Einige Verbraucher schauen in diesen Tagen ganz genau hin: Was aus den USA stammt, landet bei manchem nicht mehr im Einkaufswagen. Vor allem in Dänemark verleitet der Grönland-Konflikt einige zum Boykott US-amerikanischer Lebensmittel.
Apps helfen den Dänen, Produkte aus den USA im Supermarkt zu meiden. Eine dieser Apps ist "UdenUSA" ("Ohne die USA"). Sie schlägt Alternativen vor. Im dänischen App-Store liegt "UdenUSA" derzeit auf Platz 1 der Download-Hitliste der kostenlosen Apps. Auf Platz 3 ist eine weitere App, die dabei hilft, US-Produkte zu umgehen.
Boykott bald auch in Deutschland?
In Deutschland ist die unmittelbare Betroffenheit zwar geringer, dennoch beschäftigt das Thema viele Menschen. "Sicher werden einige überlegen, welche Maßnahmen, sie ergreifen können, um amerikanische Produkte zu meiden", sagt Katharina Gangl, Direktorin des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen.
Entscheidend sei, ob sich eine soziale Bewegung bilde, die bestimmte Konsumgüter oder Unternehmen gezielt ins Visier nimmt, die Trump unterstützen. Ein Verzicht auf Apple-Produkte, Amazon oder Facebook sei naheliegend. Auch McDonald's und Amazon könnten laut Gangl betroffen sein. Sie hält dies jedoch erst dann für realistisch, wenn sich die Lage weiter zuspitzt. Dann könnte ein Aufruf - wie "Kauft nicht bei Amazon, sondern bei Otto" - möglicherweise erfolgreich sein.
"Empörung und Abscheu deutlich spürbar"
Ralf Deckers vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln sagt: "In der Bevölkerung sind Empörung und teils auch Abscheu deutlich spürbar." Ein gewisser Anti-Amerikanismus sei in Deutschland traditionell verbreitet. Eine IFH-Umfrage zeigt: Für 61 Prozent kommen bestimmte amerikanische Produkte wie Tesla nicht mehr infrage, 36 Prozent lehnen sie komplett ab. Die repräsentative Befragung, mit knapp 500 Teilnehmern, wurde im März 2025 gemacht, damals brach der Zollstreit aus. Aktuellere Daten liegen nicht vor.
Folgen für Supermärkte und Discounter?
Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet bislang keine Auswirkungen. In Deutschland seien keine Veränderungen in den Verkaufszahlen amerikanischer Produkte zu erkennen, teilt Lidl mit. Andere Handelsketten wie Aldi oder Edeka äußerten sich nicht konkret. "Wir nehmen keinen Protest wahr. Die entsprechenden Produkte werden weiter nachgefragt", sagt Philipp Hennerkes vom Branchenverband BVLH.
Konsumforscher Ole Kelm von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sagt: "Die Nutzung von Boykott-Apps wird keinen großen Effekt auf die Verkaufszahlen amerikanischer Produkte haben." Dafür seien die Unternehmen zu groß.
Viele Dänen wollen US-Waren boykottieren
In Dänemark hatte es schon im vergangenen Jahr Initiativen gegeben, mit denen die Menschen ein Zeichen gegen Trumps Handelspolitik setzen wollten – so hatten etwa dänische Supermärkte Waren europäischer Produzenten mit einem Stern auf dem Preisschild gekennzeichnet.
Auch die Idee für "UdenUSA" kam den jungen Entwicklern im vergangenen Jahr, als Trump erstmals ernsthaft damit drohte, Grönland zu übernehmen. "Wir haben gemerkt, dass es vielen Menschen wichtig ist, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten", sagt App-Entwickler Pipper der Deutschen Presse-Agentur.
Aus einer Welle des Protests entstand in Dänemark 2025 die Facebook-Gruppe "Boykottiert Waren aus den USA", in der sich Dänen dazu austauschen, wie sie amerikanische Produkte am besten meiden können. Inzwischen hat die Gruppe mehr als 110.000 Mitglieder.
Unklar ist, was für einen Effekt solch ein Boykott haben kann. Dänemark hat sechs Millionen Einwohner, die Volkswirtschaft ist vergleichsweise klein. Selbst wenn ein relevanter Teil der dänischen Konsumenten US-Produkte meide, dürfte dies kaum ausreichen, um spürbare wirtschaftliche oder politische Wirkungen zu entfalten, sagt Sascha Raithel, Professor für Marketing an der Freien Universität Berlin.
Debatte um WM-Boykott nimmt Fahrt auf
Auch im Sport wurde zuletzt über einen möglichen Boykott diskutiert. In Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden wurden insbesondere in der Politik Stimmen laut, die Fußball-WM in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko zu boykottieren, die vom 11. Juni bis 19. Juli stattfindet.
Für Trump ist die Fußball-WM eine riesige Bühne im zweiten Jahr seiner zweiten Amtszeit – auch wenn er mit "Soccer" bislang eigentlich nicht viel zu tun hatte, die Grenze zu Co-Gastgeber Mexiko gerne komplett schließen, und Kanada am liebsten in die USA einverleiben würde. Die WM-Ausrichtung ist ein riesiges Prestigeprojekt.
Mit Informationen von dpa
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