Zecken haben in Bayern wieder Saison, und mit ihnen wächst das Risiko für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose. Fachleute beobachten steigende FSME-Fallzahlen, Forschende arbeiten an besseren Vorhersagen und erstmals rückt auch eine Borreliose-Impfung näher, die es bisher noch nicht gibt. Was jetzt wichtig ist und wie Sie sich schützen können.
2026 als "starkes Zeckenjahr"?
Ob 2026 ein "starkes Zeckenjahr" wird, lässt sich laut dem Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Borrelien, Volker Fingerle, nicht sagen. Dafür spielten zu viele Faktoren eine Rolle. Denn viele gemeldete Zeckenstiche bedeuten nicht automatisch, dass es besonders viele Zecken gibt. Entscheidend sei auch, wie oft Mensch und Zecke aufeinandertreffen, etwa wenn viele Menschen gleichzeitig draußen unterwegs sind.
Neue Studie soll Zecken besser vorhersagen
Aktuell läuft in Bayern die Studie "HABITRACK". Forschende aus verschiedenen Disziplinen untersuchen dabei, wie sich Zeckenpopulationen entwickeln. Dafür werden Gebiete regelmäßig mit Drohnen erfasst, dazu kommen Klima-, Pflanzen- und Infektionsdaten. Ziel ist ein Modell, das künftig vorhersagen kann, wann und wo besonders viele Zecken auftreten oder ob das Risiko steigt. Das könnte helfen, Menschen frühzeitig zu warnen.
Forscher: FSME nimmt in Bayern tendenziell zu
Besonderes Augenmerk legt Fingerle derzeit vor allem auf FSME. In Bayern steigen die Fallzahlen laut Fingerle seit Jahren leicht an. FSME wird durch Viren übertragen und kann im schlimmsten Fall das Gehirn betreffen, Folgeschäden verursachen oder gar tödlich enden. Bayern gilt nahezu komplett als Risikogebiet. Dagegen gibt es die Impfung.
Impfen gegen Borreliose?
Anders als bei FSME gibt es gegen Borreliose bislang keine zugelassene Impfung für die breite Bevölkerung. Das könnte sich aber bald ändern. Nach Angaben von Fingerle ist ein Impfstoff in einer fortgeschrittenen Phase. Die große Testphase sei abgeschlossen, nun laufe das Zulassungsverfahren. Wenn alles nach Plan läuft, könnte ein Impfstoff 2027 oder 2028 verfügbar sein. Borreliose wird durch Bakterien übertragen und kann Haut, Gelenke, Herz oder das Nervensystem befallen. Besonders schwer können Entzündungen des Nervensystems verlaufen.
Klimawandel könnte neue Zeckenarten bringen
Auch der Klimawandel spielt langfristig eine Rolle. Fachleute beobachten bereits die sogenannte Hyalomma-Zecke, eine größere Art aus wärmeren Regionen Afrikas und Südeuropas. Noch könne sie sich in Deutschland nicht dauerhaft aufhalten, erklärt Fingerle im Interview mit BR24. Mit steigenden Temperaturen könnte sich das jedoch ändern. Dann könnten auch neue Krankheitserreger ein Thema werden. Zecken in Bayern gelten demnach weiterhin als Gesundheitsrisiko.
So schützen Sie sich vor Zecken
Wer Zecken vermeiden will, sollte laut Experten vor allem auf diese Punkte achten:
- hohes Gras, Waldränder und buschige Wege möglichst meiden
- lange, helle Kleidung tragen
- Zeckenschutzmittel auf Haut oder Kleidung verwenden
- nach dem Aufenthalt im Freien den Körper absuchen
- Kinder besonders gründlich kontrollieren
- Zecken schnell entfernen
Gerade bei Borreliose gilt: Je länger eine Zecke saugt, desto höher kann das Übertragungsrisiko sein.
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