Nach der verheerenden Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana mit 40 Toten hat die Schweizer Justiz Ermittlungen gegen die Betreiber der Bar aufgenommen, in der das Feuer in der Silvesternacht ausgebrochen war. Erste Untersuchungen hätten "zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Betreiber des Lokals geführt", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis am Samstag mit. Derweil wurden alle 40 Todesopfer des Unglücks identifiziert und ein nationaler Trauertag für Freitag angekündigt.
Ermittler: Schaumstoff war in Brand geraten
Gegen die Bar-Betreiber werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Brandstiftung ermittelt, erklärten die Behörden. Den Ermittlern zufolge wurde die Feuersbrunst offenbar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler war dort Schaumstoff in Brand geraten. Das Feuer hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet.
Derweil teilte die Gemeinde Crans-Montana laut Medienberichten mit, der Gemeinderat habe einstimmig beschlossen, sich als Nebenklägerin an dem von den Strafverfolgungsbehörden eingeleiteten Verfahren zu beteiligen. Eine Zivilklage sei eingereicht worden. Zudem werde sie der Staatsanwaltschaft alle verfügbaren Unterlagen zum Brand in der Bar übergeben, hieß es.
Alle Todesopfer des Brandes identifiziert
Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Bar "Le Constellation" ins neue Jahr feierten. Die Bar war besonders bei jungem Publikum beliebt, entsprechend sind die meisten Schwerverletzten Teenager oder junge Erwachsene.
Inzwischen haben die Behörden alle 40 Todesopfer identifiziert. Darunter befinden sich 21 Schweizerinnen und Schweizer, wie die Polizei im Kanton Wallis am Sonntagabend mitteilte. Hinzu kämen neun Franzosen, sechs Italiener, eine Belgierin, eine Portugiesin, ein Rumäne und ein Türke. Die Opfer wurden zwischen 14 und 39 Jahre alt, 20 von ihnen waren minderjährig.
Zunächst waren laut Polizei acht Menschen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren aus der Schweiz identifiziert worden, die sterblichen Überreste waren den Angehörigen übergeben worden.
Viele Opfer mit schwersten Brandverletzungen in Spezialkliniken
Andere Familien bangen noch immer um ihre vermissten Kinder. Auch einige Verletzte konnten noch nicht identifiziert werden. Viele Opfer erlitten schwerste Brandverletzungen, die in Spezialkliniken behandelt werden müssen. Nach jüngsten Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) übernahm Deutschland insgesamt elf Schwerverletzte aus der Schweiz zur medizinischen Behandlung. Derzeit seien keine weiteren Verlegungen nach Deutschland geplant, erklärte die Behörde.
Der für die Gesundheitspolitik in der italienischen Region Lombardei verantwortliche Guido Bertolaso schilderte die Schwierigkeiten bei der Identifizierung von Schwerbrandverletzten: "Warum können wir sie nicht identifizieren? Weil ihre Gesichter vollständig verbunden sind. Wir können die Bandagen nicht entfernen, um sie zu erkennen. Sie sind intubiert und können deshalb nicht sprechen."
Nationaler Trauertag am 9. Januar
Im Zentrum des Skiorts Crans-Montana versammelten sich am Samstag immer wieder Menschen nahe des Unglücksorts und legten Blumen, Briefe, Kerzen und Plüschtiere als Zeichen der Anteilnahme für die Opfer und ihre Familien nieder. Der Schock über die "unermessliche Tragödie" sitze tief, sagte der Schweizer Justizminister Beat Jans bei einem Besuch am Unglücksort. Die Justiz werde alles tun, um die Verantwortung für die Katastrophe zu klären. Im Internet boten unterdessen zahlreiche Menschen den Familien der Opfer sowie Mitgliedern der Rettungskräfte Unterkünfte oder andere Unterstützung an.
Für die Opfer sind in den kommenden Tagen mehrere Gedenkfeiern geplant. Am späten Samstagabend war die Kirche von Crans-Montana während eines Gedenkgottesdienstes mit Menschen aller Altersgruppen gefüllt. Am Sonntag fand ein Schweigemarsch zur Bar Le Constellation nach dem Gottesdienst statt. Für den neunten Januar wurde ein landesweiter Trauertag angekündigt. Um 14.00 Uhr sollen alle Kirchenglocken der Schweiz läuten, auch eine Schweigeminute ist geplant. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sagte dem "Tagesanzeiger", er werde dabei sein.
Mit Informationen von dpa und AFP
Im Audio: Trauer in Crans-Montana nach Brandkatastrophe
Ein Feuerwehrmann legt eine Kerze vor der Bar ab, in der 40 Menschen starben und mehr als 100 verletzt wurden.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

