43,8 Prozent – damit lag die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar vorne. Das bedeutet laut dem vorläufigen Ergebnis (externer Link): 576.037 Menschen haben für die AfD gestimmt. Geschlecht, Alter, Sorgen: Die Daten von Infratest dimap zeigen, wer die AfD-Wähler sind. Die interaktive Grafik dazu ist direkt unter diesem Text.
Findet die AfD einen Regierungspartner? Darüber sprach BR24 mit Politikwissenschaftlerin Jasmin Riedl und BR-Hauptstadtkorrespondentin Stephanie Stauß. Das Video finden Sie oben eingebettet in diesem Artikel.
Sachsen-Anhalt: Jeder zweite Mann wählte AfD
Jeder zweite Mann stimmte bei der Landtagswahl für die AfD, die der Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem einstuft. Bei den Frauen erreichte die Partei 39 Prozent. Damit liegt die AfD bei beiden Geschlechtern deutlich vor den anderen Parteien.
AfD in allen Altersgruppen vorne – Ü70 aber nur knapp
Die AfD hat bei Menschen zwischen 35 und 59 Jahren besonders gut abgeschnitten. 52 Prozent stimmten hier für sie. Auch bei Jüngeren lag die AfD vorne. Unter den 18- bis 24-Jährigen erreichte sie 41 Prozent, unter den 25- bis 34-Jährigen sogar 43 Prozent. Am zweitbesten schnitten in diesen jüngeren Altersgruppen Grüne und Linke ab. Die CDU kam nur auf einstellige Werte.
Anders war das bei den Wählerinnen und Wählern, die 70 Jahre oder älter sind. Hier lag die AfD zwar mit 31 Prozent immer noch knapp vorne. Fast gleichauf war allerdings die CDU mit 30 Prozent. Menschen, die 1956 oder früher geboren wurden, stimmten also seltener für die AfD als das restliche Sachsen-Anhalt. Und: Das Wahlverhalten von Frauen und Menschen ab 70 dürfte eine AfD-Alleinregierung mit absoluter Mehrheit verhindert haben.
Tätigkeit: 59 Prozent der Arbeiter stimmten für AfD
Besonders viel Zuspruch erhielt die AfD in Sachsen-Anhalt bei Arbeitern und Selbstständigen: Hier stimmten 59 bzw. 52 Prozent für die Partei. Auch bei Angestellten (46 Prozent) und Rentnern (38 Prozent) lag die AfD vorne. Wie viele Stimmen sie unter den schätzungsweise 80.000 wahlberechtigten Arbeitslosen erzielte, zeigen die Daten von Infratest dimap nicht.
Finanzielle Lage: Große Sorgen vor wirtschaftlichem Abstieg
Bei den Menschen, die sich finanziell in einer guten Situation wähnen, erreichte die AfD in Sachsen-Anhalt 37 Prozent. Bei denjenigen, die sich laut eigener Einschätzung in einer schlechten finanziellen Lage befinden, wählten 65 Prozent die Partei.
Noch aussagekräftiger sind zwei andere Werte. 89 Prozent der AfD-Wählenden fürchten, dass sie ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, weil die Preise so stark steigen. Und 80 Prozent der AfD-Wählerschaft macht sich große Sorgen, den eigenen Lebensstandard nicht mehr halten zu können.
Je höher gebildet, desto weniger AfD-Stimmen
Je höher der Bildungsabschluss, desto weniger AfD-Zweitstimmen. Bei formal hoch gebildeten Menschen (mindestens Abitur oder Fachabitur) kam die Partei auf 30 Prozent. Bei Menschen mit mittlerer Bildung (mindestens Mittlere Reife) waren es 52 Prozent. Bei Menschen mit einfacher Bildung (mindestens Hauptschule/Volksschule oder kein Abschluss) erreichte die AfD sogar 57 Prozent.
Land-Stadt-Gefälle: Wo die AfD besonders gut abgeschnitten hat
Schon andere Landtagswahlen zeigten: In ländlichen Regionen punktet die AfD mehr als in Städten. In Sachsen-Anhalt spielt ihr das besonders in die Karten – weil es vergleichsweise wenige Städte und Ballungszentren gibt. In der Landeshauptstadt Magdeburg leben gut 240.000 Menschen, in der drittgrößten Stadt Dessau-Roßlau sind es nur rund 75.000.
Über 50 Prozent erreichte die AfD in Wahlkreisen, die vielen Menschen in Bayern wenig sagen dürften: Staßfurt, Zeitz, Eisleben, Querfurt, Weißenfels, Bernburg und Köthen. Umgekehrt lagen die einzigen drei Wahlkreise, in denen die Partei unter 30 Prozent blieb und über die Erststimmen nicht das Direktmandat holte, in städtischen Gebieten: zweimal in Halle, einmal in Magdeburg. Am schwächsten schnitt die AfD mit 18,3 Prozent in jenem Wahlkreis in Halle ab, in dem die Universität liegt.
AfD mobilisiert 170.000 Nichtwähler
Im Saldo stimmten rund 170.000 frühere Nichtwähler dieses Mal für die AfD. Dazu kamen rund 83.000 frühere CDU-Wähler. Für die AfD-Wählerschaft vor allem wahlentscheidend waren die Themen innere Sicherheit, Zuwanderung sowie Soziale Sicherheit.
Zur interaktiven Grafik: Wer wählte in Sachsen-Anhalt wen?
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