Bürgerinitiative auf ihrer Demonstration.
Bürgerinitiative auf ihrer Demonstration.
Bild
Bürgerinitiative wehrt sich gegen Abfalldeponie
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Abfalldeponie

Videobeitrag
>

Widerstand gegen Mülldeponie: "Kein Asbest in unserem Nest"

Widerstand gegen Mülldeponie: "Kein Asbest in unserem Nest"

Die geplante Mülldeponie in einer ehemaligen Tongrube erhitzt die Gemüter im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Eine Bürgerinitiative ruft zum Widerstand auf, denn gelagert werden soll auch Asbest. Die Firma hinter der Deponie versucht zu beschwichtigen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

"Darum sagen wir ganz klar: Nein zur Deponie!", ruft Nadine Meier in ihr Megafon. Sie steht auf einem Stein am Wegrand, ganz in der Nähe der ehemaligen Tongrube zwischen Kalchreuth und Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Vor ihr steht eine Gruppe von mehr als 300 Anwohnern – darunter viele Familien –, die Beifall klatschen. Sie alle wollen dasselbe: die geplante Deponie verhindern. Dazu hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die zu einer Protestwanderung aufgerufen hat.

Deswegen stehen sie nun alle hier, klatschen und halten selbst bemalte Schilder hoch. "Keine Deponie!" steht da. Und: "Kein Asbest in unserem Nest!" Das alles sind die Sorgen, die die Bürger aus Kalchreuth und Heroldsberg umtreiben, seit klar ist, dass sich auf dem Gelände der ehemaligen Tongrube wieder etwas tut.

Welcher Müll soll hier liegen?

Auf etwa zehn Hektar der Fläche ist eine Anlage der Deponieklasse 1 geplant [externer Link]. Insgesamt gibt es fünf Klassen. Klasse 0 ist die unterste und harmloseste, gedacht für unbelasteten Bodenaushub oder reinen Bauschutt. Klasse 4 ist für Sonderabfälle, die so gefährlich sind, dass sie unter der Erde gelagert werden müssen. In Bayern gibt es solche Anlagen gar nicht. In der Klasse 1 – also für eine Anlage, wie sie bei Kalchreuth geplant ist – heißt das, dass unter anderem auch künstliche Mineralfasern und Asbest abgeladen werden dürfen.

Bürgerinitiative kritisiert Mängel

Aus den Planungsdokumenten geht hervor, dass die Deponie pro Jahr 135.000 Tonnen mineralischen Abfall aufnehmen soll. Der Bedarf ist da: In der Region gibt es zu wenige solcher Deponien. Doch das dürfe nicht zulasten der Orte gehen, finden Anwohner. "Ich verstehe, der Müll muss irgendwo hin. Aber das sind hier keine baulichen Gegebenheiten, um mit 20 Lkw hin und zurück durch den Ort zu fahren", sagt zum Beispiel einer. Die Bürgerinitiative bemängelt außerdem Widersprüche, die sie in den öffentlich ausliegenden Unterlagen ausgemacht haben will. Da geht es unter anderem um den Schutz des Grundwassers oder darum, wie genau asbesthaltiges Material gelagert werden soll.

Derzeit befindet sich das Projekt im sogenannten Planfeststellungsverfahren [externer Link]. Das Bergamt Nordbayern ist hierfür zuständig und sammelt Einwendungen der Öffentlichkeit – 66 sind es bisher. Noch bis Anfang November sind Einreichungen möglich. Danach wird die Behörde sowohl den Antrag als auch die Einwendungen bearbeiten und eine Entscheidung treffen.

Firma verspricht Transparenz

Dass es Widerstand gegen die Deponie geben würde, sei nicht überraschend, sagte Projektmanager Franz Hofbeck im Gespräch mit BR24. Er könne zwar die Sorgen der Anwohner nachvollziehen, von der Deponie sei er trotzdem überzeugt. Fachleute hätten mit ihren Gutachten die entsprechende Umsetzbarkeit dargelegt. Mit den Gemeinden sei die Firma "Gebr. Schultheiss Gmbh & Co. KG" aus Herzogenaurach, die die Deponie errichten will, im Austausch.

Im Übrigen setze man aus Transparenz: "Es wird nichts hinter dem Berg gehalten, alle Informationen werden zur Verfügung gestellt", so Hofbeck. In den kommenden Wochen soll es Möglichkeiten für die Öffentlichkeit geben, Fragen zu stellen.

Kommunen stimmen gegen Deponie

Derweil haben Kalchreuth und Heroldsberg schon selbst Schritte unternommen. "Wir haben vor drei Wochen einen einstimmigen Beschluss gefasst gegen die Deponie", sagte Kalchreuths Bürgermeister Otto Klaußner (CSU) BR24. "Wir haben jetzt einen Anwalt beauftragt, der uns da vertritt gegenüber der Firma Schultheiss", sagte er weiter.

In gewisser Weise haben die beiden Kommunen Erfahrung: Schon mehrfach wurden Projekte für die ehemalige Tongrube geplant und wegen des Widerstands der Kommunen gestoppt, zuletzt zwischen 2013 und 2015. Dabei sollte die Grube mit Aushub und Bauschutt verfüllt werden. Dagegen wehrten sich die Kommunen und gewannen. Nun kämpfen sie erneut.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!