"Driving home for Christmas / With a thousand memories": Zwei Tage vor Weihnachten ist auch noch Chris Rea gestorben, der Mann mit den Slidegitarrenhänden und der immer schon altersweise klingenden Stimme. An einige der vielen Toten dieses Jahres erinnern wir hier - sowie in Teil 1 unserer kleinen Nachrufe.
Ozzy Osbourne: Heavy-Metal-Pionier mit Lust zur Provokation
John Michael "Ozzy" Osbourne * 3. Dezember 1948 † 22. Juli 2025
1982, kurz vor Schulbeginn: "Hobs scho ghead? Da Ozzy hod a Fledermaus an Kopf obbissn. Mittn auf da Bühne!" Versehentlich, erfuhr man später; Ozzy Osbourne hatte das Tier für eines der damals beliebten Gummigruseltiere gehalten. Ab da war der "Prince Of Darkness" auch Nicht-Heavy-Fans bekannt, als eine Mischung aus Hui Buh und Pumuckl für die etwas Älteren. Hauptsächlich aber war er einer der Paten des Heavy Metal.
Mit harten Gitarrenriffs und dunklen Texten prägten Black Sabbath aus der Industriestadt Birmingham den Musikstil. Als Solokünstler wurde Ozzy Osbourne mit seiner markanten Stimme einer der berüchtigtsten Rocksänger der Musikgeschichte. Die MTV-Reality-Show "The Osbournes" machte ihn endgültig zur Kultfigur. Osbourne starb am 22. Juli mit 76 Jahren im englischen Jordans.
Giorgio Armani: Italiens Fürst der Mode
Giorgio Armani * 11. Juli 1934 in Piacenza; † 4. September 2025
Mode. Schmuck. Parfums. Hotels. Edel, teuer, lässig, schlicht: Giorgio Armani galt als letzter großer Mode-, besser: Lifestyle-Schöpfer mit unverkennbarem Stil. Der "Principe della Moda" erfand das Sakko neu und machte das T-Shirt zum Anzug salonfähig. Er kleidete Hollywood-Größen wie Richard Gere, Kevin Costner und Leonardo DiCaprio für die Leinwand ein.
"Eleganz heißt nicht, ins Auge zu fallen, sondern im Gedächtnis zu bleiben." Giorgio Armani
Hätte sein Studium ihm zugesagt, wäre er als Zahnarzt von uns gegangen. Stattdessen arbeitete sich Armani vom Schaufensterdekorateur zum Boutiquen-Chefeinkäufer empor, entwarf Anzüge für Cerruti. Anfang der 1970er machte er sich selbständig, gründete mit seinem Lebensgefährten Sergio Galeotti die Giorgio Armani SpA: Keimzelle eines Konzerns, der heute Milliarden wert ist. Armani starb in der Stadt, die ihn prägte, und wo er mit Unterbrechungen neun Jahrzehnte lang lebte - in Mailand.
Robert Redford: Der Leinwandflüsterer
Charles Robert Redford, Jr. * 18. August 1936 † 16. September 2025
Er brauchte keinen Armani-Anzug, um gut auszuschauen, und wenig schauspielerischen Aufwand, um zu überzeugen: Robert Redford war eine Kino-Autorität. Sein Durchbruch gelang ihm mit der Westernkomödie "Zwei Banditen" (1969) an der Seite von Paul Newman, deren Erfolg fünf Jahre später durch "Der Clou" getoppt wurde. Unvergessen auch "Die Unbestechlichen", "Jenseits von Afrika" und "Der Pferdeflüsterer".
In den Rocky Mountains gründete der Hollywood-Rebell 1980 das Sundance Institute, um junge, kritische Stimmen im Filmgeschäft zu fördern; 1984 rief er das alljährliche Sundance-Festival ins Leben, das die USA immer wieder auch für deutsche Filme wie "Lola rennt" aufschloss.
Die Kessler-Zwillinge: Das doppelte Flottchen
Alice und Ellen Kessler (eigtl. Kaessler) * 20. August 1936 † 17. November 2025
2:0 für die Frauen - und das zu Adenauers Zeiten: während Deutschlands Nachkriegs-Show-Männer international allenfalls als Leinwand-Nazis reüssierten, zählten "Fräuleinwunder" zu den Exportschlagern der Bundesrepublik: die Elke (Sommer), die Karin (Dor) - and first of all the Kessler Twins. Zwei tanzende, singende Mädchen, die, um ihrem gewalttätigen Vater zu entkommen, im Pariser Lido unter- und ausschlüpften. Vom Varieté flatterten sie, schillernd und leicht und untrennbar wie die Flügel eines Schmetterlings, zum Broadway, auf die Bühnen von Vegas, Hongkong und - bevorzugt - Rom. Ihre Bühnenpartner: Sinatra, Belafonte, Marcello Mastroianni. Welche sie alle überlebten. Erfolgsgeheimnis der niemals verheirateten Schwestern:
"Disziplin. Jeden Tag. Dankbarkeit. Immer wieder. Demut statt Übermut. Und Zweisamkeit. Bis in den Tod." Alice und Ellen Kessler
Sie starben, wie sie zur Welt gekommen waren: am gleichen Tag, im Münchner Promi-Vorort Grünwald, durch "assistierten Suizid".
Rob Reiner: Virtuose der Romantischen Komödie
Archivbild: Rob Reiner und Michele Reiner, Februar 2025 in New York
Lange sah es aus, als passe Reiners Leben gut in die "RomComs", für die er berühmt wurde. Das begann damit, dass er fürchtete, sein Vater, Komiker Carl Reiner, finde ihn unlustig - wogegen er kräftig anarbeitete: Als Darsteller des widerspenstigen Sohns im Comedy-Klassiker "All in the Family" - Vorbild für "Ein Herz und eine Seele" - , dann als zeitweise gefragtester Komödien-Regisseur Hollywoods und Mitgründer der Produktionsfirma Castle Rock Entertainment ("Seinfeld"). Dann der Running Gag, dass Reiner permanent für Filmpreise nominiert wurde, aber nur zwei Emmys erhielt. Und, dass er seine spätere Ehefrau am Set von "Harry & Sally" kennenlernte – und daraufhin dem Drehbuch ein Happy Ending verpasste.
Umso furchtbarer das Ende des Ehepaars Reiner – eine Kriminalgeschichte der schlimmsten Sorte, deren Ausgang noch nicht feststeht.
- Die bayerischen Toten des Jahres finden Sie hier.
- Weitere Nachrufe des Jahres 2025: Schauspieler Horst Janson, Altbundespräsident Horst Köhler, die Rock'n'Roll-Chansonette Marianne Faithfull, Ex-Innenminister Gerhart Baum, Rosenstolz-Sängerin Anna R., Film-Ikone Claudia Cardinale, "Batman" Val Kilmer, Nobelpreis-Literat Mario Vargas, "Nagelkünstler" Günther Uecker, Ex-DGB-Chef Michael Sommer, Reggae-Legende Jimmy Cliff, der deutsche Hollywood-Star Udo Kier, Schimpansenforscherin Jane Goodall, Zeichner Helme Heine, Filmemacher Rosa von Praunheim, Architekt Frank Gehry, Blues- und Popmusiker Chris Rea.
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