Hubert Aiwanger, (Freie Wähler) bayerischer Wirtschaftsminister, hält im Plenarsaal des bayerischen Landtags seine Regierungserklärung.
Hubert Aiwanger, (Freie Wähler) bayerischer Wirtschaftsminister, hält im Plenarsaal des bayerischen Landtags seine Regierungserklärung.
Bild
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordert bei seiner Regierungserklärung im bayerischen Landtag mehr "Gründergeist".
Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Audiobeitrag

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordert bei seiner Regierungserklärung im bayerischen Landtag mehr "Gründergeist".

Audiobeitrag
>

Wirtschaftsminister Aiwanger fordert "neuen Gründergeist"

Wirtschaftsminister Aiwanger fordert "neuen Gründergeist"

Mehr Gründergeist und Vorfahrt für Unternehmer und Selbstständige, fordert Wirtschaftsminister Aiwanger. Der Bund soll Wagniskapital fördern und Unternehmensgründungen innerhalb von 24 Stunden ermöglichen. Die Opposition vermisst eine klare Vision.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Eigentlich stehe Bayern mit 1.000 digitalen Start-ups im Jahr 2025 im Ländervergleich gut da, freut sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in seiner Regierungserklärung. 50.000 Unternehmen (externer Link) würden im Freistaat jedes Jahr neu gegründet. Durch die "gute Politik" der vergangenen Jahre sei Bayern damit "Gründerland Nummer eins", so Aiwanger.

Aiwanger: "Neuer Gründergeist" soll auch Firmenerben motivieren

Trotzdem appelliert Aiwanger, es brauche jetzt in Bayern und Deutschland "einen neuen Gründergeist“. Den jungen Leuten müsse man sagen: "Gründe eine Firma, übernimm Verantwortung, die Politik steht hinter dir, wir sind stolz auch auf den, der den Betrieb der Eltern übernimmt." Denn allein 10.000 bayerische Betriebe stehen jährlich vor einem Besitzerwechsel und suchen oft genug einen Nachfolger.

Zum neuen Gründergeist gehöre für Aiwanger auch der Bürokratieabbau, und dass sich Unternehmer bei Behörden nicht wie Bittsteller fühlen sollen. In den Amtsstuben sollten sich die Mitarbeiter deshalb als Dienstleister verstehen, die diesen Unternehmern Hindernisse aus dem Weg räumen und diese nicht mit langwierigen Parkplatzgenehmigungen oder Auflagen für das Büschepflanzen aufhalten.

Mehr Wagniskapital: Bund soll Rahmenbedingungen ändern

Großen Nachholbedarf sieht Wirtschaftsminister Aiwanger in der Versorgung von Start-ups mit Wagniskapital. Künftig sollen große Versicherungen oder Pensionsfonds einen Teil ihrer Milliarden-Anlagen auch in Venture-Capital-Fonds für Firmengründungen stecken. Damit sich das aber rentiere, müsste die Bundesebene bessere Rahmenbedingungen schaffen, etwa "zu hohe Sicherheiten" für Investitionen abbauen. Nur so könne man mit US-amerikanischen Wagnis-Investoren konkurrieren.

Bund soll Firmengründung in 24 Stunden ermöglichen

Aiwanger will Unternehmensgründungen grundsätzlich beschleunigen. Am besten vom Sofa aus, übers Wochenende innerhalb von 24 Stunden. Die Idee hat der IT-Planungsrat von Bundesregierung und den Bundesländern bereits im Juni 2025 beschlossen und die Umsetzung bis 2029 versprochen. Mit den Wirtschaftsministern von Nordrhein-Westfalen und Berlin hatte Aiwanger dazu im März ein gemeinsames "Detailkonzept" veröffentlicht.

Für die CSU lobt Stefan Ebner Aiwangers Arbeit als Wirtschaftsminister. Verbessert werden müsse aber die Zusammenarbeit von Unternehmen und Universitäten. Die "tollen Ideen" der Studierenden müssten schneller raus auf die Straße.

"Es fehlt eine Vision": Opposition kritisiert Aiwanger

Die Wirtschaftspolitik in Bayern sei grundsätzlich zu unternehmerfeindlich, kritisiert Oskar Lipp (AfD). Unternehmensgründungen müssten künftig so einfach werden wie in den USA oder auf Zypern, mit weniger Eigenkapital und ohne doppelte Buchführung.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze kritisiert Aiwanger: Wer acht Jahre Wirtschaftsminister sei, könne nicht wie ein außenstehender Beobachter sprechen und Aufgaben nach Berlin verteilen. Die Hausaufgaben müssten hier gemacht werden. Zur Verbesserung der Lage in Bayern komme dagegen "nichts": "Ihnen fehlt es an einer Vision." Außerdem kämpfe Aiwanger nicht ausreichend für den Ausbau von Wind- und Solarenergie in Bayern, so Schulze.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Holger Grießhammer mahnt, als Handwerksmeister mit selbst gegründetem Malerbetrieb, bei aller Start-up-Förderung den Mittelstand nicht zu vergessen. Für eine gute Wirtschaft brauche es zudem vor allem Chancen für die Menschen, und die ergäben sich "nur mit einer guten Schul- und Berufsausbildung, attraktiven Arbeitsbedingungen und wirtschaftlicher Planbarkeit".

Im Video: Aiwanger hält Regierungserklärung

Hubert Aiwanger
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Aiwanger hält Regierungserklärung

Im Video: Retten Start-ups die bayerische Wirtschaft?

Firmengründungen in Bayern (Symbolbild)
Live nachschauen
Bildrechte: picture alliance / HARALD SCHNEIDER / APA / picturedesk.com / HARALD SCHNEIDER
Livebeitrag

Firmengründungen in Bayern (Symbolbild)

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!