Tomiko Itooka: Nicht mehr die älteste Frau der Welt
Tomiko Itooka *23. Mai 1908 † 29. Dezember 2024
Die erste Todesnachricht, die uns 2025 erreicht, stammt von Ende 2024: Die älteste Frau der Welt hat ihr Pflegeheim im südjapanischen Ashiya für immer verlassen. Tomiko Itooka (üb)erlebte zwei Weltkriege, bestieg zweimal den 3.067 Meter hohen Berg Ontake, managte als Witwe jahrzehntelang die Textilfabrik ihres Mannes. Leibspeise: Calpis, ein Joghurtdrink.
Dass Itooka Japanerin war, überrascht nicht. Das Land ist alt geworden. Mehr als 95.000 Menschen sind älter als 100 Jahre, 88 Prozent davon Frauen. Freilich: kein Titel wird posthum so schnell aberkannt wie "ältester lebender Mensch der Welt". Tomiko Itooka hat ihn an eine Brasilianerin vererbt, die 16 Tage nach ihr zur Welt kam und bei Redaktionsschluss 117 war.
Jean-Marie Le Pen: Le Patron - ganz rechts im Bild
Jean Louis Marie Le Pen * 20 Juni 1928 † 7 Januar 2025
Mangelndes Durchhaltevermögen kann man dem Fischerssohn, Fallschirmjäger und Fremdenlegionär aus der Bretagne, der sich 1972 als Gründer des rechtsextremen "Front National" in die Geschichtsbücher schrieb, nicht vorwerfen: Fünf Mal trat Jean-Marie Le Pen bei Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. Beim vierten Mal, 2002, scheiterte er erst in der Stichwahl.
Vorwerfen kann man ihm Aussagen wie diese: Die NSDAP sei "demokratisch" gewesen, "weil sie aufgrund regulärer Wahlen siegte", der Holocaust ein "Detail" in der Weltkriegsgeschichte. Schlagzeilen machte ein HJ-Fahrtenmesser, mit dem 1957 ein algerischer Familienvater gefoltert wurde und auf dem Le Pens Name eingraviert war; seine Klage gegen die "Le Monde"-Recherche (externer Link) dazu blieb 2012 erfolglos.
Seine Karriere war da ohnehin beendet. Dass sein Name nicht vergessen wird, dafür sorgt seine Tochter Marine, die ihn einst entmachtete. 2027 die erste Präsidentin Frankreichs?
Papst Franziskus I.: Ein Papst für die Vergessenen
Jorge Mario Bergoglio * 17. Dezember 1936 in Buenos Aires † 21. April 2025
Als erster Lateinamerikaner erklomm Jorge Mario Bergoglio 2013 den Stuhl Petri, nachdem sein bayerischer Vorgänger Benedikt XVI. in einem historischen Schritt zurückgetreten war. Der erste Papst, der den Namen Franz von Assisis annahm, machte vieles anders als sein(e) Vorgänger. Demonstrativ fuhr Franziskus bei Staatsbesuchen im Kleinwagen vor, lebte Bescheidenheit, appellierte an die Kirchenvertreter, sich um Benachteiligte kümmern.
"Für mich sind es die Armen, die im Zentrum des Evangeliums stehen. Ich habe jemanden sagen hören: Der Papst ist ein Kommunist. Nein! Das ist eine Nachricht des Evangeliums, nicht des Kommunismus. Die Armen stehen im Zentrum der Verkündigung Jesu."
Seine Themen - Kampf gegen Missbrauch, Ökumene, Umweltschutz - propagierte er auf modernsten Kanälen, was ihm den Beinamen Social-Media-Papst einbrachte - auch wenn er die Modernisierung der Kirche nicht so weit vorantrieb, wie viele gehofft hatten. Franziskus starb am Ostermontag an den Folgen eines Schlaganfalls.
Margot Friedländer: Die letzte Zeugin (103)
Anni Margot Bendheim, verheiratete Friedländer * 5. November 1921 - gestorben 9. Mai 2025
1921 kam Margot Friedländer in einer jüdischen Berliner Familie zur Welt. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden in Auschwitz ermordet. Sie selbst konnte untertauchen, wurde dann gefasst und ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.
Sie überlebte - und kehrte als 88-jährige Emigrantin aus New York nach Deutschland zurück, wo sie sich vor allem im Austausch mit Jugendlichen unermüdlich für Demokratie und gegen Ausgrenzung engagierte. Denn, so ihr Credo: Geschehenes könne man nicht ändern - "aber es darf nie wieder geschehen."
"Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Wir sind alle gleich – seid Menschen!"
Brian Wilson: Die Zweitstimme Gottes
Brian Douglas Wilson * 20. Juni 1942 † 11. Juni 2025
War Brian Wilson, dessen Musik Millionen Menschen glücklich machte, selbst ein glücklicher Mensch? Ja. Aber nur, wenn er diese Musik machte - was man auf Studioaufnahmen [Youtube] sehen kann.
Ansonsten: Angst. Zu viel davon. Furchterregend schon der dominante Produzentenvater: "Murray Wilson hatte ein Glasauge, das zur Seite schaute, und eine Pfeife, aus der dauernd Flammen schlugen", erinnert sich Studiogitarrist David Marcks. Wenn die Brüder auf ihre Surfbretter flohen, blieb der Ober-Beach-Boy zurück: "Meine Abneigung gegen Wasser ist zu stark." Später, als Popstar, ließ er zentnerweise Sand in sein Haus schaufeln, um sich am Strand zu fühlen, ohne das Haus zu verlassen.
Mädchen fand er schön, aus der Ferne, und von Nahem seine beiden Frauen Marilyn (geschieden) und Melinda (2024 gestorben). Und natürlich seine Musik; aber nie so schön wie die seiner unerreichbaren Idole, Bach und die Beatles. Später, als die Musikwelt sich weiter gedreht hatte, ging er doch ganz gern auf Tour, lächelte ins Publikum. Man hofft, dass er in seiner letzten Stunde wusste, um wie viel ärmer die Welt ohne ihn gewesen wäre.
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