Die nächsten drei Veranstaltungen im bayerischen CSD-Kalender finden bereits am kommenden Samstag in Amberg, Kempten und Wolfratshausen statt. Am darauffolgenden Wochenende (8. August) feiern die Pride-Weeks in Nürnberg ihr großes Finale. Nach einer Umfrage des BR wollen die Organisatoren trotz des Terroranschlags an ihren Veranstaltungen festhalten.
Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte bei BR24: "Wir wollen auf keinen Fall das Demonstrationsrecht und das Versammlungsrecht einschränken." Im Gegenteil: Es gehe darum, die Freiheit im Land zu leben und diese Freiheit bestmöglich zu schützen.
Warum sind wir nicht besser geschützt? Darüber sprach BR24 mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und mit dem Extremismus-Berater Thomas Mücke vom Violence Prevention Network (VPN). Das Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Schock, Erschütterung, Trauer
Die Veranstalter von Allgäu Pride, die den CSD in Kempten organisieren, zeigten sich in einer Stellungnahme erschüttert: "Unser Mitgefühl gilt den Opfern, ihren Angehörigen und allen Verletzten", teilte der Verein mit. "Wir sind alle geschockt", erklärte René Scheuermann, Co-Vorsitzender des Fördervereins Christopher Street Day Nürnberg. Es sei natürlich fast ein mulmiges Gefühl momentan nicht zu wissen, was da noch alles kommen könne.
Die Community sei bestürzt und in Trauer, fasst Bernd Müller, Mitorganisator des CSD München, die Stimmung zusammen. "Berlin ist heute nicht 600 Kilometer weit weg, sondern Berlin kann auch in München sein und überall in Deutschland. Das ist kein Anschlag allein in Berlin gewesen, sondern es ist ein Anschlag auf eine queere Community, der uns alle hätte treffen können."
Mahnwachen in zahlreichen Städten
In mehreren Städten reagieren Menschen mit Mahnwachen auf den Anschlag in Berlin. In München versammelten sich am Abend auf dem Marienplatz rund 4.000 Menschen. Die Gedanken aller seien bei den Verletzten, den Angehörigen und Freunden und Freundinnen der getöteten Person sowie bei denen, die das Geschehen miterleben mussten, sagte der Münchner CSD-Geschäftsführer Alexander Kluge. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hatte zuvor Regenbogenflaggen vor dem Rathaus aufhängen lassen.
In Augsburg nahmen am Abend bis zu 400 Menschen an einer Mahnwache auf dem Rathausplatz teil, um der Opfer in Berlin zu gedenken. Emma Heinle aus dem Vorstand des CSD-Vereins Augsburg äußerte sich auf Anfrage des BR-Studios Schwaben sehr zufrieden, die unerwartet große Zahl von Teilnehmern sei ein Zeichen für "großen Zusammenhalt" in der schwul-lesbischen Gemeinschaft der Stadt.
Den Anfang machte bereits am Sonntagnachmittag Nürnberg. Dort versammelten sich rund 450 Teilnehmer zum Gedenken an die Opfer auf dem Magnus-Hirschfeld-Platz. Auch in Regensburg trafen sich Menschen am Sonntagabend auf Initiative des Vereins Queeres Regensburg vor dem Alten Rathaus.
Nachdenken über Sicherheitskonzepte
Nürnberg trifft der Anschlag während der seit dem 22. Juli laufenden Pride Week. Das große Finale soll am 8. August gefeiert werden. Welche Konsequenzen die Veranstalter aus den Geschehnissen in Berlin ziehen, ist noch unklar. "Wir sind seit Samstagabend um 22.30 Uhr ... einfach nur noch damit beschäftigt, irgendwelche Sicherheitskonzepte zu überdenken.", erklärte Mitveranstalter René Scheuermann im BR-Interview. Man werde mit den Ordnungsbehörden sprechen, wo auf Grundlage des bestehenden Sicherheitskonzepts noch Verbesserungen möglich seien. Den CSD abzusagen sei aber keine Option.
"Wir bemühen uns um größtmögliche Sicherheit", heißt es aus Kempten, wo bereits an diesem Samstag der Christopher Street Day ansteht. Man stehe dazu im engen Austausch mit den örtlichen Behörden. Gleiches gelte für den CSD in Kaufbeuren am 12. September.
Lehren schon aus Münchner Anschlag auf Verdi-Demo
Schon am Sonntag habe es ein internes Krisengespräch gegeben, berichtet Philipp Pietsch im Interview mit dem BR. Er organisiert vier CSDs in der Oberpfalz, darunter den Christopher Street Day am kommenden Samstag in Amberg und in Cham am 5. September. Nach dem Anschlag auf die Verdi-Demonstration in München im Februar 2025 hätten sie als Veranstalter in Zusammenarbeit mit den Städten und der Polizei ein konkretes Sicherheitskonzept erarbeitet. Der Marktplatz in Amberg werde beispielsweise komplett abgeschirmt, sodass kein Fahrzeug von außen hineingelangen könne. Auch die Seiten- und Hauptstraßen würden entsprechend abgeriegelt. Klar sei aber auch, dass es nie eine hundertprozentige Sicherheit geben könne, so Pietsch.
In München war damals ein 24-jähriger Afghane mit einem Pkw in einen Demonstrationszug gefahren. Ein Mädchen und seine Mutter starben, 43 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Dem Beschuldigten wird in München vor dem Oberlandesgericht aktuell der Prozess gemacht.
Berchtesgaden: Veranstalter überdenken Sicherheitskonzept
Auch die Organisatoren des CSD in Berchtesgaden wollen an Datum und Route ihres Pride-Umzugs festhalten. Es ist erst der zweite CSD, der am 8. August 2026 dort stattfinden wird. Auch deshalb ist es Moritz Maschinsky vom veranstaltenden Verein Queergaden besonders wichtig, sich nicht einschüchtern zu lassen. Der Anschlag in Berlin habe "bewiesen, dass CSDs heutzutage immer noch extrem wichtig sind, auch wenn Gegenstimmen etwas anderes behaupten".
Er sei nach den Ereignissen noch immer "komplett fassungslos und extrem mitgenommen", sagte Maschinsky, der selbst in Berlin geboren ist. Dennoch hätten er und seine Mitstreiter den Sonntag genutzt, um das Sicherheitskonzept für den bevorstehenden CSD in Berchtesgaden nochmal zu überdenken. Für das Abendprogramm werde man nun noch eine professionelle Sicherheitsfirma hinzubuchen. Den ganzen Tag über werde außerdem ein Awareness-Team ansprechbar sein. Und am Mittwoch soll es in Traunstein eine Mahnwache für die Opfer des Anschlags in Berlin geben.
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