Die Erwartungen waren hoch an die neue Studie: Sie soll ein realistisches Bild liefern, wer in Deutschland wie oft Opfer von Gewalt wird. Zum ersten Mal seit mehr als zwanzig Jahren gibt es damit wieder belastbare Daten über Gewaltformen, die meist nicht in der offiziellen Kriminalstatistik auftauchen.
Fast jede fünfte Frau berichtet über physische Gewalterfahrungen
Das Ausmaß an Gewalt besonders gegen Frauen sei "erschreckend", sagte Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), die den noch von der Vorgängerregierung initiierten Bericht zusammen mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin vorstellte.
Psychische Gewalt tritt der Studie zufolge besonders häufig auf. Fast jede zweite Frau und 40 Prozent der Männer berichten von solchen Erfahrungen. Körperliche Gewalt betrifft demnach im Lauf des Lebens 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer.
Das "Dunkelfeld": Probleme jenseits der Kriminalstatistik
Erst vor kurzem hatte das Bundeskriminalamt über steigende Zahlen berichtet. In der Kriminalstatistik tauchen aber nur die angezeigten Fälle auf. Das reale Problem ist sehr viel größer: Bei Partnerschaftsgewalt werden nur fünf Prozent der Taten angezeigt – aus Scham oder weil Betroffene unter Druck gesetzt werden.
Sexualisierte Gewalt, Stalking und Drohungen im Internet
Deutliche Unterschiede zeigen sich bei sexualisierter Gewalt. Laut der Studie berichteten 62,3 Prozent der befragten Frauen, mindestens einmal im Leben sexuelle Belästigung erlebt zu haben – bei den Männern waren es 28,6 Prozent. Von mindestens einem sexuellen Übergriff sprachen 17,8 Prozent der Frauen und 4,3 Prozent der Männer.
Auch Stalking und der Einsatz von sogenannten K.-o.-Tropfen treffen Frauen deutlich öfter. Ähnliches gilt für digitale Gewalt wie Bedrohungen oder Beschimpfungen im Internet.
Wer besonders häufig betroffen ist
Von Gewalt besonders häufig betroffen sind laut der Dunkelfeldstudie jüngere Menschen. Auch Personen mit Migrationshintergrund sowie Personen, die zur Gruppe der Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten gehören, berichten überdurchschnittlich oft von Gewalt.
💡 Die "Dunkelfeldstudie"
Die Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag" (LeSuBiA) ist ein gemeinsames Projekt der Bundesministerien für Familie und Inneres sowie des Bundeskriminalamts. Ziel ist es, das sogenannte Dunkelfeld zu erfassen, also Vorfälle, die nicht in der offiziellen Kriminalstatistik auftauchen. Dazu befragte das Meinungsforschungsunternehmen Verian rund 15.500 repräsentativ ausgewählte Menschen zwischen 16 und 85 Jahren. Die Studie war noch zu Zeiten der Ampel-Regierung gestartet worden. Die Befragungen begannen im Sommer 2023 und liefen bis Januar 2025.
Mit Informationen des epd
Symbolbild "Häusliche Gewalt"
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

