Der Luftraum gesperrt, Schiffe gestoppt: Mehr als 30.000 Deutsche sitzen in den Staaten am Persischen Golf fest, weil die Wege nach Hause dicht sind. Bundesaußenminister Wadephul hatte ihnen noch am Sonntag nur wenig Hoffnung auf baldige Hilfe gemacht. Das hat sich nun geändert – manche von ihnen könnten schon bald nach Deutschland zurückkehren.
Kranke, Schwangere und Kinder zuerst
"Ich bin guter Dinge, dass das nach und nach gelingt", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul am Montagabend im ZDF-"heute journal". Zunächst sollen Kranke, Kinder und Schwangere aus der Konfliktregion zurückgeholt werden. Die Bundesregierung will dazu gecharterte Maschinen in die Hauptstädte von Saudi-Arabien, Riad, und dem Oman, also Maskat, schicken.
Dies sei das Mittel zweiter Wahl, sagte Wadephul weiter. Zunächst seien die Reiseverkehrsunternehmen gefragt. "Und an dritter Stelle, wenn all das nicht reichen sollte, dann würden wir gegebenenfalls auf die Bundeswehr zurückgreifen." Man sei aber in engem Kontakt mit den Reiseveranstaltern.
Der Deutsche Reiseverband rät Urlaubern, den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen, in ihren gebuchten Hotels zu bleiben und nicht eigenständig zu Flughäfen oder in Nachbarländer zu reisen. Sobald die Lufträume wieder geöffnet sind, wollen die Veranstalter über Rückreisemöglichkeiten informieren.
Grüne und Linke sehen Regierung überfordert
Politiker von Linken und Grünen kritisierten das Verhalten der Bundesregierung. "Erst an Tag drei nach Ausbruch des Krieges anzukündigen, einzelne vulnerable Personengruppen aus der Region evakuieren zu wollen, reicht nicht aus", sagte die Grünen-Außenpolitikerin Luise Amtsberg den Zeitungen der "Funke"-Mediengruppe. Die Eskalation im Nahen Osten habe sich seit Wochen als mögliches Szenario abgezeichnet. "Dass die Bundesregierung in dieser nun akuten Gefährdungslage dennoch unvorbereitet ist und überfordert wirkt, ist erschütternd."
Kritik kam auch von der außenpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Cansu Özdemir. Die Krisenkommunikation der Bundesregierung sei mangelhaft. Die aktuelle Ankündigung, vorerst nur besonders vulnerable Gruppen zu evakuieren, schüre Verunsicherung. Es müssten schnellstmöglich Pläne vorgelegt werden, wie eine Evakuierung für alle rund 30.000 Menschen erfolgen könne, sagte Özdemir weiter.
Leeres Flugzeug aus Abu Dhabi landet in München
Eine Lufthansa-Maschine aus Abu Dhabi ist bereits in München gelandet – und zwar am Montagabend. Allerdings ohne Passagiere. An Bord der Maschine waren demnach lediglich die beiden Piloten. Das Flugzeug war nach BR-Informationen zur Wartung in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Laut Lufthansa konnten keine Reisenden mitgenommen werden, weil es kein Kabinenpersonal gab.
Aus Sicherheitsgründen wäre eine mindestens 17-köpfige Kabinencrew nötig gewesen – diese sei aber in Abu Dhabi nicht vor Ort gewesen und hätte wegen der kriegsbedingten Einschränkungen auch nicht eingeflogen werden können, teilte die Lufthansa mit. Außerdem seien der Flughafen in Abu Dhabi für viele Fluggäste nicht gut erreichbar und der Check-In, die Sicherheitskontrolle sowie das Boarding dort nicht gewährleistet gewesen.
Mit Informationen von dpa.
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