Den beiden großen Kirchen laufen die Mitglieder davon. Weniger Mitglieder bedeuten auch weniger Kirchensteuerzahler. Da überrascht die aktuelle Bilanz der Evangelischen Kirche in Deutschland: 6,09 Milliarden Einnahmen aus Kirchensteuern im Jahr 2025. Das Netto-Gesamtaufkommen stieg also im Vergleich zu 2024 um zwei Prozent. 2024 hatte das Aufkommen noch bei 5,97 Milliarden Euro gelegen. Mehr Kirchensteuereinnahmen also trotz sinkender Mitgliedszahlen. Wie geht das?
Weniger Mitglieder und trotzdem mehr Geld
Dahinter steckt nicht etwa eine wundersame Geldvermehrung und auch keine plötzliche Trendumkehr bei den Kirchenaustritten. Die Mehreinkünfte erklären sich dadurch, dass die Kirchensteuer an die Einkommensteuer gekoppelt ist. Je nach Bundesland zahlen die Kirchenmitglieder acht oder neun Prozent der Einkommensteuer an ihre Kirche. Die Einkommensteuer steigt langfristig gesehen proportional zu den Löhnen.
Höhere Löhne, mehr Zinsen - mehr Kirchensteuern
Ebenso steigt die Kapitalertragssteuer auf Zinsen oder Dividenden. Auch auf diese Einkünfte wird Kirchensteuer erhoben. Wenn also die verbleibenden steuerzahlenden Mitglieder mehr verdienen, sei es aus Arbeit oder aus Kapitalerträgen, kurbelt das die Kirchensteuereinnahmen an. Im Moment übersteigt dieser Effekt noch den Schwund an Steuereinnahmen durch die Kirchenaustritte und die verstorbenen Mitglieder. Langfristig wird aber erwartet, dass das Ausbleiben der Kirchensteuereinnahmen nicht mehr abgepuffert werden kann und die Kirchen weniger Geld zur Verfügung haben werden.
Die katholische Bischofskonferenz Deutschlands will ihre Bilanz erst im Sommer vorlegen.
Mit Informationen von epd und KNA.
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