäude Beratzhausen gelebt, sein Vater war Eisenbahner. Jetzt steht Schwab am Bauzaun und schaut zu, wie der Bagger sein früheres Kinderzimmer in Schutt und Asche legt. Sehr wehmütig ist er trotzdem nicht. Das Anwesen sei "uralt" gewesen. Für die Beratzhausener sei klar: Die Generalsanierung ist zwar eine Geduldsprobe, aber die Maßnahme ist dennoch notwendig.

Generalsanierung: 90 Kilometer Strecke im Ausnahmezustand

Die Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg ist eine der wichtigsten in Bayern für ICE, Regionalzüge und den Güterverkehr, auch Richtung Österreich. Fast 300 Züge fahren hier an normalen Tagen. Jahrelang war die Strecke marode und störanfällig. Häufige Verspätungen waren die Folge.

Statt über Jahre immer wieder kleine Baustellen zu haben, setzt die Deutsche Bahn inzwischen auf das Prinzip: "Alles dicht, alles neu". Die Strecke wird für mehrere Monate komplett gesperrt und in einem Durchgang erneuert – Gleise, Schotter, Oberleitungen, Weichen, Signaltechnik.

Helikopter hebt tonnenschwere Oberleitungsmasten ein

Zwischen Nürnberg und Regensburg werden rund 90 Kilometer Gleise und 80 Kilometer Oberleitungen erneuert. Damit das in der vorgegebenen Zeit klappt, fährt die Bahn schweres Gerät auf – und holt sich sogar Unterstützung aus der Luft.

Wer in den vergangenen Wochen entlang der Strecke unterwegs war, den hat oft das Rotorengeräusch eines Helikopters begleitet. Über Wälder und Felder hinweg fliegt der Heli genau über die Trasse, am Haken tonnenschwere Metallteile. Am Steuer sitzt Pilot Chris Brantner von einer Schweizer Spezialfirma. Sein Job: Oberleitungsmasten an Stellen bringen, an die am Boden kein Lastwagen mehr rankommt, weil die Gleise selbst voll mit großen Gleisbaumaschinen stehen.

"Katharina", "Heinrich" und die größte Gleisbaumaschine der Welt

Am Boden stehen Montageteams bereit, die Masten werden zentimetergenau gesetzt. Der Helikopter spart Zeit – und ermöglicht Arbeiten an Stellen, die mit klassischer Baustellenlogistik kaum erreichbar wären.

Während der Helikopter in der Luft arbeitet, ist die Strecke am Boden fest in der Hand von Großmaschinen. Die Deutsche Bahn hat nahezu alles im Einsatz, was der europäische Markt an Gleisbautechnik hergibt. Darunter "Katharina, die Große" - eine etwa 200 Meter lange Maschine mit rund 800 Tonnen Gewicht. Sie bereitet das Gleisbett für den Neubau vor. Und "Heinrich, der Starke" - fast 500 Meter lang, er legt neue Schwellen und Schienen. Solche Maschinen arbeiten ein Vielfaches schneller als klassische Baustellen mit Bagger und Handarbeit.

An einem Tag zwischen 1.600 und 2.000 Meter Gleise

Die Maschine ist weltweit im Einsatz: erst Niederlande, dann Bayern, als Nächstes Schweden. Der Zeitplan ist daher auch hier eng.

"Die Maschine ist in der Lage, an einem Tag in einer Schicht zwischen 1.600 und 2.000 Meter Gleise umzubauen" sagt Guido Kuklan, Projektleiter Firma Swietelsky. Der zehn Kilometer lange Abschnitt zwischen Neumarkt in der Oberpfalz und Postbauer-Heng wird in fünf Arbeitstagen fertig.

Das spektakulärste Gerät auf der Baustelle ist aber die RU800S – nach Angaben der Baufirmen die derzeit größte Gleisbaumaschine der Welt. Sie bewältigt in einem Arbeitsgang die Erneuerung von Schotterbett, Schwellen und Schienen.

Der kritische Moment kommt zum Schluss

Trotz aller sichtbar beeindruckenden Technik steht die vielleicht riskanteste Phase bei der Generalsanierung am Ende an. Wenn Gleise, Oberleitungen, Weichen und Signale eingebaut sind, muss alles getestet werden. Dazu finden Abnahmefahrten statt.

Nach der Inbetriebnahme am 10. Juli bleiben Restarbeiten, die den Zugbetrieb nach Bahnangaben nicht beeinträchtigen. So werden Baustelleneinrichtungsflächen zurückgebaut und an den Bahnhöfen könne es noch zu Arbeiten wie der Anbringung von Schildern oder Geländern kommen.

Nächste Großbaustelle: Richtung Passau

Noch während zwischen Nürnberg und Regensburg in die heiße Endphase gegangen wird, bereitet die Bahn die nächste Generalsanierung vor: die Strecke von Obertraubling nach Passau. Ab 14. Juni fahren dort keine Züge mehr. In einer konzentrierten Sperrphase sollen auch hier Gleise, Oberleitungen und Anlagen erneuert werden.

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