Die Bauern wünschen sich eine Erhöhung des EU-Agrarbudgets
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Symbolbild: Helfen höhere EU-Agrarhilfen die Ernährungssicherheit zu verbessern? Eine NABU-Studie stellt das infrage.
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Symbolbild: Helfen höhere EU-Agrarhilfen die Ernährungssicherheit zu verbessern? Eine NABU-Studie stellt das infrage.

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Ernährungssicherheit: Was bringen die EU-Agrarhilfen?

Ernährungssicherheit: Was bringen die EU-Agrarhilfen?

Bei den laufenden Verhandlungen zum EU-Agrarbudget wirbt der Bundeslandwirtschaftsminister für mehr Geld mit dem Argument, die Ernährung müsse gesichert werden. Eine neue NABU-Studie stellt diesen Zusammenhang infrage.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Genug Getreide, Fleisch und Milch aus heimischer Produktion – um die Lebensmittelversorgung sicher zu stellen, brauche es ausreichend finanzielle Unterstützung für die Landwirtschaft. Dieses Argument hört man in letzter Zeit häufig bei Agrarpolitikern, Bauernvertretern und dem Bundeslandwirtschaftsminister.

Die EU verhandelt über die Finanzplanung ab 2028. Ein großer Posten ist das Agrarbudget. Wie viel Geld dafür eingeplant werden soll, wird intensiv diskutiert. Eine Studie des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) hat untersucht (externer Link), wie sinnvoll die EU-Agrarhilfen für die Ernährungssicherheit sind. Das Ergebnis: Die Agrarzahlungen hätten kaum Auswirkungen auf die Produktionsmengen.

Ringen um EU-Agrarbudget

Aus dem EU-Agrartopf fließen jährlich 6,2 Milliarden Euro nach Deutschland. Einen großen Teil der Gelder bekommen die Landwirte als sogenannte Direktzahlungen - ein mit Auflagen verknüpfter Betrag für jeden Hektar Land, den sie bewirtschaften. Der NABU hat ausrechnen lassen, was passiert, wenn man die Agrarhilfen komplett oder teilweise abschafft.

Für die Studie wurden mit dem anerkannten agrarökonomischen Simulationsmodell CAPRI verschiedene Szenarien durchgerechnet. Was passiert, wenn die EU-Agrarhilfen komplett abgeschafft werden? Was, wenn die Direktzahlungen wegfallen, also deutlich weniger Geld verteilt wird?

Wenig Auswirkungen auf Produktionsmengen

Das Ergebnis: In Deutschland würde etwas weniger produziert werden als bisher. Beim Getreide zum Beispiel ginge die Erntemenge je nach Szenario um 1,5 bis 2,8 Prozent zurück. Bei Fleisch gebe es ein Minus von bis zu 0,75 Prozent. Die Menge an Milch bliebe beinahe unverändert. Für NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger zeigt die Studie, "wie schlecht die Argumentation aus der Politik ist, dass die Agrar-Subventionen gebraucht werden, um unsere Ernährung abzusichern."

Einschneidend wären die Auswirkungen bei Wiesen und Weiden, dem sogenannten Grünland. 19 Prozent würden deutschlandweit nicht mehr bewirtschaftet, weil sich das für die Landwirte dann nicht mehr lohne. Die regionalen Unterschiede sind dabei groß. In Bayern würde laut Studie Schwaben am wenigsten Grünland verlieren (8 Prozent) und Oberfranken am meisten (38 Prozent).

Wegfall von Grünland für Ernährungssicherheit verkraftbar

Dass so starke Rückgänge trotzdem in den Berechnungen keine Auswirkungen auf die erzeugte Milchmenge haben, erklären die Studienautoren damit, dass rechnerisch vor allem Flächen aus der Nutzung fallen, die eher wenig Ertrag bringen. Außerdem würden mit dem Wegfall der Förderung auch Auflagen wegfallen. Das Modell rechnet damit, dass viele Landwirte intensiver produzieren würden und zum Beispiel auch der Bio-Anteil zurückgehe.

Um die Ernährung zu sichern, wäre der Wegfall dieses Grünlands demnach verkraftbar. Für das Landschaftsbild und für den Naturschutz wäre es allerdings schmerzhaft, denn die Wiesen können wertvolle Biotope sein. Deshalb will auch NABU-Chef Krüger die Agrarhilfen erhalten, aber anders verteilen, und fordert die Landwirte stärker für gesellschaftliche Leistungen wie Boden-, Umwelt- und Klimaschutz zu entlohnen.

Bauernverband: Viele Betriebe müssten schließen

Agrarökonom Alfons Balmann vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung hat nicht an der Studie mitgewirkt. Er hält die Ergebnisse für "nicht unplausibel". Allerdings sage die Studie nichts darüber, was kurzfristig mit den Betrieben passiert, wenn plötzlich ein Großteil der Gelder wegfällt, kritisiert Balmann.

Der Bauernverband fürchtet für die Höfe drastische Auswirkungen. Bauernpräsident Joachim Rukwied kritisiert deshalb die Berechnungen als sehr theoretisch und praxisfern. "Ein Ausstieg, was die Direktzahlungen anbelangt, würde zu einem Exitus vieler familiengeführter Betriebe in Deutschland, aber auch in Europa führen", sagt Rukwied im Interview mit BR24.

Kein Ende der Direktzahlung

Von der Bundesregierung wünscht sich der Bauernpräsident mehr Einsatz bei den Verhandlungen fürs EU-Agrarbudget. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will auf EU-Ebene vor allem Geld in Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit stecken und hält den bisherigen Vorschlag für den kommenden EU-Finanzrahmen für unbezahlbar. Die Landwirte könnten in Zukunft weniger Geld bekommen als bisher. Ob Agrarminister Rainer noch eine Aufstockung der Gelder erreichen kann, ist ungewiss.

Sein Ministerium betont, dass ein Ende der Direktzahlungen nicht im Raum stehe. "Entsprechend wäre es nicht sachgerecht, aus einem politisch nicht vorgesehenen Szenario Schlussfolgerungen für die künftige Produktion oder den Strukturwandel abzuleiten", schreibt das Ministerium.

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