Michael Traut, General und Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr. Im Hintergrund der russische Präsident, Wladimir Putin
Michael Traut, General und Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr. Im Hintergrund der russische Präsident, Wladimir Putin
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Atomexplosion im All wäre „absolut fatal“ – Putins Geheimplan?
Bildrechte: picture alliance / Anadolu | Sefa Karacan / imageBROKER |Addictive Stock / newscom | JOE MARINO / Julius Nedele; BR-Montage
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Atomexplosion im All wäre „absolut fatal“ – Putins Geheimplan?

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Atomexplosion im All wäre "absolut fatal" – Putins Geheimplan?

Atomexplosion im All wäre "absolut fatal" – Putins Geheimplan?

Arbeitet Russland an einer im Weltraum stationierten Atombombe? Der Kreml dementiert. General Michael Traut, Kommandeur des Bundeswehr-Weltraumkommandos, warnt dennoch: Die Welt könnte ins "vordigitale Zeitalter" zurückgeworfen werden.

Über dieses Thema berichtet: 7 Fragen Zukunft am .

Die Bundeswehr soll in den kommenden Jahren auch im Weltraum verteidigungsfähig werden, unter anderem mit über 1.000 neuen Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten. Im Interview bei "7 Fragen Zukunft" mit BR-Chefredakteur Christian Nitsche erläutert General Traut, wie wir im Weltraum schon jetzt jeden Tag angegriffen werden – und warum eine Atombombe im Orbit eine "absolut fatale Vorstellung" wäre. 

Christian Nitsche: Wie können wir im Weltraum angegriffen werden?

Michael Traut: Wir werden schon jeden Tag angegriffen. Etwa durch Störungen von satellitengestützten Diensten im Baltikum. Sie brauchen in Ostpolen nicht versuchen, mit Google Maps Auto zu fahren, weil das GPS nicht funktioniert. Wir werden jeden Tag angegriffen mit Störungen auf Signale von Kommunikationssatelliten vom Boden aus. Und es gibt Akteure, die bereits jetzt über sehr starke Laser verfügen. Es hört sich an wie Science-Fiction, ist es aber leider nicht mehr. Sie können vom Boden aus die Optik eines Satelliten blenden, sodass er kein vernünftiges Bild mehr macht.

Im Video: Putins Geheimplan? Gibt es Krieg im Weltraum?

Nitsche: Wie viel sieht man dann nicht mehr?

Traut: Im Moment, in dem der Laser reinleuchtet, sieht man gar nichts. Also man kann ein punktuelles optisches Ziel durchaus verschleiern. Auch einen Radarsatelliten, der mit der Reflektion seines aktiven Radarsignals Bilder erzeugt, kann man stören, indem man ihm einfach ein falsches Signal nach oben schickt – und dann haben wir ein verwischtes oder verwaschenes Bild. Das passiert bereits regelmäßig. Und zuletzt kommen wir natürlich in sehr, sehr physische Auseinandersetzungen hinein.

Russische Weltraum-Spionage

Nitsche: Wie können solche Auseinandersetzungen aussehen?

Traut: Es gibt einen russischen Satelliten, der Luch/Olymp, der fliegt im geostationären Orbit auf und ab, parkt neben anderen Kommunikationssatelliten ein und hört die Kommunikation mit: kommerzielle Satelliten, militärische Sachen, alles.

Nitsche: Das heißt beispielsweise, in Deutschland telefoniert jemand und die Russen hören das mit?

Traut: Wenn es nicht verschlüsselt wäre. Tatsächlich geht das technisch noch ein bisschen tiefer: Es werden damit vermutlich Grundlagen geschaffen, um genau im richtigen Moment mit genau der richtigen Frequenz ein effektives Störsignal zu schicken – mit einem Störsender, der in einem anderen Satelliten oder auf dem Boden sitzt und genau auf den abgehörten Satelliten gerichtet wird. Russland betreibt diese Aufklärung gegenüber westlichen Kommunikationssatelliten bereits seit vielen Jahren. Außerdem haben Russland und China gezeigt, dass sie über Raketen verfügen, die vom Boden aus einen Satelliten im niedrigen Erdorbit zerstören können.

