Nie lag die Union im ARD-DeutschlandTrend niedriger: Bei der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl kämen CDU und CSU aktuell auf 20 Prozent. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als die AfD, die in der repräsentativen Umfrage von Infratest dimap weiterhin 27 Prozent erreicht. Vor rund zwei Jahren lag die Union noch deutlich über der 30-Prozent-Marke, damals doppelt so viel wie die AfD.
Die SPD bleibt wie im Vormonat bei 13 Prozent. Minimal zulegen können die Grünen mit derzeit 16 Prozent (+1). Die Linke erzielt 11 Prozent (-1). Die FDP kommt unverändert auf vier Prozent – für den Einzug ins Parlament sind mindestens fünf Prozent nötig. Alle anderen Parteien, darunter das BSW, liegen insgesamt bei neun Prozent.
Interaktive Grafik: Die Sonntagsfrage seit Januar 2021
Große Mehrheit unzufrieden mit Schwarz-Rot und Merz
Historisch niedrige Werte gibt es auch bei der Frage, wie (un)zufrieden die Wahlberechtigten in Deutschland mit der Bundesregierung und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sind. Lediglich zehn Prozent der Befragten zeigen sich zufrieden mit Schwarz-Rot. 37 Prozent sind weniger zufrieden, 52 Prozent gar nicht zufrieden. Die Grafik zeigt: Bei den Unterstützern aller im Bundestag vertretener Parteien dominiert die Unzufriedenheit – auch bei den Unions-Anhängern denken zwei Drittel so.
Merz selbst verzeichnet bei seinen persönlichen Zufriedenheitswerten einen weiteren Rückgang: Aktuell sind zehn Prozent der Befragten mit seiner politischen Arbeit zufrieden, 88 Prozent nicht. Unter den abgefragten Politikern ist lediglich mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine Mehrheit zufrieden – derzeit 50 Prozent, Tendenz allerdings seit Monaten sinkend.
Grafik: Zufriedenheit mit der Bundesregierung
ARD-DeutschlandTrend im Oktober 2026: Zufriedenheit mit der Bundesregierung
Mehrheit will mehr Maßnahmen gegen hohe Energiepreise
Die Energiepreise in Deutschland sind derzeit hoch – wegen des Iran-Kriegs, aber auch weil die CO₂-Abgabe fossile Kraftstoffe langfristig verteuert. Der neue ARD-DeutschlandTrend zeigt: Drei Viertel der Befragten halten die Anstrengungen der Bundesregierung, um die Energiepreise zu senken, für nicht weitgehend genug. 16 Prozent finden sie angemessen, für fünf Prozent gehen sie zu weit.
Der ab diesem Donnerstag wieder eingeführte Tankrabatt von maximal 17 Cent pro Liter Benzin und Diesel stößt auf ein geteiltes Echo: 47 Prozent halten die Maßnahme für richtig, 46 Prozent für falsch.
Grafik: Senkung der Energiepreise
ARD-DeutschlandTrend im Oktober 2026: Senkung der Energiepreise
Politik, KI, Klimawandel: Viele Menschen sind beunruhigt
Auch wenn die Gründe nicht erfragt wurden: Die Verhältnisse in Deutschland geben momentan 86 Prozent der Wahlberechtigten eher Anlass zur Beunruhigung. Zuversichtlich sind lediglich zwölf Prozent. Unter den Anhängern von AfD und Linken sind fast alle beunruhigt. Insgesamt ist die Kluft zwischen Zuversicht und Beunruhigung so groß wie selten in den vergangenen 30 Jahren.
Die Umfrage von Infratest dimap zeigt Deutschland momentan als Land der vielen Sorgen. Besonders besorgt sind die Befragten...
- dass die Parteien auf drängende politische Fragen keine gemeinsamen Antworten finden (84 Prozent)
- dass die Menschen die Kontrolle über Künstliche Intelligenz verlieren (66 Prozent)
- über die Folgen der Politik von US-Präsident Donald Trump für Deutschland (66 Prozent)
- der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen zerstört (60 Prozent)
Es wurde nur nach bereits vorformulierten Sorgen gefragt, nicht nach Chancen oder Hoffnungen.
Grafik: Verhältnisse in Deutschland
ARD-DeutschlandTrend im Oktober 2026: Verhältnisse in Deutschland
Was läuft eher gut in Deutschland?
Ohne konkrete Antwortvorgabe wurde folgende Frage gestellt: Wenn sie Deutschland mit anderen Ländern vergleichen – was läuft eher gut? 17 Prozent der Befragten nannten hier den Sozialstaat, 14 Prozent die medizinische Versorgung. Neun Prozent verwiesen auf Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat – nur drei Prozent auf Bildung und Ausbildung.
Grafik: Positive Seiten Deutschlands
ARD-DeutschlandTrend im Oktober 2026: Positive Seiten Deutschlands
Vor Tag der Deutschen Einheit: Bilanz in West und Ost
36 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigt die Umfrage: In Ostdeutschland sagen 44 Prozent, dass die Wende ihnen persönlich eher Vorteile gebracht hat. 19 Prozent bilanzieren mit Blick auf sich selbst eher Nachteile. 25 Prozent geben an, die Wiedervereinigung habe ihr eigenes Leben kaum beeinflusst.
Kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit zeigt sich in Westdeutschland ein anderes Bild. Dort sagen 55 Prozent, die Wende habe kaum Einfluss auf ihr Leben gehabt. 19 Prozent sehen Vorteile, 18 Prozent Nachteile. Ein früherer ARD-DeutschlandTrend zeigte: Reisefreiheit, Wegfall der Mauer, Familienzusammenführung – insgesamt war im vergangenen Jahr die klare Mehrheit zufrieden mit dem Stand der Wiedervereinigung.
Zum Hören: Der ARD-DeutschlandTrend im Oktober 2026
Berlin, 30.9.26: Bundeskanzler Merz (r.) wartet neben Bundesfinanzminister Klingbeil auf den Beginn der Kabinettssitzung.
Der ARD-DeutschlandTrend
Für den aktuellen ARD-DeutschlandTrend befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap vom 28. bis 30. September 2026 insgesamt 1.303 Wahlberechtigte in Deutschland (777 Telefoninterviews und 526 Online-Interviews). Es handelt sich um eine repräsentative Studie unter den Wahlberechtigten in Deutschland.
Infratest dimap weist darauf hin, dass die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl aktuelle Parteipräferenzen misst und kein tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag final abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest.
- Zum Artikel: Wie funktionieren Studien und Wahlumfragen?
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