Adrian hat diese Woche 42 Stunden gearbeitet. Als Hausmeister in einem Münchner Sportverein gibt es immer was zu tun: Im Winter Schnee schippen, im Sommer Rasenmähen. Doch um seine vierköpfige Familie zu finanzieren, ist Adrians Gehalt mittlerweile zu knapp: "Zum Beispiel beim Einkaufen: Was vorher zwei Euro gekostet hat, ist jetzt doppelt so teuer", sagt Adrian. "Und leider bleibt unser Gehalt fast immer so wie vorher".
- Zum Artikel: Minijobs in Bayern: Wer in diesen Jobs arbeitet
Deswegen hat sich Adrian auf die Suche nach einem Zweitjob gemacht: "Hallo zusammen, ich suche nach einem Minijob", liest Adrian von seinem Handy vor. "Ich bin Montag, Mittwoch und Freitag ab 16 Uhr verfügbar", hat er in seine Anzeige auf E-Bay Kleinanzeigen geschrieben.
So ist die Rentenversicherungspflicht bei Minijobs geregelt
So könnte er sich bis zu 603 Euro dazuverdienen. Das ist eine von zwei Varianten, die es bei Minijobs gibt. Entweder springt bei der Beschäftigung monatlich nicht mehr als durchschnittlich 603 Euro raus, also maximal 7.236 Euro im Jahr. Oder der Minijob ist von Beginn an auf eine bestimmte Zeit festgelegt, längstens für drei Monate oder maximal 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr.
Minijobs sind grundsätzlich vereinfacht versteuert und sozialversicherungsfrei – bis auf die Rentenversicherung. Die Rentenversicherungspflicht gilt aber nur für Minijobs mit Verdienstgrenze, nicht bei kurzfristigen Beschäftigungen. Und auch bei einer Arbeit mit Verdienstgrenze können Minijobber selbst entscheiden, ob sie Beiträge in die Rentenversicherung zahlen oder sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen wollen.
Kritik am Minijob: Lebensfähige Rente "so gut wie unmöglich"
Und genau hier liegt eine große Tücke im Minijob-System: Der Minijob mache es "so gut wie unmöglich", eine lebensfähige Rente zu bekommen, kritisiert Heike Stoffels vom Bezirksverband Oberbayern der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).
Und das betrifft Frauen stärker als Männer, denn: Die Minijob-Quote ist bei Frauen höher als bei Männern, und zwar durch alle Altersgruppen. 14 Prozent der Frauen machen nur Minijobs – zahlen also keine Sozialabgaben. Bei Männern sind es acht Prozent. Zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeit- oder Teilzeitstelle arbeiten zwölf Prozent der Frauen in einem Minijob – bei den Männern sind das noch zehn.
Dafür war der Minijob ursprünglich gedacht
Seit der Hartz-Reform ist der Zuverdienst durch Minijobs möglich. Die ursprüngliche Idee: Menschen ohne Arbeit sollten leichter in eine Vollzeitbeschäftigung einsteigen können. Doch das Ziel wurde verfehlt, kritisiert Stoffels von der IG BAU: "Also die Kolleginnen und Kollegen, die fünf oder zehn Jahre in einem Minijob unterwegs waren, sind gewohnt, dass sie netto für brutto bezahlt bekommen", sagt sie.
Hotspots für Minijobs: Reinigung und Gastronomie
Und die Realität zeigt, dass viele Menschen den Minijob nicht so nutzen, wie er ursprünglich vorgesehen war. So zum Beispiel auch Melina aus dem mittelfränkischen Landkreis Roth. Nach ihrem Vollzeitjob als Erzieherin geht es weiter zu ihrem zweiten Job als Kellnerin in einem Wirtshaus. "So 300, 400 Euro mehr im Monat, wenn man sich das zusammenspart, dann ist auch mal ein Urlaub mehr möglich", erklärt sie ihre Beweggründe.
Ihr Chef weiß seine Minijobber zu schätzen: "Die Minijobs sind für mich ultrawichtig, weil einfach die Flexibilität hervorragend ist", sagt er in der Küche des Restaurants. Wenn er Festangestellte bitte, ins Restaurant zu kommen, müsse er sie gleich für vier, fünf Stunden lang dabehalten. "Und zu einer Aushilfe kann ich gleich sagen: Ey, du bist heute nur für zwei Stunden da". Insgesamt arbeiten in dem Restaurant 20 Minijob-Beschäftigte – die Hälfte der Belegschaft.
Lebensmittel- und Gastgewerbe sind ein Minijob-Hotspot: Rund 245.000 Menschen in Bayern gehen einer geringfügigen Beschäftigung in der Gastro nach. Aber auch in der Reinigungsbranche nutzen viele das Minijob-Modell: Gut 200.000 sind es da. Insgesamt haben laut Zahlen der Agentur für Arbeit knapp 1,5 Millionen Menschen einen Minijob in Bayern.
Das Modell Minijob wird also von vielen angenommen – sowohl von Arbeitgebern, als auch von Arbeitnehmern. Doch zur Realität gehört: Der Minijob tut nicht das, wofür er gemacht wurde. Er ist heute vielmehr finanzieller Lückenfüller als ein erster Schritt zu einem Job, der zum Leben reicht – jetzt, und auch in der Rente.
Im Video: mehr/wert - Wer arbeitet in Teilzeit und warum?
Die Gründe für Teilzeitarbeit sind vielfältig. Warum arbeiten Menschen in Bayern in Teilzeit?
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

