Verhandeln um Einkommensprozente in einer Konjunkturflaute: Es gab für die Gewerkschaften sicher schon leichtere Zeiten, ein für die Mitgliedschaft akzeptables Ergebnis in der Tarifrunde durchzusetzen. Die Preise steigen zwar nicht mehr so stark, aber sie steigen. Und die Inflationsausgleichsprämie gab es nur einmalig steuer- und abgabenfrei zum Ausgleich. Doch verbilligt hat sich die Lebenshaltung danach nicht wirklich.
Lebenshaltungskosten weiter hoch
"Die stärkere Kaufkraft und höhere Binnennachfrage hilft in den aktuellen Krisen, die Konjunktur zu stabilisieren", sagt Stefan Körzell, Mitglied im Vorstand des DGB. Auf der anderen Seite leiden viele Firmen unter der Auftragsflaute, Dienstleister haben weniger zu tun und auch der Staat spart. "Vor allem in der Industrie muss es um Beschäftigungssicherung gehen", betont Hagen Lesch, Experte beim Institut der deutschen Wirtschaft, auf Nachfrage von BR24.
Mehr Tarifrunden als 2025
Die Tarifrunde 2026 trifft laut Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung wesentlich mehr Beschäftigte als noch im letzten Jahr. Denn für etwa zehn Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer laufen die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelten Tarifverträge aus. 2025 wurden dagegen nur für etwa 6,3 Millionen Beschäftigte neue Tarifverträge vereinbart.
Forderungen der Gewerkschaften
Bevor verhandelt wird, stellen die Gewerkschaften ihre Forderung auf. Was schon bekannt ist:
- Im Bereich Nahrung, Genuss, Gaststätten liegen die Lohnforderungen zwischen vier und sechs Prozent.
- Beim öffentlichen Dienst der Länder haben die Gewerkschaften Lohnerhöhungen von bis zu sieben Prozent, mindestens aber 300 Euro, eingebracht – ein eher niedrigerer Wert im Vergleich zu anderen Jahren. Die Krise hinterlässt Spuren.
- In der chemischen Industrie geht es aus Sicht der zuständigen Gewerkschaft IG BCE darum, die Kaufkraft zu stärken – eine konkrete Zahl nennt sie nicht.
- Es gibt auch schon Forderungen, die weitaus höher liegen. Auf über zehn Prozent kommt die Gewerkschaft Verdi zum Beispiel im öffentlichen Personennahverkehr in Bayern – eingerechnet aller Zusatzforderungen. Der Bedarf an Fachkräften ist dort groß, da kann man höher einsteigen.
Allerdings werden sich die Gewerkschaften am Verhandlungstisch eine Frage der Arbeitgeber oft anhören müssen: Wer soll das in Krisenzeiten bezahlen?
Nahverkehr und Bahn dabei
Der Auftakt wurde schon im Dezember gesetzt mit der Tarifrunde für rund 2,5 Millionen Beschäftigte der Länder (außer Hessen, das separat verhandelt). Gleich im Januar steht das zweite Treffen im Terminkalender. Auch für den öffentlichen Personennahverkehr in Bayern und bei der Deutschen Bahn starten dann die ersten Gespräche. Dem folgt die chemische Industrie als große Industriebranche. Im Frühjahr folgen unter anderem die Telekom, der Einzelhandel und der Groß- und Außenhandel in Bayern und im August das Gastgewerbe im Freistaat.
Zum Jahresende geht es dann um ein Einkommensplus für eine große Branche in der Flaute und im Umbruch. Ende Oktober läuft der Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie aus. Bei der Deutschen Post steht der Termin für Jahresende im Tarifvertrag.
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