Die Nachfrage nach Elektroautos ist in Deutschland weiter hoch: Vergangenes Jahr sind gut 545.000 Autos mit reinem Elektro-Antrieb (BEV) neu zugelassen worden. Damit ist etwa jeder fünfte Neuwagen in Deutschland ein E-Auto. Im Vergleich zum Vorjahr ist das laut Kraftfahrtbundesamt (externer Link) eine Steigerung von 43,2 Prozent.
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Bei vielen Vorteilen haben die batterieelektrischen Fahrzeuge aber auch nach wie vor Schwächen, vor allem bei niedrigen Temperaturen. Was Kälte für Reichweite und Ladezeiten bedeutet, haben wir zusammengefasst.
E-Auto: Was im Winter Reichweite kostet
Die Herstellerangaben zu Reichweiten klingen inzwischen verlockend. Auf dem Papier sind auch Entfernungen drin, die längere Fahrten ohne nachzuladen möglich erscheinen lassen. Auch wenn der sogenannte "WLTP-Zyklus" (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) das aktuelle Messverfahren für die Ermittlung von Kraftstoffverbrauch, Reichweite und Emissionen bei Fahrzeugen ist, liegen die realen Reichweiten teils deutlich unter den Werksangaben.
Im Winter kommt hinzu, dass der Akku unterwegs zum Beispiel auch für Klimaanlage, Sitzheizung und andere Komfortfunktionen verwendet wird und somit nicht ausschließlich Energie für die Fahrt liefern kann. Wie sich Fremdverbraucher auf die Reichweite auswirken, hängt aber auch vom Fahrzeughersteller und der Programmierung ab.
Der Verbrauch steigt aber auch bei hoher Zuladung und größerem Luftwiderstand, was beim klassischen Winterurlaub mit der Familie durchaus vorkommt: Der ADAC hat den Mehrverbrauch unterschiedlicher An- und Aufbauten (externer Link) exemplarisch mit einem Fahrzeugmodell ausprobiert – mit einer Dachbox geht der Stromverbrauch demnach um 14 Prozent in die Höhe. Beim Luftwiderstand spielt auch die Geschwindigkeit eine Rolle: Wer also mit der Dachbox langsamer fährt, kommt weiter.
Ladezeiten im Winter
Die Batterieleistung hängt in der Regel stark davon ab, ob der Akku die für seinen Typ ideale Temperatur hat. Deswegen werden die Energiespeicher in der Regel "vorkonditioniert" – also vor der Fahrt oder dem Ladevorgang gekühlt oder beheizt. Das übernimmt in der Regel die Fahrzeugsoftware, kann aber zum Beispiel vor längeren Fahrten zur Steigerung der Effizienz auch manuell erfolgen.
Beim AC-Laden haben niedrigere Temperaturen meist keinen Einfluss auf die Ladedauer, so ein ADAC-Sprecher. "Anders sieht es am Schnelllader (DC) aus. Hier spielt vor allem die Batterietemperatur eine entscheidende Rolle. Gute Ladeleistungen sind nur dann möglich, wenn sich die Batterie in einem bestimmten Temperaturfenster befindet."
Der ADAC hat im Labor eine Autobahnfahrt von München nach Berlin bei winterlichen Temperaturen simuliert (externer Link): Die 582 Kilometer schaffte nur ein Fahrzeug, ohne nachzuladen – ein Mercedes-Benz EQS 450+. Neupreis: über 100.000 Euro.
Verbrenner oder E-Auto: Wer hat im Winter die Nase vorn?
E-Autos erfreuen sich zu Recht großer Beliebtheit, denn in den vergangenen Jahren hat sich technisch, beim Komfort und der Reichweite viel getan. Und auch in der Kostenbilanz werden die Stromer immer besser, auch wenn meistens die Anschaffungskosten noch über denen von Verbrennern liegen.
Vergleicht man die Antriebskonzepte im Winter bei niedrigen Temperaturen nur in Bezug auf die Reichweite, zeigen Verbrenner eine bessere Performance als E-Autos: "Verbrenner sind nicht so temperatursensibel, zudem produzieren sie dank des Motors viel Abwärme, die zum Beispiel zum Heizen des Innenraums verwendet werden kann", erklärt ein ADAC-Sprecher.
Dafür haben fast alle E-Autos eine elektrische Standheizung an Bord, die vorprogrammiert werden und lästiges Eiskratzen erleichtern kann. Und: "Wird das Fahrzeug an der heimischen Wallbox vortemperiert, gibt es zudem keine Reichweiteneinbußen", so der Fachmann vom ADAC.
Dieser Artikel ist erstmals am 18. Januar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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