Der Iran und die USA haben vor gut einer Woche ein Rahmenabkommen geschlossen, einen Fahrplan für die nächsten zwei Monate, um in dieser Zeit zu einem Abkommen nach dem Ende Februar begonnenen Krieg zu kommen. Das alte Regime ist im Iran weiter an der Macht, verhandelt jetzt sogar aus einer starken Position heraus mit den USA und geht parallel mit großer Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vor. Die Zahl der Hinrichtungen steigt, Regimekritiker werden verfolgt, gefoltert und ermordet.
Trump und die Mullahs in einem Boot
Fassungslosigkeit sei angesichts dieser Lage das vorherrschende Gefühl bei vielen der Menschen im Iran, die dem Regime kritisch gegenüberstehen und zu denen er Kontakt habe. So beschreibt es der Schriftsteller Navid Kermani im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Navid Kermani, dessen Eltern aus dem Iran stammen, erzählt, dass es viele Iranerinnen und Iraner gar nicht glauben könnten, wie die Dinge jetzt gelaufen seien. Es gebe zahlreiche Witze, die kursierten, und Karikaturen, die Trump und das Regime in einem Boot zeigten.
Als er das erzählt, lacht Kermani kurz sarkastisch auf und unterstreicht damit, dass auch er es nicht richtig fassen kann, dass das alte Regime in Teheran nun wohl fester im Sattel sitzt als vor dem Krieg. Das schreibt er dem Verlauf des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran zu. Die USA hätten zum zweiten Mal unfreiwillig das Regime in Teheran gerettet. Das erste Mal sei 2003 gewesen, als die USA Krieg gegen den Irak führten und so möglich machten, dass der Iran seine Vormacht im Nahen Osten ausbauen konnte.
Krieg habe das Regime zum zweiten Mal gerettet
Der jetzige Krieg Israels und der USA gegen den Iran habe das Regime ein zweites Mal gerettet. Auch, weil US-Präsident Trump sein Versprechen gegenüber den Regimekritikern nicht eingehalten habe. "Help is on the way", hatte Trump den Demonstranten auf den Straßen der iranischen Städte versprochen und sie per Social Media sogar aufgefordert, ihre Proteste fortzusetzen. Das Regime reagierte mit äußerster Brutalität. Zehntausende bezahlten den Widerstand gegen die Mullahs mit dem Leben. Denn Hilfe kam nur aus der Luft. Zwar wurde unter anderem der Oberste Führer Ajatollah Chamenei getötet, doch sein Sohn ist inzwischen an dessen Stelle gerückt, die Hardliner haben sich behauptet.
Für Kermani sei es absehbar gewesen, dass dieser Krieg ein "Fiasko" werde. Ein Krieg, gegen den er sich von Anfang an gestellt hat. Anders als viele Iranerinnen und Iraner, die durch die Bombardierungen auf ein Ende des Regimes gehofft hatten und heute vor allem kritisieren, dass er nicht zu Ende geführt worden sei.
Unrühmliche Rolle Europas
Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2015 fragt sich heute, warum von keinem der Politiker, die den Krieg anfangs befürworteten und unterstützten, nun nicht wenigstens ein Wort des Bedauerns komme und das Eingeständnis, dass die Strategie falsch gewesen sei. Auch Europa spiele dabei eine unrühmliche Rolle, weil es sein wirtschaftliches Gewicht und sein Ansehen nicht einbringe. Es fehle der EU, so Kermani, an einer konsistenten Außenpolitik.
"Verzweifelte Hoffnung" auf friedliche Entwicklung
Trotz der Bitterkeit seiner Analyse will der Schriftsteller die Hoffnung nicht aufgeben. Er sei sich bei aller gerade herrschenden Resignation im Iran sicher, dass die Menschen dort auch künftig ihre Unzufriedenheit zeigen werden. Moderate, regimenahe Iraner, mit denen er in Kontakt stehe, beteuerten ihm gegenüber, das Regime könne nicht weiter mit so viel Gewalt wie bisher agieren. Navid Kermani räumt ein, es sei eine "verzweifelte Hoffnung".
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