Die Cow-PV-Anlage in Biessenhofen: Kühe stehen im Gras und schauen neugierig in die Kamera, über ihnen eine Reihe Solarmodule.
Die Cow-PV-Anlage in Biessenhofen: Kühe stehen im Gras und schauen neugierig in die Kamera, über ihnen eine Reihe Solarmodule.
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Die Cow-PV-Anlage in Biessenhofen: Die Module sind auf zwei Meter hohen Stelzen angebracht, sodass die Kühe darunter Grasen können.
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Die Cow-PV-Anlage in Biessenhofen: Die Module sind auf zwei Meter hohen Stelzen angebracht, sodass die Kühe darunter Grasen können.

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Grasen zwischen Solarmodulen: Cow-PV von Nestlé am Netz

Grasen zwischen Solarmodulen: Cow-PV von Nestlé am Netz

Landwirtschaft und Solarenergie an einem Platz: Das ist die Idee hinter Agri-PV-Anlagen. Im Allgäu soll eine neue Anlage ein Viertel des jährlichen Energieverbrauchs eines Nestlé-Werks decken – und Kühen weiterhin genug Platz zum Weiden bieten.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Entspannt, fast gelangweilt schauen die Kühe des Allgäuer Biobauern Gerhard Metz drein und tun so, als wäre alles wie immer. Um sie herum grünt das Gras, die Blumen blühen, und doch ist etwas anders auf dieser Weide in Biessenhofen im Ostallgäu: Hinter den Kühen ragen Reihen schwarzer Solarmodule auf. 7.800 sind es insgesamt, auf zwei Meter hohen Stützen befestigt – hoch genug, um den Kühen genug Platz zu bieten, darunter zu grasen.

Rechnerisch Strom für 2.000 Haushalte

Sie sollen Strom erzeugen für das Nestlé-Werk nebenan. Dort stellt der Lebensmittelkonzern Säuglingsnahrung, Fertigsoßen sowie Trink- und Aufbaunahrung für Menschen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen her. Auf fast fünf Hektar Fläche soll ein Viertel des Jahresverbrauchs erzeugt werden: sechs Gigawattstunden, so viel wie für 2.000 Haushalte. An sonnigen Tagen reiche der Sonnenstrom sogar aus, um das Werk komplett zu versorgen, sagt Werksleiter Frank Brinkmann.

Zusätzlich installiert der Konzern in seinem Werk zwei Wärmepumpen. Sie nutzen die Abwärme aus der Produktion und den Sonnenstrom für Heißwasser und Dampferzeugung. Die Pumpen ersetzen so Energie aus Gasturbinen und sollen jährlich 3.000 Tonnen CO2 einsparen. Das Ziel: CO2-Neutralität bis 2050 – im Werk in Biessenhofen und an anderen Nestlé-Standorten.

Landwirt: Kühe fühlen sich unter PV-Modulen wohl

Geplant hat Nestlé die Agri-PV-Anlage auf der Kuhweide zusammen mit Bio-Landwirt Gerhard Metz. Einige Wochen Erfahrung konnten der Bauer und seine Kühe im vergangenen Jahr schon mit der Anlage sammeln – mit guten Ergebnissen: "Null Stress" sei es für seine Kühe, auf der Cow-PV-Anlage zu weiden, sagt Metz: "Man sieht es ja, die Kühe stört das nicht. Das ist für sie eigentlich das Normalste der Welt."

An heißen Sommertagen spenden die Module den Tieren Schatten: "Die Kühe liegen dann unter den Paneelen, da zieht immer ein bisschen der Wind durch." Fressen würden sie überall, entwickelt hätten sie sich entsprechend "super". Es habe keine Unfälle oder Verletzungen gegeben, und auch die Anlage sei nicht beschädigt worden. "Rundum zufrieden" sei der Landwirt mit dem Projekt.

Agri-PV-Anlagen im Kommen

Mit dem Mix aus günstigem Sonnenstrom und Abwärmenutzung könnte Biessenhofen zum Vorbild für andere Standorte werden, glaubt der Vorstandsvorsitzende von Nestlé, Alexander Maillot: "Wenn das so läuft, wie wir es uns vorstellen, werden wir es auf jeden Fall nicht nur in Deutschland als Vorbild nutzen." Mit diesem Vorhaben ist der Lebensmittelkonzern nicht allein.

Agri-PV-Anlagen sind im Kommen: Erst vor rund einem Monat ging in Oberndorf am Lech eine große Anlage offiziell in Betrieb, in Oettingen ist bereits eine weitere geplant.

Agri-PV: Zukunft in fossiler Krise?

Dass die Nachfrage steigt, beobachtet auch Stephan Schindele vom Anlagenbauer BayWa r. e.. Auf Flächen mit Hühnern oder Schafen hat seine Firma schon ähnliche Projekte umgesetzt – oft auch mit Batteriespeicher. Die Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeichern ist seiner Meinung nach "die Zukunft", gerade in der "fossilen Krise".

Für 25 Jahre hat Biobauer Gerhard Metz seine Weide für die Photovoltaik an Nestlé verpachtet - mit Option auf Verlängerung. Und wenn er beobachtet, wie seine Kühe unter den Modulen grasen, bereut er diesen Schritt nicht. "Man sieht, dass das super funktioniert. Das war für uns die richtige Entscheidung", sagt Metz. Das ungewohnte Bild von Kühen unter Solaranlagen, es könnte bald normal werden.

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