Bayern, Kempten: ILLUSTRATION - Ein Polizist mit Handschellen und einer Pistole am Gürtel
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"Besorgniserregend": Mehr Gewalt bei Kindern und Jugendlichen

"Besorgniserregend": Mehr Gewalt bei Kindern und Jugendlichen

Bundesinnenministerin Faeser hat in Berlin den Bericht zur polizeilichen Kriminalstatistik vorgestellt. Auffällig ist die bundesweit deutliche Zunahme von tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen im Bereich der Gewaltkriminalität – auch in Bayern.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Früher hätten Raufbolde bei Schulhofschlägereien aufgehört, wenn einer am Boden lag, so Simone Fleischmann, Präsidentin des Verbands bayerischer Lehrerinnen und Lehrer (BLLV). Diese Zeiten seien jedoch vorbei. Jetzt werde auch mal weitergetreten. Die Zunahme der Aggression unter Kindern und Jugendlichen spiegelt sich im aktuellen Bericht zur bundesweiten polizeilichen Kriminalstatistik wider.

Zunahme der Gewaltkriminalität

Steigerungen seien im Bereich der Gewaltkriminalität insbesondere bei tatverdächtigen Kindern (+11,3 Prozent, 2024: 13.755 Fälle) und Jugendlichen (+3,8 Prozent, 2024: 31.383 Fälle) zu beobachten, heißt es in der Kriminalstatistik.

BKA-Chef: Entwicklung ist "besorgniserregend"

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts nennt Peter Münch, Chef des Bundeskriminalamts, die Entwicklung "besorgniserregend". Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) glaubt, eine gute Sozial- und Bildungspolitik sei die beste Prävention gegen einen weiteren Anstieg.

Das vom Bundesinnenministerium und der Innenministerkonferenz veröffentlichte Dokument begründet, Kinder und Jugendliche seien zunehmend psychisch belastet, was im Zusammenwirken mit weiteren ungünstigen Faktoren die Wahrscheinlichkeit der Begehung von Gewaltstraftaten erhöhen könnte. Eine Erklärung, um welche Faktoren es sich dabei handelt, fehlt.

Im Video: Kriminalstatistik 2024 - Mehr Gewaltdelikte

Jugendlicher hat die Hand am Hals eines anderen
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Kriminalstatistik für das Jahr 2024 vorgestellt

Mehr Gewaltdelikte auch in Bayern

Auch in Bayern ist die Zahl der Gewaltdelikte minderjähriger Tatverdächtiger um 8,7 Prozent gestiegen. Das entspricht einer Zunahme um 397 Fällen im Vergleich zum Vorjahr. Michael Laumer, Kommissar und Mitarbeiter der kriminologischen Forschungsgruppe (KFG) des Landeskriminalamts Bayern, sagt, ungünstige Faktoren seien beispielsweise die sozioökonomischen Verhältnisse der Kinder und Jugendlichen.

Oftmals, das will Laumer nicht verschweigen, würden Migranten in prekären Verhältnissen leben. Eine Mischung aus Gewaltaffinität, patriarchalischen Denkmustern und Minderwertigkeitsgefühlen erhöhe das Risiko, zuzuschlagen. Qualitativ habe sich bei den Delikten jedoch nichts geändert, so Laumer und verweist auf eine aktuelle Studie der KFG. Soll heißen, es wird zwar öfter hingehauen, aber nicht brutaler.

Schulen werden unsicherer

Schulen, so zeigt der Bericht des Bundesinnenministeriums, werden deutschlandweit unsicherer. Die Zahl der von der Polizei festgestellten Delikte auf Schulgeländen, dazu gehören beispielsweise auch Diebstähle, ist um 4,4 Prozent auf insgesamt 10.044 Fälle angestiegen. Das sollte Pädagogen alarmieren, denn Sozialisierung, also der Erwerb von Werten und Normen, findet nicht nur im Elternhaus, sondern auch an Schulen statt.

BLLV: Programme zu Stärkung der Resilienz

BLLV-Präsidentin Fleischmann warnt jedoch vor "zu viel Wirbel um Zahlen". Schnellschüsse und allein der Blick auf den Migrationshintergrund helfen laut ihr nicht weiter. Vielmehr seien Programme zu Stärkung der Resilienz nötig. Dafür müsse die Politik Gelder freimachen. Viele Schüler würden den Respekt gegenüber Lehrkräften verlieren, weil Eltern auch keinen Respekt zeigten und teilweise in den laufenden Unterricht kommen, um lautstark ihren Nachwuchs gegen angeblich unfaire Bewertungen in Schutz zu nehmen.

Eine weitere besonders auffällige Gruppe gewaltbereiter Tatverdächtiger sind dem Bericht zufolge Nichtdeutsche. Die Zahl der von dieser Gruppe begangenen polizeilich dokumentierten Gewaltdelikte sei um 7,5 Prozent auf insgesamt 85.012 Taten gestiegen. Zur Einordnung ergänzen die Autoren, die nichtdeutsche Bevölkerung sei insgesamt im Jahr 2024 angewachsen. Folglich sei die Zunahme absehbar gewesen. Insgesamt registrierte die Polizei 217.300 Gewaltdelikte und damit 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Kriminalstatistik: Mehr Sexualdelikte

Weiterhin ist die Zahl der erfassten Sexualdelikte deutlich nach oben gegangen. Faeser fordert eine effektivere Strafverfolgung und den Einsatz von Fußfesseln. Ein Grund für die Zunahme der vor allem gegen Frauen gerichteten Gewalt sei möglicherweise eine höhere Sensibilisierung der Gesellschaft hinsichtlich des Phänomens.

Sowohl bundesweit als auch in Bayern ist die Zahl der von der Polizei festgestellten Straftaten insgesamt zurückgegangen, was vor allem mit der Teillegalisierung von Cannabis zu tun hat.

Die polizeiliche Kriminalstatistik enthält von der Polizei gezählte Straftaten, die jedoch noch nicht von einem Gericht bewertet wurden. Daher ist von Tatverdächtigen die Rede.

Weitere Informationen zum Thema Kinder- und Jugendkriminalität gibt es im Podcast "Kaffee, extra schwarz", den der Autor dieses Textes und der Psychologe Ahmad Mansour gemeinsam produzieren.

Symbolbild: "Unsere Schule - Ort der Vielfalt - Gemeinsam gegen Gewalt" steht auf einem Whiteboard.
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Symbolbild: "Unsere Schule - Ort der Vielfalt - Gemeinsam gegen Gewalt" steht auf einem Whiteboard.

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