Zwischen Traumberuf und tödlichem Einsatz: 80 Jahre bayerische Polizei
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Zwischen Traumberuf und tödlichem Einsatz: 80 Jahre Polizei

Zwischen Traumberuf und tödlichem Einsatz: 80 Jahre Polizei

Simon Reiter steht am Anfang seiner Laufbahn, Thomas Kindermann trägt die Erinnerung an einen tödlichen Einsatz bis heute in sich. Auch ihre Geschichten erzählen von 80 Jahren Bayerischer Polizei: zwischen hartem Kurs, Wandel, Gewalt und Vertrauen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Als Thomas Kindermann im Augsburger Siebentischwald eintrifft, ist sein Kollege Matthias Vieth bereits tot. Erschossen mit einer Kalaschnikow. Regelrecht hingerichtet, während eines Einsatzes. Auch mehr als ein Jahrzehnt später lassen Kindermann die Gedanken an den Tathergang nicht los.

Sein junger Kollege Simon Reiter steht dagegen erst am Anfang seiner Laufbahn. Und nennt den Polizeiberuf trotz aller Gefahren seinen Traumjob. "Natürlich ist man sich im Klaren darüber, dass es nicht einfacher wird, aber für mich macht die Abwechslung ganz viel aus, jeder Tag ist einzigartig." Laut Bayerischem Innenministerium haben Angriffe auf Polizeikräfte einen Höchststand erreicht: Über 3.000 verletzte Beamte; siebenmal haben Angreifer versucht, Polizisten zu töten – allein im Jahr 2025.

Der 24-jährige Polizeiobermeister lässt sich bei einer Verkehrskontrolle Führerschein und Fahrzeugschein geben, fragt nach Alkohol und Cannabis. Der Autofahrer ist kooperativ. Nicht jede Kontrolle verläuft so ruhig. Manche Menschen reagieren aggressiv. Reiter versucht dann, freundlich, aber bestimmt zu bleiben. "Ich nehme das nicht persönlich."

Junger Freistaat drückt bei Entnazifizierung ein Auge zu

Wie Menschen der Polizei begegnen, hat sich in 80 Jahren verändert. Nach dem Ende der NS-Diktatur arbeiten viele Polizisten weiter. Zwar habe sich jeder einer Entnazifizierung unterziehen müssen, sagt die Polizeihistorikerin Gundula Gahlen. Doch die Verfahren seien oft oberflächlich geblieben: "Dass man sehr rasch dem Menschen einfach geglaubt hatte, dass sich die Kollegen untereinander gedeckt haben." Der junge Freistaat braucht schlichtweg Personal.

Wackersdorf und das Misstrauen gegen Staat und Uniform

In den 1960er-Jahren wächst bei vielen jungen Menschen das Misstrauen gegenüber Polizei und Staat: Das Schweigen der Naziväter, Studentenproteste und Kontrollen wegen langer Haare bewegen vor allem junge Menschen. Bei den Protesten gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf erreicht die Konfrontation in den 1980er-Jahren einen Höhepunkt. Die Polizei setzt Schlagstöcke und CS-Gas ein. Das Reizgas trifft auch die Oberpfälzerin Irmgard Gietl: "Das darf der Staat den Bürgern nicht antun", ruft sie. Wackersdorf prägt das Bild einer harten, mitunter brutalen Polizei für eine ganze Generation.

Herrmann: Harte "bayerische Art" war "keine kluge Äußerung"

1992 werden beim G7-Gipfel in München rund 500 Demonstrierende im sogenannten Münchner Kessel festgehalten. Ministerpräsident Max Streibl (CSU) verteidigt damals das Vorgehen: "Wenn einer glaubt, er muss sich mit Bayern unbedingt anlegen, der muss spüren, dass wir dann auch mal etwas härter hinlangen." Mehr als 30 Jahre später sagt Innenminister Joachim Herrmann (CSU): "Ich glaube, das ist keine sehr kluge Äußerung. Klar ist, unsere Polizei arbeitet konsequent und greift auch durch, wo es notwendig ist. Aber klar ist auch, dass wir die Menschenwürde schützen."

Polizei im Laufe der Zeit immer besser ausgestattet

Der Freistaat hat seine Polizisten seither besser ausgestattet: Pfefferspray, modernere Schutzwesten, ein ausziehbarer Einsatzstock, blaue Uniformen und eine Body-Cam gibt es inzwischen für die rund 45.000 Beamten bei der Bayerischen Polizei. Auch Nachwuchs gebe es genug. Laut Herrmann ist die Bewerberzahl weitaus höher als es Stellen gibt.

Beim Eignungstest fielen zuletzt 42 Prozent der Bewerber durch, in der 3. Qualifikationsebene (vormals gehobener Dienst) waren es 15 Prozent. Das Einstiegsgehalt im mittleren Dienst beträgt 3.294 Euro plus Zuschläge. Insgesamt haben die Polizisten in Bayern derzeit drei Millionen Überstunden angehäuft.

Die bayerische Bevölkerung steht hinter der Polizei. Im Demokratiereport Bayern 2025 sagten mehr als 80 Prozent der Befragten, sie haben großes oder sehr großes Vertrauen.

Polizistenmord: Ein Einsatz, der bis heute nachwirkt

Thomas Kindermann hat den Wandel der Polizei über mehr als drei Jahrzehnte erlebt. 2011 hört er über Funk, dass Kollegen zwei Motorradfahrer im Siebentischwald verfolgen, und fährt sofort los. "Bei dieser Verfolgung hat der Täter und sein Bruder den Matthias erschossen. Er war schon am Boden und dann ist nochmal mit einer Kalaschnikow eine ganze Salve auf ihn abgegeben worden." Sein junger Kollege Simon Reiter fährt weiter durch die Augsburger Nacht. Er sagt: "Ich sehe das absolut als Pflicht, Menschen zu helfen." Was die zwei Generationen verbindet: die Ungewissheit vor dem nächsten Einsatz. Thomas Kindermann blickt dabei zurück, Simon Reiter nach vorn.

Zwei Polizeibeamte erzählen im Rahmen von 80 Jahre Polizei über ihre Erlebnisse als Polizist
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Zwei Polizeibeamte erzählen im Rahmen von 80 Jahre Polizei über ihre Erlebnisse als Polizist

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