Der Tod des iranischen Diktators: Der Zeitpunkt war kein Zufall
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Anhänger der Regierung trauern in Teheran nachdem der Tod des iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei bekannt gegeben wurde
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Anhänger der Regierung trauern in Teheran nachdem der Tod des iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei bekannt gegeben wurde

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Der Tod des iranischen Diktators: Der Zeitpunkt war kein Zufall

Der Tod des iranischen Diktators: Der Zeitpunkt war kein Zufall

Der Zeitpunkt des Angriffs war offenbar kein Zufall: Die Geheimdienste der USA und Israel hätten Chamenei seit Monaten observiert. Als sie erfuhren, dass er seinen engsten Beraterstab Samstagmorgen einberufen würde, sei der Angriff vorverlegt worden.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die israelischen Zeitungen fassen heute Morgen die Nachricht vom Tod des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Ali Chamenei übereinstimmend mit Schlagzeilen wie diesen zusammen: "Historische Leistung: Chamenei von Israels Luftwaffe getötet", Tod des Tyrannen, "Beseitigt". Der "Anschlag auf Chamenei" sei ein strategisches Ereignis. Er sei eine "einigende Kraft" gewesen, "die alle Kräfte der Revolution zusammengebrachte und alle ihre Feinde abschreckte", heißt es etwa im israelischen Massenblatt "Israel Hayom".

Wie es allerdings dazu kam, dass Chamenei und sein engster Beraterkreis gestern Ziel des israelischen Luftangriffs hatten werden können, sei nach Informationen der "New York Times" das Ergebnis einer intensiven Observierung des Revolutionsführers durch amerikanische und israelische Geheimdienste gewesen.

CIA überwachte Chameneis Aufenthaltsorte

Die CIA habe die Aufenthaltsorte und Gewohnheiten von Ayatollah Chamenei monatelang überwacht. Der US-Geheimdienst habe schließlich dann Kenntnis davon erlangt, dass Chamenei seine höchsten Militär- und Sicherheitsberater für Samstagmorgen auf dem Gelände seines Amtssitzes in Teheran zu einem Treffen einbestellt habe.

Das Treffen würde nicht in einer Bunkeranlage stattfinden, sondern in den oberirdisch gelegenen Amtsräumen, wie das Nachrichtenportal "Axios" meldet. Offenbar ungeachtet der drohenden Kriegsgefahr und des wochenlangen Truppenaufmarschs der US-Streitkräfte in der Region dürfte die iranische Führung geglaubt haben, unentdeckt zu bleiben.

Bericht: Angriffstermin vorverlegt

Die Information über das Treffen Chameneis mit seinem engsten Beraterstab am Samstagmorgen hätte die USA und Israel dazu veranlasst, den Zeitpunkt des gemeinsamen Angriffs auf den Iran vorzuverlegen, wie die "New York Times" unter Berufung auf nicht näher genannte Personen weiter berichtet, die an der Entscheidung beteiligt gewesen seien.

Ursprünglich hätten die Regierungen in Washington und Jerusalem den Angriff in der Nacht durchführen wollen. Stattdessen seien am frühen Morgen mehrere israelische Kampfflugzeuge von ihren Luftwaffenbasen aufgestiegen. Rund zwei Stunden später, um 9:40 Uhr Ortszeit Teheran, hätten die israelischen Kampfpiloten mit Langstreckenraketen das Gelände angegriffen. Auf dem befanden sich die Amtssitze des Revolutionsführers, sowie des Präsidenten und des Nationalen Sicherheitsrats.

Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten sich in einem Gebäude die führenden Mitglieder des Militär- und Sicherheitsapparats aufgehalten, in einem anderen, nahegelegenen Gebäude auf dem Areal Ayatollah Chamenei. Wie die iranische Nachrichtenagentur IRNA am Morgen meldete, sind bei dem Bombenangriff neben dem Revolutionsführer auch der iranische Verteidigungsminister, der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, der Oberbefehlshaber des iranischen Revolutionsgarden, Chameneis Sicherheitsberater sowie weitere Kommandeure der Streitkräfte getötet worden.

Welche Folgen hat der Tod Chameneis?

Bereits vor dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran seien US-Präsident Donald Trump von seinen Geheimdiensten mehrere Varianten vorgelegt worden, welche Kräfte sich innerhalb des Regimes durchsetzen könnten. Wenig wahrscheinlich, so meldeten es in den vergangenen Tagen die "Washington Post" und die "New York Times", sei ein Einlenken des Nachfolgerkreises Chameneis und eine Kursänderung gegenüber den USA und Israel. Vielmehr würde sich aus dem Kreis der Revolutionsgarden ein "Hardliner" durchsetzen, der mit allen Mitteln versuchen würde, das politische Überleben des Regimes zu sichern.

Am Vormittag gab die iranische Nachrichtenagentur den designierten Nachfolger Chameneis bekannt: Ayatollah Alireza Arafi, der 67-jährige stellvertretende Vorsitzende der sogenannten Expertenversammlung. Laut iranischer Verfassung wird der oberste Revolutionsführer aus diesem 88-köpfigen Gremium ausgewählt.

Steht Existenz des Mullah-Regimes auf dem Spiel?

Nach der Tötung der iranischen Führung durch die israelische Luftwaffe stehe die Existenz des Mullah-Regimes auf dem Spiel, analysiert die israelische Tageszeitung "Yedioth Ahronoth". So seien von Teheran bereits zahlreiche sogenannte "rote Linien" überschritten worden, vor denen das Regime bislang zurückgeschreckt sei. Dazu gehöre die Blockade der Straße von Hormus. Auch griffen die iranischen Streitkräfte "Wohngebiete in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten" an, sowie Ziele in Kuwait, Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien. Die Angriffe auf Israel seien aus iranischer Sicht bislang "fehlgeschlagen", schreibt "Yedioth Ahronoth". Zwar würden die iranischen Raketenangriffe die Bevölkerung zwingen, "fast ununterbrochen in Luftschutzbunkern und Schutzräumen auszuharren". Aber Teheran hätte "mehr erhofft".

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