Und am obersten Ende der möglichen Eskalation, das wurde von amerikanischen Quellen um die Münchner Sicherheitskonferenz 2024 veröffentlicht: Russland arbeitet vermutlich an einer Technologie, die es ermöglicht, einen nuklearen Sprengkörper im Orbit zu platzieren.

Nitsche: Das wäre eigentlich verboten.

Traut: Die Antworten dazu aus Moskau sind relativ spärlich. Der ungefähre Tenor ist: "Nein, natürlich arbeiten wir an so etwas nicht, wir forschen nur." Aber leider sagen andere Quellen: Es ist nicht ausgeschlossen. Nach dem Weltraumvertrag, dem einzig völkerrechtlich verbindlichen und von allen Raumfahrtnationen unterzeichneten Vertragswerk, ist eine Massenvernichtungswaffe eigentlich verboten. Aber setzen Sie in der derzeitigen politischen Lage mal eine Sanktion durch. Militärisch hätte die Anwendung einer solchen Waffe eine absolut fatale Auswirkung.

Nitsche: Inwiefern?

Traut: Die USA haben das 1962 mal ausprobiert, unter dem Codewort "Starfish Prime". Sie haben eine massive Atomwaffe über dem Pazifik gezündet – 1,4 Megatonnen in 400 Kilometern Höhe südlich von Hawaii. Das hat dort zu Polarlichtern geführt und Stromnetze ausfallen lassen. Aber der eigentliche Effekt war selbst für die Amerikaner damals recht überraschend.

Bildrechte: nuclearweaponsarchive.org/Usa/Tests/Dominic.html
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Die Explosion des US-Atombombentest "Starfisch Prime", fotografiert an der Küste Honolulus, Hawaii

Der Strahlungsgürtel im Magnetfeld, das die Erde auch vor harter kosmischer Strahlung schützt, wurde derart aufgeladen mit den Resten dieser Atomexplosion, dass dort über Wochen und Monate quasi eine Strahlungswolke stand. 30 Prozent aller damals existierenden Satelliten, das waren noch nicht so viele, haben anschließend nicht mehr funktioniert. Wenn das heute passieren würde, wären wir wahrscheinlich zurück im vordigitalen Zeitalter. Und wir hätten einen Kessler-Effekt und könnten bestimmte Teile unseres niedrigen Orbits wahrscheinlich über Jahre und Jahrzehnte nicht mehr benutzen. Eine absolut fatale Vorstellung.

Wie lassen sich Nuklearwaffen im All verhindern?

Nitsche: Wenn jemand eine Rakete mit einer Atomwaffe ins All schickt: Gibt es die Möglichkeit, sie abzufangen?

Traut: Das wäre natürlich ein sehr, sehr, sehr hohes militärisches und politisches Risiko. Zunächst mal gilt es, Russland klarzumachen, dass das eine Aktion gegen die gesamte Menschheit wäre, also auch gegen sich selbst. Denn eine solche Waffe würde unterschiedslos alle Satelliten treffen, die sich dort befinden. Dann kann man sicherlich auch noch sehr, sehr große Verbündete suchen. Ich gehe davon aus, dass China auch kein Interesse daran hat, dass jemand eine Nuklearwaffe im Weltraum zündet und dass man sich als Menschheit relativ einig ist, dass eine solche Aktion sinnlos und sehr, sehr unverantwortlich wäre und man versucht, alle politischen Mittel zu nutzen, um das zu verhindern. Ich schließe aber auch nicht aus, dass Partner sich in einem solchen Fall Möglichkeiten zulegen würden, auch militärisch gegen eine solche Verbringung vorzugehen – mit welchen Mitteln auch immer. Am besten ist es, den Start zu verhindern.

Nitsche: Vielen Dank für das Gespräch.

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