Eine Frau mit Kinderwagen zwischen den abgeteilten Bereichen für Familien in einer Unterkunft für Geflüchtete in Frankfurt (Symbol- und Archivbild)
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Eine Frau mit Kinderwagen zwischen den abgeteilten Bereichen für Familien in einer Unterkunft für Geflüchtete (Symbol- und Archivbild)

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Rücktrittsforderungen an BAMF-Chef nach Asyl-Äußerungen

Rücktrittsforderungen an BAMF-Chef nach Asyl-Äußerungen

Äußerungen des BAMF-Präsidenten zu einer Wende im Asylrecht sorgen für Wirbel. Er habe als Privatperson und nicht als Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gesprochen, sagt Sommer. Doch es werden Rücktrittsforderungen laut.

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Innenpolitikerinnen von Grünen und Linken fordern den Rücktritt des Präsidenten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Hans-Eckhard Sommer. Hintergrund ist, dass er sich für einen radikalen Kurswechsel in der Asylpolitik ausgesprochen hat – weg von der Prüfung individueller Asylanträge, hin zu humanitären Aufnahmen über Kontingente.

BAMF-Präsident persönlich für Asylwende: Wie reagiert Faeser?

Das BAMF untersteht dem Bundesinnenministerium. Die geschäftsführende Ministerin Nancy Faeser (SPD) macht sich bei einer Pressekonferenz die Aussage von Sommer zu Migrationsfragen zwar nicht zu eigen. Personelle Konsequenzen kündigt sie aber nicht an. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie mit dem Behördenchef über seinen Vorschlag sprechen wird, antwortet Faeser lediglich: "Ich spreche immer mit Herrn Sommer."

Ihr Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner, sagt derweil dem "Handelsblatt": "Solche öffentlichen Äußerungen eines Behördenchefs widersprechen seiner Verantwortung, verletzen mutmaßlich die Dienstpflichten und ziehen in der Regel personelle Konsequenzen nach sich."

Sommer: Nicht als BAMF-Präsident gesprochen

Sommer hatte am Montag bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung gesagt, es sei falsch, am individuellen Asylrecht festzuhalten und auf positive Effekte der beschlossenen Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) zu hoffen. Sinnvoller wäre es nach seinen Worten, das aktuelle System durch humanitäre Aufnahmen "in beachtlicher Höhe" zu ersetzen.

Neben humanitären Gesichtspunkten könne hier auch die Integrationsfähigkeit des Arbeitsmarkts eine Rolle spielen. Wer dennoch unerlaubt nach Deutschland einreise, hätte dann keine Aussicht mehr auf ein Bleiberecht. Sommer hatte betont, nicht als BAMF-Präsident zu sprechen, sondern seine "persönliche Einschätzung" und eine Zusammenfassung seiner Erfahrungen zu präsentieren.

Grünen-Politikerin hält Sommer für "nicht tragbar"

"Dass ein Präsident einer deutschen Bundesbehörde geltendes deutsches Recht und das Völkerrecht infrage stellt, ist für einen Rechtsstaat nicht tragbar", sagt die Migrationsexpertin der Grünen-Fraktion, Filiz Polat. "BAMF-Präsident Sommer hat sich mit seinen Äußerungen zur Abschaffung des individuellen Asylrechts und dem Vorschlag, die Genfer Flüchtlingskonvention zu verändern, für den Rücktritt qualifiziert."

Die Bundestagsabgeordnete Clara Bünger (Linke) kritisiert als Fehler, dass Faeser den von ihrem Amtsvorgänger Horst Seehofer (CSU) 2018 eingesetzten BAMF-Präsidenten nicht bei ihrem Amtsantritt abgezogen habe. "Wer als Behördenchef die Kernaufgabe seines eigenen Amtes, individuelle Asylprüfungen vorzunehmen, für unzeitgemäß, überflüssig oder gar falsch hält, sollte von seinem Posten zurücktreten."

Mit Informationen von dpa

Im Video: BR-Hauptstadtkorrespondent Björn Dake zu den Äußerungen von BAMF-Präsident Sommer

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