In dem Skandal um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein steigt der Druck auf den britischen Premierminister Keir Starmer: Zum Verhängnis werden könnte ihm, dass er einen Epstein-Vertrauten zum Botschafter in den USA gemacht hat.
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Starmer zum Rücktritt aufgefordert
Der Chef der Labour-Partei in Schottland, Anas Sarwar, rief Starmer zum Rücktritt auf. Er ist der bislang ranghöchste Parteifreund Starmers, der dem Premier die Unterstützung entzieht. Mehrere Minister stellten sich hingegen hinter den Regierungschef, dem britische Medien den "dunkelsten Tag" seit Amtsantritt im Juli 2024 bescheinigten.
Auch für die Royals wird die Verwicklung des jüngeren Bruders von König Charles III., Ex-Prinz Andrew, in den Missbrauchsskandal immer unangenehmer. "Die Führung in der Downing Street muss ausgetauscht werden", sagte Sarwar bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Glasgow. Starmer sei "ein anständiger Mann", räumte Sarwar ein. Es gebe gute Bemühungen, diese würden aber untergehen.
Starmer will nicht zurücktreten
Starmer ließ die Forderung von einem Sprecher zurückweisen. Der Premier habe ein "klares Mandat für fünf Jahre vom britischen Volk, um Wandel herbeizuführen und das ist, was er tun wird", so der Sprecher. Zeitgleich mit der Rücktrittsforderung in Glasgow stellten sich zahlreiche Minister der Labour-Regierung hinter ihren Premier. Unterstützung kam unter anderem auch von Verteidigungsminister John Healey und Außenministerin Yvette Cooper. Zuvor waren sowohl Starmers engster Vertrauter in der Regierung, Stabschef Morgan McSweeney, als auch Kommunikationschef Tim Allan von ihren Posten zurückgetreten.
Hat Mandelson Informationen an Epstein weitergegeben?
Die brenzlige Situation, in der sich Großbritanniens Regierungschef Starmer nun befindet, hat er dem Labour-Veteranen und früheren Wirtschaftsminister Peter Mandelson zu verdanken, den er kurz nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump zum Botschafter in Washington ernannt hatte.
Mandelson hatte enge Verbindungen zu Epstein, wie die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten beweisen. Dass Mandelson auch nach Epsteins Verurteilung wegen der Prostitution einer Minderjährigen den Kontakt gehalten hatte, war Starmer bekannt, wie er kürzlich eingestehen musste. Während seiner Zeit als Wirtschaftsminister unter Ex-Premier Gordon Brown soll Mandelson mitten in der Finanzkrise sogar marktrelevante Informationen an den US-Investor verraten haben. Die Polizei ermittelt bereits in der Sache.
Der 2019 gestorbene US-Multimillionär Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Ermittlungen gegen Ex-Prinz Andrew
Auch vor dem Buckingham-Palast macht der Epstein-Skandal nicht halt. So brachten die Epstein-Akten weitere problematische Informationen über den jüngeren Bruder von König Charles, Ex-Prinz Andrew, ans Licht.
Der hatte wegen seiner engen Verbindungen zu Epstein und Missbrauchsvorwürfen durch eines der Opfer im Laufe der Zeit sowohl seine Rolle als offizieller Vertreter des Königshauses als auch alle Ehren, militärische Ränge und Titel verloren. Andrew stritt die Vorwürfe stets ab, doch zuletzt wurde ihm von Charles sogar der durch Geburt erworbene Titel "Prinz" aberkannt. Er heißt nun nur noch Andrew Mountbatten-Windsor. Zudem musste er aus dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen und muss nun auf einem anderen Anwesen, in Sandringham leben.
Prinz William und Prinzessin Kate "zutiefst besorgt" über Enthüllungen
Britische Medien entdeckten nun in den Epstein-Akten E-Mails, die nahelegen, dass Andrew in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an Epstein weitergeleitet haben könnte. Darunter etwa Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur. Ob sich Andrew damit strafbar gemacht haben könnte, war zunächst unklar. Die für seinen früheren Wohnort Windsor zuständige Polizeibehörde Thames Valley Police teilte laut der britischen Nachrichtenagentur PA mit, sie prüfe die Vorwürfe.
Prinz William und Prinzessin Kate bezogen erstmals öffentlich Stellung in der Angelegenheit. "Ich kann bestätigen, dass der Prinz und die Prinzessin über die anhaltenden Enthüllungen zutiefst besorgt sind", sagte ein Sprecher des Kensington-Palasts mehreren Medienberichten zufolge. "Ihre Gedanken sind weiterhin bei den Opfern", heißt es weiter.
Mit Informationen von dpa
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