Amtsgerichts-Bescheide, Gerichtsvollzieher-Siegel
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Wie ein Gerichtsvollzieher mit Gewalt umgeht

Wie ein Gerichtsvollzieher mit Gewalt umgeht

Früher waren Gerichtsvollzieher Respektspersonen. Doch immer mehr von ihnen sind Gewalt ausgesetzt. Im November 2025 etwa wurde ein Gerichtsvollzieher im Saarland bei einer Zwangsräumung erstochen. Auch in Bayern kommt es zu Übergriffen.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Seinen bislang schlimmsten Einsatz hat der Nürnberger Gerichtsvollzieher Niko Murach in seinem ersten Jahr im Amt erlebt. Damals arbeitete er im Altmühltal und musste einem Schuldner einen Erzwingungshaftbefehl überbringen. Was Niko Murach nicht wusste, als er an der Tür klingelte: Der Schuldner war Reichsbürger.

Reichsbürger bedrohte Gerichtsvollzieher mit Schäferhund

"Die Ehefrau des Schuldners hat mir noch freundlich die Tür aufgemacht, hat aber im selben Moment hinter mir zugemacht und ihren Mann gerufen", erinnert sich Murach. "Der Mann kam vom Obergeschoss mit Schäferhund und Kamera in der Hand auf mich zu, hat den Hund immer nur wenige Zentimeter vor mir zurückgezogen und hat mich beschimpft, ich sei doch gar kein Beamter."

Murachs Glück: Die Ehefrau hatte den Schlüssel stecken lassen. Der Gerichtsvollzieher konnte unbeschadet aus dem Haus fliehen. Ein paar Tage später stand er mit der Polizei vor der Tür. Da gab der Reichsbürger schließlich nach und legte seine Einkommensverhältnisse offen.

Immer wieder Übergriffe auf Gerichtsvollzieher

Eine bedrohliche Situation wie diese haben schon einige der mehr als 630 Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher in Bayern erlebt. Im März 2020 etwa wurde ein Gerichtsvollzieher in Ansbach mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Im Februar dieses Jahres bedrohte ein Mann in Sonthofen einen Gerichtsvollzieher und Polizeibeamte. Nach Auskunft des bayerischen Justizministeriums gab es zwischen Juli 2022 und Juni 2023 541 Vorfälle an Gerichten, bei den Staatsanwaltschaften, im Justizvollzug und bei Gerichtsvollziehern. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Eine Statistik nur für Gerichtsvollzieher wird in Bayern nicht geführt.

Pfefferspray und Notfallpiepser immer dabei

Die Gerichtsvollzieher in Bayern gehen deshalb nur noch gut geschützt zu ihren Außeneinsätzen. Niko Murachs aktueller Bezirk ist die Nürnberger Südstadt. In seiner Tasche hat er, neben seinen Akten, immer ein Pfefferspray und einen Notfallpiepser dabei. Mit diesem könnte er, wenn er sein Handy nicht mehr nutzen kann, die Polizei rufen, und er könnte darüber auch geortet werden. Wenn sich die Piepser bewähren, sollen alle Gerichtsvollzieher in Bayern mit diesen Geräten ausgestattet werden. Außerdem zieht Murach eine Stichschutzjacke an – Messerangriffe sind wahrscheinlicher als Schussverletzungen, "weil eben in so einer Wohnung das Küchenmesser verbreiteter ist als die Schusswaffe", erklärt der Beamte. Auch bietet die bayerische Justiz regelmäßig Kurse zur Selbstverteidigung an.

Enger Kontakt zum Sozialdienst

Trotz der möglichen Gefahr durch Angriffe geht Niko Murach vor allem mit Offenheit zu seinen Schuldnern. "Ich bin einfach interessiert: Wer ist denn da jetzt? Warum wird auf meine Schreiben nicht reagiert? Hat man Angst oder ist jemand einfach überfordert?"

Als Gerichtsvollzieher hat Niko Murach schon viel Armut und Elend gesehen. Wenn Schuldner Hilfe brauchen, informiert er den Allgemeinen Sozialdienst der Stadt Nürnberg oder gibt Kontakte zu Beratungsstellen weiter.

Schuldner können mit Gerichtsvollzieher reden

Niko Murach ist es wichtig, dass seine Schuldner merken, dass sie mit ihm reden können. So wie der Mann, der seine Krankenkassenbeiträge nicht bezahlt hat. Ihn trifft Murach am Eingang zu einem Mehrfamilienhaus. Er habe keinen Briefkasten und deshalb seit Monaten kaum Post bekommen, berichtet der Mann verängstigt. Murach sieht ihn prüfend an und nimmt ihm dann das Versprechen ab, am nächsten Tag zu ihm ins Büro zu kommen. "Ich hatte jetzt eher den Eindruck, er ist ein bisschen erschrocken und ein bisschen eingeschüchtert", erklärt Murach seine Entscheidung. "Mir ist es auch lieber, die Vermögensauskunft im Büro abzunehmen, da haben beide einen Sitzplatz. Sonst müsste ich das hier im Treppenhaus oder in der Wohnung machen."

Manche Schuldner bedanken sich

Der Mann hält Wort: Er ist am nächsten Tag mit seinen Unterlagen in Murachs Büro. Und der andere Schuldner, an dessen Tür der Gerichtsvollzieher kürzlich vergeblich geklopft hat, lässt einen Bekannten anrufen – er hatte einfach zu viel Angst.

Positive Erlebnisse wie diese überwiegen in seiner Arbeit, erzählt Niko Murach. Manche Schuldner bedanken sich später sogar bei ihm: "Das bekomme ich auch oft rückgekoppelt, dass Leute sagen: Mensch, hätte ich gewusst, dass man mit ihnen das so klären kann, dann hätte ich mich schon früher gekümmert."

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