Ferda Ataman (r), Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, und Samera Bartsch, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), stellen bei einer Pressekonferenz die Zahlen des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) zu Diskriminierungserfahrungen in Deutschland vor. Das SOEP ist eine der weltweit größten und am längsten laufenden multidisziplinären Panelstudien. Erstmals wurden in der letzten repräsentativen Großbefragung auch Daten zu Diskriminierungserfahrungen erhoben.
Ferda Ataman (r), Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, und Samera Bartsch, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), stellen bei einer Pressekonferenz die Zahlen des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) zu Diskriminierungserfahrungen in Deutschland vor. Das SOEP ist eine der weltweit größten und am längsten laufenden multidisziplinären Panelstudien. Erstmals wurden in der letzten repräsentativen Großbefragung auch Daten zu Diskriminierungserfahrungen erhoben.
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Jeder achte Mensch in Deutschland hat innerhalb eines Jahres Diskriminierung erlebt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage.
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Jeder achte Mensch in Deutschland hat innerhalb eines Jahres Diskriminierung erlebt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage.

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Diskriminierung in Deutschland laut Umfrage weit verbreitet

Diskriminierung in Deutschland laut Umfrage weit verbreitet

Gut jeder achte Mensch erlebt Diskriminierung – das ist das Ergebnis einer großangelegten Befragung, deren Ergebnisse die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes heute vorgestellt hat. Musliminnen mit Kopftuch sind besonders häufig betroffen.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Jeder achte Mensch in Deutschland hat innerhalb eines Jahres Diskriminierung erlebt. Laut einer repräsentativen Untersuchung sind Menschen mit ungerechtfertigter Ungleichbehandlungen häufig auch dort konfrontiert, wo sie als Kundinnen und Kunden unterwegs sind - etwa beim Einkaufen, in der Bank, im Restaurant oder am Eingang zum Club. Das zeigen Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP), einer beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung angesiedelten repräsentativen Wiederholungsbefragung (externer Link), an der sich jährlich etwa 30.000 Menschen bundesweit beteiligen. Im vergangenen Monat hatte bereits eine Studie zu Rassismus in deutschen Institutionen (externer Link) für Aufsehen gesorgt.

Rassismus-Erfahrungen im Alltag

Die Teilnehmer der Befragung waren unter anderem gefragt worden, ob und wenn ja wo sie in den zurückliegenden zwölf Monaten diskriminiert worden seien. Außerdem sollten sie selbst einschätzen, was wohl Hintergrund der Ungleichbehandlung war. 

Die Autoren der Untersuchung weisen darauf hin, dass bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen sei, dass sich die berichteten Diskriminierungserfahrungen auf den Zeitraum zwischen Mai 2021 und Januar 2023 beziehen, als das Leben in Deutschland stark durch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie geprägt war. 

Den Angaben zufolge berichteten insgesamt 13,1 Prozent der Menschen davon, in den zurückliegenden zwölf Monaten Diskriminierung erlebt zu haben. Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, erzählt exemplarisch von einer Frau, die sich im Supermarkt aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert fühlte. Eine Angestellte habe den Kinderwagen der Frau ohne erkennbaren Anlass durchsucht und dies mit den Worten begründet: "Sorry, aber so eine wie Sie hat erst neulich hier geklaut, da muss ich eben sichergehen."

Betroffene: Rassismus wegen ethnischer Herkunft

Eine Gesellschaft, in der sich neun Millionen Menschen als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse fühlten, sei "instabil und anfällig", sagt Ataman. Die Studie zählt als Folgen von Diskriminierung etwa geringere Lebenszufriedenheit, schlechtere Gesundheit, psychische Belastung und ein sinkendes Vertrauen in den Staat auf.

Ataman war im Juli 2022 vom Bundestag für fünf Jahre zur Antidiskriminierungsbeauftragten gewählt worden. Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist eine einmalige Wiederwahl möglich.

Die eigene ethnische Herkunft beziehungsweise rassistische Gründe werden von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen am häufigsten (41,9 Prozent) als Diskriminierungsmerkmal genannt. Gut jeder vierte Betroffene nennt das Aussehen (25,9 Prozent). Aufgrund des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität fühlten sich 23,8 Prozent diskriminiert. 13,9 Prozent der Menschen, die von Diskriminierung berichteten, nannten eine Behinderung oder chronische Krankheit als Diskriminierungsmerkmal.

Besonders Muslime sind Opfer von Rassismus

Von den befragten Muslimen berichteten 28,6 Prozent von Diskriminierung in den letzten zwölf Monaten. Damit ist der Anteil deutlich höher als unter den Nichtmuslimen (10,4 Prozent). Ein besonders hoher Anteil von Betroffenheit findet sich unter muslimischen Frauen, die Kopftuch tragen. Mehr als 38 Prozent der Teilnehmerinnen der Befragung, die dieser Gruppe angehören, wurden demnach nach eigener Einschätzung binnen eines Jahres diskriminiert.

Laut Studie nannten 40,7 Prozent der Befragten mit Diskriminierungserfahrung den Bereich "Güter und Dienstleistungen" als Lebensbereich, in dem sie Diskriminierung erlebt haben. Ähnlich hoch (39,2 Prozent) ist der Anteil jener, die das Arbeitsleben nannten. Auf der Straße kam es demnach bei 41,5 Prozent der Betroffenen zu Diskriminierung, in öffentlichen Verkehrsmitteln bei 20,6 Prozent. 19,5 Prozent derjenigen, die sich ungleich behandelt fühlten, berichteten von entsprechenden Erfahrungen im Umgang mit Ämtern, Behörden und der Polizei.

Das SOEP ist eine der zuverlässigsten und umfassendsten Quellen für sozialwissenschaftliche Forschung in Deutschland. Die hohe Fallzahl von jährlich etwa 30.000 Menschen und die Befragung derselben Personen beziehungsweise Haushalte über mehrere Jahre hinweg ermöglichen Aussagen zu langfristigen Trends. Der Aufwand für Gewichtung, Plausibilitätsprüfungen und Abgleich mit anderen Datenquellen haben zur Folge, dass die Veröffentlichung der Ergebnisse mit Verzögerung erfolgt.

Mit Informationen von dpa, EPD

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