Es ist eines der am häufigsten beantragten Dokumente in Deutschland: Rund fünf Millionen polizeiliche Führungszeugnisse werden laut Bundesjustizministerium im Jahr ausgegeben, 20.000 am Tag. Die digitale Beantragung war schon länger möglich – das Dokument gab es aber nicht digital. Das soll sich nun ändern. Hauptziel: Zeit sparen. Was Sie darüber wissen sollten.
Wer braucht ein polizeiliches Führungszeugnis?
Jeder und jede, die in sensiblen Bereichen – zum Beispiel im Krankenhaus, in der Pflege, im Ehrenamt mit Kindern und Jugendlichen – arbeiten will, braucht ein Führungszeugnis. Auch in sicherheitsrelevanten Bereichen, bei manchem Wachschutz oder bei der Polizei. Arbeitgeber können oder müssen je nach Bereich das Dokument verlangen. Es gibt unterschiedliche Arten von polizeilichen Führungszeugnissen: Sie unterscheiden sich im Umfang der Daten, die darin eingetragen sind.
Welche Arten von Führungszeugnissen gibt es?
Das einfache Führungszeugnis kann etwa vom Arbeitgebern verlangt werden, um zu erfahren, ob der zukünftige Arbeitnehmer vorbestraft ist. Eintragungen wegen geringfügiger Verurteilungen, etwa zu einer Geldstrafe von nicht mehr als 90 Tagessätzen oder zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Monaten, erscheinen darin nicht.
Das erweiterte Führungszeugnis dient dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt. Hier sind Verurteilungen wegen bestimmter Sexual- und Gewaltdelikte eingetragen. Sie sind auch dann zu sehen, wenn es sich um eine einmalige geringfügige Verurteilung handelt.
Das europäische Führungszeugnis wird für Personen ausgestellt, die aus einem anderen EU-Land nach Deutschland zum Arbeiten kommen. Dazu fragt das Bundesamt für Justiz etwaige Einträge im Herkunftsland ab.
Wie kann ich das Führungszeugnis beantragen?
Schon seit 2014 kann man das Führungszeugnis online beantragen. Was danach geschieht, blieb aber unverändert. Das auf speziellem Papier gedruckte Dokument kam per Post aus Bonn zurück an die Antragsteller. Wer online beantragen will, benötigt die eID-Funktion des Personalausweises und die "Ausweis-App2". Doch das Führungszeugnis kann auch künftig schriftlich bei der Meldebehörde beantragt werden: zum Beispiel im Rathaus, Gemeindeamt oder Bürgerbüro.
Wie sieht das Zeugnis in Zukunft aus?
Wer sich gegen die Papierform, die es auch weiterhin gibt, und für den ganz digitalen Weg entscheidet, bekommt: eine PDF-Datei, abzurufen über eine Seite des Bundes. Wer das Dokument dort heruntergeladen hat, kann es – wie jedes PDF – zum Beispiel per Mail verschicken.
Ist das fälschungssicher?
Das Justizministerium sagt: ja. Denn im zukünftigen Dokument soll sich auch ein QR-Code befinden. Wenn man den mit einer weiteren speziellen, aber für jeden verfügbaren Verifikations-App scannt, erhält man die Bestätigung: Dieses Dokument ist echt.
Ab wann gibt es das digitale Führungszeugnisse und was soll es genau bringen?
Jetzt geht das Gesetz in den Bundestag. Ziel ist es laut Bundesregierung das Zeugnis noch im Jahr 2026 vollständig digital auszustellen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) beschreibt den Vorteil des Dokuments mit den Worten: "schnell" und "unkompliziert". Die Betonung dürfte auf schnell liegen, weil Druck und Postweg entfallen. Von weniger Kosten ist allerdings nicht die Rede. Denn die Beantragung auf dem analogen Weg bleibt vorerst – und damit ihre Kosten.
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