Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe rollt über das Gelände vom Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. Mit ihm haben sich deutsche Soldaten auf den Weg gemacht.
Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe rollt über das Gelände vom Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. Mit ihm haben sich deutsche Soldaten auf den Weg gemacht.
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In Wunstorf ist heute so ein Airbus A400M der Luftwaffe gestartet. Mit ihm haben sich deutsche Soldaten auf den Weg gemacht.
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In Wunstorf ist heute so ein Airbus A400M der Luftwaffe gestartet. Mit ihm haben sich deutsche Soldaten auf den Weg gemacht.

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Bundeswehr in Grönland: Deutschland schickt Erkundungskommando

Bundeswehr in Grönland: Deutschland schickt Erkundungskommando

13 Bundeswehrangehörige haben sich auf den Weg nach Grönland gemacht. Sie sollen dort die Lage erkunden. Inzwischen sind Details bekannt. Wie ist das einzuordnen?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Auf Einladung Dänemarks hat Deutschland Bundeswehrsoldaten nach Grönland geschickt. Das teilte das Verteidigungsministerium noch am Mittwochabend mit. Demnach handelt es sich um ein 13-köpfiges Erkundungskommando, das an der Seite von Vertretern aus Partnernationen "Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region" prüfen soll. Inzwischen hat das Ministerium die Angaben präzisiert: Die Soldaten fliegen zunächst nach Dänemark. Von dort geht es gemeinsam mit einem dänischen Erkundungsteam und Soldaten aus anderen Ländern am Freitag weiter.

Vor Ort sollen dann "grundlegende Erkenntnisse zu den Rahmenbedingungen für Einsatz- und Übungsmöglichkeiten" gewonnen werden. Eine Anfrage zu Details ließ das Ministerium zunächst unbeantwortet. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte, es sei entscheidend, "dass wir uns bei der gemeinsamen Erkundung in Grönland unter dänischer Führung innerhalb der NATO, insbesondere mit unseren US-Partnern, sehr gut abstimmen".

Was könnte Deutschland beitragen?

Zunächst hatte das Ministerium mit dem Begriff "Seeraumüberwachung" ein Stichwort genannt, ohne nähere Angaben zu liefern. Das lässt den Schluss zu, dass die Bundesregierung auch in Erwägung zieht, sich an Patrouillen rund um die Insel zu beteiligen – sei es mit Flugzeugen oder mit Schiffen der Marine.

Die Marine hat jüngst den ersten neuen Seefernaufklärer vom Typ "P-8A Poseidon" erhalten. Mit dem Flugzeug lassen sich unter anderem U-Boote aufspüren und große Seegebiete überwachen. Weitere Maschinen werden dazukommen.

Ist eine Stationierung in Grönland denkbar?

Theoretisch ist auch eine Truppenpräsenz vor Ort denkbar. Der Präsident des Reservistenverbandes, Patrick Sensburg, hatte genau das in einem Interview mit der Bild-Zeitung ins Spiel gebracht. Ihm schwebt "mindestens eine europäische Brigade unter der Führung von Dänemark" vor. Auch Deutschland sollte sich beteiligen, forderte Sensburg. Im Moment ist das aber alles spekulativ. Für die Bundeswehr wäre so etwas angesichts ihrer zahlreichen Aufträge ohnehin eine Herausforderung.

Erfahrung mit NATO-Missionen

Dabei hat die Truppe vielfältige Erfahrungen mit Beteiligungen an multinationalen Verbänden – wenn auch in anderem Kontext. Naheliegend ist ein Blick nach Litauen: Von 2017 an waren deutsche Soldaten beispielsweise dort präsent. Sie bauten einen Kampfverband im Rahmen einer NATO-Mission auf, um Russland abzuschrecken. Die Truppen rotierten dabei alle paar Monate. An einer dauerhaften Stationierung im Land wird derzeit gearbeitet. Bis Ende 2027 soll eine Heeresbrigade mit rund 5.000 Männern und Frauen einsatzbereit sein.

Klar ist: Eine größere NATO-Mission wird nicht über Nacht geplant. Denkbar wären allerdings auch Abstimmungen mit einzelnen Partnern, um bestimmte Truppen bereitzustellen. Verteidigungsminister Pistorius äußerte sich jüngst in diese Richtung.

Ein Bundestagsmandat bräuchte es dafür nicht. Bei Missionen oder Manövern in NATO-Staaten handelt es sich nicht um Einsätze im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes. Darunter fallen nur solche außerhalb des NATO-Bündnisgebiets.

Mehr Manöver?

Jenseits davon liegt eine Ausweitung von Manövern in der Region nahe. Deutsche Soldaten nahmen etwa bereits im Herbst an der Übung "Arctic Light" auf Grönland teil. Im NATO-Kontext ist es durchaus üblich, größere Manöver in regelmäßigen Abständen in bestimmten Regionen abzuhalten. Auch damit will das Bündnis abschrecken. Die übende Truppe bekommt dabei ein genaues Bild der Gegebenheiten vor Ort. Die Verlegung von Fahrzeugen und Material wird automatisch mittrainiert.

In Norwegen beteiligt sich Deutschland beispielsweise seit Längerem mit Kräften der Gebirgsjägertruppe aus Bayern an einer Wintermanöverserie. Die Gebirgsjäger gelten ohnehin als Spezialisten für arktisches Terrain und als schnell zu verlegende Kräfte, da sie sich zu Fuß, auf Skiern oder mit Überschneefahrzeugen bewegen können und für kalte Regionen ausgebildet werden. Auch die Marine hat Erfahrung aufgrund von Beteiligungen an Manövern und NATO-Missionen in Nord- und Ostsee.

Wie ist die Erkundung einzuordnen?

Der Abflug des deutschen Erkundungskommandos auf die dänische Einladung hin ist wohl im Kontext der jüngsten Aussagen aus Berlin zu verstehen. Führende deutsche Politiker, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), hatten sich für ein stärkeres Engagement der NATO auf Grönland ausgesprochen. Dies solle der Sicherheit in der rohstoffreichen und strategisch wichtigen Region dienen.

Die Aussagen können als Versuch gewertet werden, die Trump-Administration zu besänftigen. US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt Ansprüche auf Grönland angemeldet und dabei auch mit Sicherheitsinteressen der USA argumentiert. Seitdem wächst die Sorge, die USA könnten die Insel annektieren. Grönland ist Teil Dänemarks und gehört damit zu einem NATO-Staat.

Im Video: Grönland-Präsenz - Soldaten in Nuuk eingetroffen

15 Bundeswehrsoldaten sollen gemeinsam mit Soldaten anderer europäischer Staaten ausloten, wie Grönland besser geschützt werden kann.
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15 Bundeswehrsoldaten sollen gemeinsam mit Soldaten anderer europäischer Staaten ausloten, wie Grönland besser geschützt werden kann.

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