Zugriff in München: Die Bundesanwaltschaft hat in der bayerischen Landeshauptstadt zwei mutmaßliche chinesische Spione festnehmen lassen. Das teilte die Behörde in Karlsruhe mit.
Vorwurf der Bundesanwaltschaft: Spionage für China
Die Beschuldigten sind ein Ehepaar mit deutscher Staatsangehörigkeit und chinesischen Wurzeln, das in München lebt und für einen chinesischen Geheimdienst arbeiten soll. Der 55-jährige Mann und die 52-jährige Frau sollen bundesweit an Universitäten Kontakte zu Forschern aus den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik, der Künstlichen Intelligenz und Informatik aufgenommen haben.
Doch was unter dem Deckmantel des wissenschaftlichen Austauschs angebahnt wurde, sei in Wahrheit Spionage für China gewesen, wirft der Generalbundesanwalt dem Ehepaar vor. Den Angaben zufolge wollten die beiden an "wissenschaftliche Informationen über militärisch nutzbare Hochtechnologie" gelangen.
Deutsche Forscher für Vorträge nach China gelockt
Der Bundesanwaltschaft zufolge ist auch eine Hochschule aus Bayern betroffen. Die Verdächtigen sollen sich mitunter als Dolmetscher und Mitarbeiter eines Automobilherstellers getarnt haben, um Kontakte zu Experten an deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten aufzubauen.
Einige betroffene Wissenschaftler wurden demnach nach China gelockt, indem ihnen als Vorwand bezahlte Vorträge vor einem zivilen Publikum in Aussicht gestellt wurden. Tatsächlich erfolgten solche Vorträge dann aber vor Angehörigen staatlicher Rüstungsunternehmen, erklärten die Ermittler.
Festnahme und Durchsuchungen in München
Xuejun C. und Hua S. wurden am Mittwochmorgen in München festgenommen. Ermittler durchsuchten ihre Wohnräume und Arbeitsplätze in der Landeshauptstadt und im Landkreis. Ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof eröffnete dem Ehepaar in Karlsruhe die Haftbefehle und setzte diese in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mitteilte.
Weitere Maßnahmen fanden in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen statt. Ermittler traten an zehn Wissenschaftler heran, die Kontakt mit den Beschuldigten gehabt haben sollen. "Diese Personen wurden von uns angesprochen. Dabei geht es auch um die Sammlung von Beweisen", erklärte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Sie kämen aus Sicht der Behörde als Zeugen in Betracht und seien nicht tatverdächtig. Nach BR-Informationen ist unter anderem eine Person aus dem Landkreis Erding betroffen.
Es geht laut Bundesanwaltschaft bislang um acht Hochschuleinrichtungen. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen bestätigte, dass sie betroffen sei.
Verfassungsschutz warnt vor chinesischer Spionage
Das Verfahren hat die Bundesanwaltschaft nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz geführt. Die oberste deutsche Strafverfolgungsbehörde wirft den Beschuldigten geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Die polizeilichen Ermittlungen liegen beim Bayerischen Landeskriminalamt.
Der Verfassungsschutz warnt seit Jahren vor massiven chinesischen Spionageaktivitäten. Das Land will das illegal erlangte Know-how demnach einsetzen, um technologische Vorsprünge in zentralen Zukunftsbranchen wie Robotik, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Informationstechnologien zu erreichen. China verfolge die erklärte Langfriststrategie, zur stärksten Wirtschaftsmacht der Welt zu werden.
Mit Informationen von dpa und AFP
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels hieß es, die Verdächtigen hätten sich als Mitarbeiter eines Autozulieferers getarnt. Es geht jedoch um einen Automobilhersteller. Wir haben den Fehler korrigiert.
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