Zapfhahn an einer Tankstelle (Symbolbild)
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Hohe Spritpreise: Wäre die CO₂-Abgabe wirklich ein Hebel?

Hohe Spritpreise: Wäre die CO₂-Abgabe wirklich ein Hebel?

Trotz angekündigter Waffenruhe im Iran: Die Spritpreise in Deutschland bleiben erstmal hoch. Aus der Union kommt die Forderung, die CO₂-Abgabe auf Benzin und Diesel auszusetzen. Auch ein "Benzingeld" für Autofahrende ist im Gespräch.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Obwohl US-Präsident Donald Trump eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg angekündigt hat: Die Spritpreise in Deutschland sind weiter hoch. Trotz vorerst stark gesunkener Rohölpreise haben die meisten Tankstellen am Mittwochmittag ihre Preise erhöht. Im bundesweiten Durchschnitt kostete ein Liter Super E10 im Schnitt 2,21 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro.

CO₂-Abgabe als "Hebel" für niedrigere Spritpreise?

Mehrere Unions-Fraktionschefs aus den Ländern fordern den Bund jetzt auf, die CO₂-Bepreisung auf Kraftstoffe "zumindest vorübergehend" abzusenken oder vollständig auszusetzen. "Wenn schon ein zweistelliger Centbetrag pro Liter für den CO₂-Preis abfließt, dann haben wir hier einen Hebel", sagte Bayerns CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek. Die CDU-Fraktionsvorsitzenden aus Thüringen und Sachsen sehen das auch so, Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ebenfalls.

Der Vorstoß geht über die Überlegungen der schwarz-roten Regierungskoalition hinaus. Deren Taskforce prüft mehrere Optionen. Dazu gehören eine Entlastung über die Kfz-Steuer, eine befristet niedrigere Energie- und Stromsteuer sowie ein allgemeiner Spritpreisdeckel. Auch eine höhere Pendlerpauschale ist im Gespräch – und eine Übergewinnsteuer für die Mineralölkonzerne. Die Aussetzung oder Senkung des CO₂-Preises für Kraftstoffe gehört bislang aber nicht dazu.

Wie sich der Spritpreis zusammensetzt – Anteil der CO₂-Abgabe

Um den Vorschlag einzuordnen, hilft ein Blick auf die genaue Zusammensetzung des Spritpreises – und auf die Details der CO₂-Bepreisung im Verkehr. Diese läuft über den nationalen Emissionshandel nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Kurz gesagt: Mineralölunternehmen müssen für jede Tonne CO₂ Zertifikate kaufen und geben die Kosten über den Preis weiter.

Im Jahr 2026 liegt der CO₂-Preis laut Bundesumweltministerium in einer Spanne von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Nach Berechnungen unter anderem von ADAC und Finanztip (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) verteuert das Benzin um rund 17 bis 18,5 Cent pro Liter, Diesel um etwa 17 bis 19 Cent. Bei einem Benzinpreis von zwei Euro pro Liter wären das knapp zehn Prozent des Endpreises.

Das heißt aber auch: Rund 90 Prozent des Spritpreises setzen sich aus anderen Kostenbausteinen zusammen. Konkret: Rohöl, Raffinerie- und Transportkosten, Energiesteuer und Mehrwertsteuer. Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft die Zusammensetzung des Spritpreises laut einer ADAC-Berechnung vom 31. März 2026 (externer Link):

CO₂: Nationale Abgabe – bisher kein EU-weiter Emissionshandel

Viele verwechseln die CO₂-Abgabe in Deutschland mit einem EU-Beschluss. Tatsächlich ist sie bisher eine nationale Regelung: Das BEHG wurde 2019 vom Bundestag beschlossen und ergänzt den europäischen Emissionshandel, der große Industrieanlagen und Kraftwerke erfasst.

Die EU schreibt Deutschland zwar über die Klimaschutzverordnung Emissionsminderungen in Verkehr und Gebäuden vor, aber keinen bestimmten CO₂-Preis an der Zapfsäule. Ab Ende der 2020er-Jahre soll ein EU‑weiter Emissionshandel für Verkehr und Gebäude (ETS 2) starten. Darin würde das aktuelle deutsche System aufgehen.

Könnte die deutsche Politik die Abgabe aussetzen?

Rechtlich könnte also die deutsche Politik, angestoßen von der Bundesregierung oder der Regierungskoalition im Bundestag, die CO₂-Abgabe in Deutschland mindern oder ganz aussetzen. Dazu bräuchte es eine Gesetzesänderung. Bundestag und Bundesrat könnten den Preispfad im BEHG absenken oder erstmal auf null setzen. EU-Recht verbietet das nicht ausdrücklich.

Allerdings würde Deutschland seine zugesagten Klimaziele im Verkehrssektor dann schwerer erreichen. Die Bundesregierung müsste Einsparungen an anderer Stelle nachholen oder zusätzliche Zertifikate im europäischen Klimarahmen kompensieren. Das würde wiederum Geld kosten.

Ob der Spritpreis sinken würde, ist umstritten

Kurzfristig könnte eine Aussetzung den Literpreis um bis zu knapp 20 Cent senken – sofern die Mineralölkonzerne die Entlastung vollständig weitergeben. Das ifo-Institut bezweifelte allerdings bereits während des Tankrabatts 2022, dass Steuersenkungen an der Zapfsäule vollständig bei den Tankenden ankommen.

Die CO₂-Abgabe auf Kraftstoffe zu senken oder auf null zu stellen, dürfte auch klimapolitische Folgen haben. Der Preisdruck zum Spritsparen und zum Umstieg auf effizientere Autos oder den ÖPNV würde sinken. Das Risiko, dass der Verkehrssektor seine Klimaziele verfehlt, würde zunehmen.

Mögliches "Benzingeld" als Direktauszahlung?

Im Raum steht zudem, Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung als "Benzingeld" direkt an Autohalter auszuzahlen – theoretisch möglich über den bereits eingerichteten Direktauszahlungsmechanismus für das bisher nie umgesetzte "Klimageld". Laut Medienberichten, etwa im Handelsblatt (externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt), wird ein solches "Benzingeld" in der Bundesregierung geprüft. Konkrete Beschlüsse gibt es bislang nicht.

Mit Informationen von dpa und Reuters

Grafik: So viel kostet Kraftstoff in Deutschland und Bayern

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