Windkraftanlage in der Abendsonne umgeben von Feldern.
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Wind- und Solar-Energie: Chancen für Kommunen?

Wind- und Solar-Energie: Chancen für Kommunen?

Ländliche Kommunen profitieren, wenn sie die Energiewende voranbringen. Ein Beispiel dafür ist Großbardorf in Unterfranken. Hier wurde schon früh in Solarparks und Windräder investiert. Eine Studie zeigt, wie groß das Potenzial für Kommunen ist.

Über dieses Thema berichtet: Gute Nachrichten vom Planeten am .

Vor 20 Jahren sah es in der 950-Einwohner-Gemeinde Großbardorf in Unterfranken nicht gut aus: Die Gemeindekasse war klamm, viele junge Menschen haben keine Zukunft gesehen und sind weggezogen. Heute steht die unterfränkische Gemeinde ganz anders da: Sie gehört zu den finanzstärksten Kommunen im Landkreis Rhön-Grabfeld. Außerdem ist sie ein attraktiver Wirtschaftsstandort geworden. Etliche Firmen haben sich in den letzten Jahren dort angesiedelt. Neue Arbeitsplätze sorgen wieder für Zuzug. Was wie ein Märchen klingt, ist Wirklichkeit.

Wind und Solar: Motor für Wachstum, Jobs und mehr Einnahmen

Das Erfolgsrezept: Der Ort hat in erneuerbare Energien investiert. Es gibt mittlerweile drei Solarparks und drei Windräder auf Gemeindegebiet und ein Nahwärmenetz. Das gesamte Investitionsvolumen beträgt etwa 70 Millionen Euro. Und das zahlt sich aus. Die Kommune profitiert finanziell durch Gewerbesteuern und direkte Gewinnbeteiligung an den Energieanlagen.

"Auch viele Bürger verdienen gutes Geld", sagt Reinhold Behr von der örtlichen Energiegenossenschaft. Denn wer sich am ersten Solarpark im Jahr 2005 finanziell beteiligt habe, habe im Schnitt etwa 15 Prozent Rendite erzielt, so Behr. Zusätzlich hätten die Menschen auch noch etwas "für die Umwelt getan".

Energieautarkes Dorf: Mehr Energie erzeugt als verbraucht

Heute erzeugt Großbardorf etwa 50-mal so viel Strom, wie vor Ort verbraucht wird. Aber auch Wärme aus einer Gemeinschafts-Biogasanlage. Die wird ins Nahwärmenetz des Ortes eingespeist. "Hohe Heizölpreise bedingt durch die Energiekrise interessieren hier kaum jemanden", so Behr. Beim Thema Wärme sei der Ort weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern. Nur beim Sprit sieht das in dem energieautarken Dorf noch anders aus. Weil es aber auch viele private Dach-Solar-Anlagen gibt, hält Behr die Voraussetzungen für günstig, auf E-Mobilität umzusteigen. "Weil die Menschen sehen, dass wir hier ein Erfolgsprojekt nach dem anderen umgesetzt haben, sind sie generell positiv für erneuerbare Energien eingestellt", sagt er.

Erneuerbare Energien: Sichere Einkommensquelle für Kommunen?

Was in Großbardorf geht, ist auch für andere Kommunen möglich. Das bestätigt eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. "Besonders in ländlichen strukturschwachen Regionen lässt sich durch den Ausbau von Wind und Solar recht große Wertschöpfung erzielen", sagt Frederick Sixtus vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Vor allem, wenn weiter ausgebaut werde. "Dann kann sich der Geldbetrag, der in den Regionen verbleibt, bis zum Jahr 2033 verdoppeln auf insgesamt 12,4 Milliarden Euro", so der Co-Autor der Studie Frederick Sixtus.

Wie funktioniert Wertschöpfung für Kommunen?

Diese Wertschöpfung erfolgt über verschiedene Kanäle, so Sixtus. Steigende Einnahmen aus Gewerbesteuern, Pachteinnahmen und finanzielle Beteiligung nach Paragraf 6 im Erneuerbare-Energien-Gesetz 2021. Demnach können die Betreiber der Anlagen 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde an die Standortgemeinde abführen.

Kommunen können sich aber auch direkt an den Anlagen beteiligen. "Auch kommunale Stadtwerke können hierbei eine wichtige Rolle spielen. Mancherorts treiben sie den Ausbau etwa von Windenergie- oder Photovoltaikanlagen voran und verbessern mit ihren Gewinnen den kommunalen Haushalt", so Frederick Sixtus.

Auch die Bürger können finanziell profitieren

Bürger können sich auf verschiedene Weise an den Anlagen beteiligen: etwa direkt über Bürgerenergiegesellschaften, über Genossenschaftsmodelle oder über Nachrangdarlehen. "Wir sehen aber auch Beispiele in Deutschland, bei denen alle Einwohner einbezogen werden, egal ob sie Erspartes haben, das sie anlegen können oder nicht. Vielerorts bieten Betreiber lokale Stromtarife an. Oder die Stadtwerke subventionieren mit den Gewinnen aus eigenen Anlagen den Wassertarif für alle Haushalte im Ort", sagt Sixtus.

Erneuerbare Energien kurbeln die Wirtschaft an

In den Beispielkommunen, die im Rahmen der Studie untersucht wurden, hat sich gezeigt, dass sich oft auch die Lebensverhältnisse verbessert haben. Die Infrastruktur, wie zum Beispiel für Kinderbetreuung, konnte ausgebaut werden oder über Bürgerenergiestiftungen Vereine vor Ort und lokale Projekte unterstützt werden. "Da wurden zum Beispiel das Gemeindehaus oder das Schwimmbad saniert und der Eintritt vergünstigt."

Nicht immer wird das Potenzial ausgeschöpft

Frederick Sixtus sagt aber auch: Nicht überall werde das große Potenzial an Wertschöpfung auch ausgeschöpft. Es müssten dafür rechtzeitig die Weichen gestellt werden. "Wenn statt lokaler oder verantwortungsbewusster Betreibergesellschaften Konzerne in Solaranlagen oder Windräder investieren, die vor allem auf größtmöglichen Profit aus sind, dann kann die Wertschöpfung für die Kommune gering ausfallen."

In Großbardorf gibt es mittlerweile neue Initiativen, Windkraft und Solarenergie noch weiter auszubauen. Dass das nicht an den Menschen vor Ort vorbeigehen darf, ist hier selbstverständlich.

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