Im Februar vergangenen Jahres steht Uri Poliavich auf einer Bühne. Wie so oft trägt der Gründer von Soft2Bet eine Baseballkappe, dazu einen blauen Blouson. Die von Poliavich und seiner Frau 2020 gegründete Yael Foundation lädt jährlich zu einem großen Treffen – mal auf Zypern, mal in Wien. Bei einer dieser Feiern richtet sich der in der Ukraine geborene Poliavich an das Publikum: "Danke, dass ihr alle gekommen seid, um das wichtigste zu feiern, was wir als Juden haben: Bildung!" So ist es in einem kurzen Video zu sehen, das die Yael Foundation über die sozialen Medien verbreitet hat.
Die Firma des Stiftungs-Gründers Uri Poliavich ist in der Glücksspielbranche eine Größe. Soft2Bet tritt am Markt unter anderem mit elf eigenen Casino-Marken und als technischer Dienstleister für Gambling-Seiten auf.
Für die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist Soft2Bet deswegen ein "Zwischenakteur". Nach Recherchen des BR mit internationalen Partnermedien (u.a. Investigate Europe) ist Soft2Bet noch deutlich mehr – die Firma verdient an zahlreichen illegalen Online-Casinos mit. Rund 120 der Casinos, die Soft2Bet und seinen Partnern zuzurechnen sind, haben nicht die für Deutschland notwendige Lizenz, dennoch sind sie hierzulande problemlos erreichbar.
Stiftungs-Budget auch aus Erlösen illegaler Casinos?
Das Geschäftsmodell von Soft2Bet ist offenbar höchst lukrativ: Den Recherchen zufolge haben Soft2Bet und seine Partner in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro aus Geschäften mit illegalen Casinos erhalten. Auf Anfrage der Medienkooperation teilt Soft2Bet mit, das Rechercheteam habe die Geschäfts- und Konzernstruktur falsch und irreführend interpretiert.
Soft2Bet-Gründer Uri Poliavich stellt nach eigenen Angaben auch das Geld für seine Yael Foundation zur Verfügung. In einem Imagefilm sagt er: Die Yael Foundation sei der Antrieb für sein Geschäft. Auf Anfrage schreibt die Yael Foundation, sie gebe als Privat-Stiftung keine Auskunft über ihre Struktur und die Art ihrer finanziellen Förderung.
113 Bildungseinrichtungen weltweit gefördert – auch in Deutschland
Laut ihrer Webseite hat die Foundation bis jetzt 113 jüdische Grund- und Sonntagsschulen sowie Kindergärten in mehr als 40 Ländern mit 42 Millionen Euro unterstützt – von Australien bis Brasilien, von den USA bis Neuseeland.
Davon haben offenbar mehrere Einrichtungen in Deutschland profitiert, insbesondere Sonntagsschulen, die zur orthodoxen Chabad-Strömung gehören. Nach Angaben der Stiftung wurden acht Einrichtungen unterstützt, jeweils zwei in Bayern und Hessen, außerdem Schulen in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Sachsen. Zudem bedankte sich eine Schule aus Hamburg in einem Social-Media-Post für die Unterstützung durch die Yael Foundation.
Der BR hat alle Schulen gefragt, ob ihnen die Verbindung der Stiftung zu Soft2Bet und zu Glücksspiel bekannt ist. Trotz mehrerer E-Mails und telefonischer Nachfragen wollte sich keine der Institutionen dazu äußern – von einer Einrichtung abgesehen. Sie hat nach eigenen Angaben von der Yael Foundation 2025 und 2026 jeweils 20.000 Euro erhalten.
Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern teilte auf Anfrage mit, "dass wir Ihnen zu den eingesandten Fragen konkret keine Auskünfte erteilen können". Der Zentralrat der Juden lehnte ebenfalls eine Stellungnahme zur grundsätzlichen Einschätzung der Yael Foundation ab.
Grußwort von Israels Staatspräsident
Ihren Sitz hat die Yael Foundation auf Zypern und in Israel. Im Februar postete die Organisation bei Facebook und Instagram ein Grußwort, das Israels Staatspräsident Isaac Herzog anlässlich einer Preisverleihung der Yael Foundation aufgezeichnet hat. Herzog lobte unter anderem die "große Kraft der Bewegung". Auf mehrfache Anfrage der internationalen Medienkooperation äußerte sich das Präsidialamt in Jerusalem nicht dazu.
"Whitewashing" mit Hilfe der Stiftung?
Der BR hat den Münchner Rechtsanwalt Istvan Cocron, der sich seit Jahren mit illegalem Glücksspiel beschäftigt, um die Prüfung interner Firmendokumente von Soft2Bet gebeten. Ihm drängt sich der Eindruck auf, die Yael Foundation betreibe "Whitewashing".
Konrad Landgraf von der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern sagt im BR-Interview: Viel Geld, das Glücksspielanbieter verdienten, komme von Glücksspielsüchtigen. "Sich dann an anderer Stelle als Wohltäter auszugeben, da habe ich überhaupt kein Verständnis dafür."
In ihrer Antwort auf die Medienanfrage kritisiert die Yael Foundation eine "Desinformationskampagne". Es handele sich um den Versuch, dem Ruf der Stiftung zu schaden. Sämtliche ihrer Aktivitäten seien unter strikter Einhaltung der geltenden Gesetze und Vorschriften erfolgt. "Wir freuen uns darauf, unser Engagement in allen Regionen, in denen wir tätig sind, fortzusetzen."
Über die Recherche
Dieser Artikel ist Teil der "Soft2bet Files", einer internationalen Recherche über die Glücksspielindustrie, die von Investigate Europe koordiniert wird. Medienpartner des Projekts sind der Bayerische Rundfunk, France 2, Franceinfo.fr, The Irish Times, Il Fatto Quotidiano, Svenska Dagbladet, Shomrim, The Toronto Star, Le Soir, Profil, Publico.es, Publico.pt, Reporters United, Ciren und die Times of Malta.
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