Karin Prien (r, CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, stellt zusammen mit Dani Dayan, Vorsitzender von Yad Vashem, bei einer Pressekonferenz in Berlin drei potenzielle Standorte für die Errichtung eines Holocaust-Bildungszentrums in Deutschland vor.
Karin Prien (r, CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, stellt zusammen mit Dani Dayan, Vorsitzender von Yad Vashem, bei einer Pressekonferenz in Berlin drei potenzielle Standorte für die Errichtung eines Holocaust-Bildungszentrums in Deutschland vor.
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Die Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem will in Deutschland ihr erstes Holocaust-Bildungszentrum außerhalb Israels aufbauen.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Bernd von Jutrczenka
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Die Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem will in Deutschland ihr erstes Holocaust-Bildungszentrum außerhalb Israels aufbauen.

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Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem plant deutschen Bildungsort

Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem plant deutschen Bildungsort

In Jerusalem steht die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt: Yad Vashem. Nun soll das Bildungszentrum über die Vernichtung der Juden während der NS-Herrschaft eine Außenstelle in Deutschland bekommen. Für den Standort ist auch Bayern im Gespräch.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Für viele Israel-Reisende ist es ein Pflichttermin: Der Besuch des größten Holocaust-Gedenkzentrums der Welt, Yad Vashem, mit Sitz in Jerusalem: Es erinnert an die rund sechs Millionen Juden, die von den deutschen Nazis und ihren Kollaborateuren ermordet wurden. Gleichzeitig soll darüber aufgeklärt werden, welches Leid die Juden in Europa während der NS-Herrschaft erfahren mussten. In Zukunft soll das auch stärker in Deutschland selbst passieren. Denn die Yad Vashem soll eine Außenstelle in der Bundesrepublik bekommen.

Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen als möglicher Standort

Entstehen soll das Bildungszentrum entweder in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen. Das teilten der Leiter der Gedenkstätte Dani Dayan und Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) in Berlin mit. In einer Machbarkeitsstudie wurden die drei Bundesländer als potenzielle Standorte ausgewählt. Berücksichtigt wurden dabei Erreichbarkeit oder die bestehende Gedenkstättenlandschaft. Es wird der erste Ableger der Gedenkstätte außerhalb Israels sein.

Bildungszentrum soll sich vor allem an Lehrkräfte richten

Das Bildungszentrum soll offen für alle Besucher sein, vor allem aber Lehrkräften zur Weiterbildung dienen. "Junge Menschen wissen zu wenig über den Holocaust, das sehen wir aus aktuellen Studien", erklärte Bundesbildungsministerin Prien dazu. "Demnach wissen etwa 40 Prozent der Deutschen nicht, dass sechs Millionen Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden." Deshalb sei es gut, "dass das israelische Yad Vashem seine pädagogische Erfahrung als Forschungs- und Bildungseinrichtung" in Deutschland einsetzen wolle. "Holocaust Education ist Empathievermittlung", so Prien.

Die CDU-Politikerin erinnerte daran, dass es zunehmend weniger Zeitzeugen der NS-Verbrechen gebe. Zudem bestehe eine große Sorge wegen des anwachsenden Antisemitismus, "der sich aus unterschiedlichen Quellen speist". Die Erinnerungen an die Grauen der Schoah müssten lebendig bleiben und die jüngere Generation erreichen.

Yad Vashem-Leiter: Erinnerungskultur als Basis für deutsche Demokratie

Die Idee zur Errichtung eines Holocaust-Bildungszentrums in Deutschland war noch während der Regierungszeit von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) entstanden - bei einem Treffen von Scholz mit dem Yad-Vashem-Vorsitzenden Dani Dayan im Jahr 2023.

Dayan erklärte, das neue Zentrum werde "dazu beitragen, den gefährlichen Erscheinungen der Verzerrung und Verharmlosung des Holocausts entgegenzuwirken und damit eine wichtige Säule im Kampf gegen Antisemitismus darstellen". Das Projekt werde "die Partnerschaften zwischen Yad Vashem und deutschen Institutionen stärken und die Gedenkstättenlandschaft in Deutschland bereichern." Nach Ansicht von Dayan kann Deutschlands Demokratie nicht überleben, "wenn sie ihre derzeitige starke Erinnerungskultur aufgibt". Sie sei "essenziell für die Zukunft der deutschen Demokratie".

Planungsphase soll 2026 abgeschlossen sein

Dabei geht es Dayan zufolge nicht um ein Museum, sondern um eine Bildungsstätte. Es sei wichtiger, was in dem Gebäude passiere, als wie es aussehe. Ein Neubau ist demnach nicht geplant. "Was Yad Vashem berühmt macht, ist der pädagogische Ansatz." Es gehe darum, die Perspektive der Opfer in das Land der Täter zu bringen.

Vertreter von Yad Vashem wollen in den kommenden Wochen nach Angaben Dayans die drei Bundesländer besuchen und sich dort mit Regierungsvertretern und der Zivilgesellschaft treffen, bevor voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 eine Entscheidung über den genauen Standort getroffen werden soll. Seine Arbeit aufnehmen könnte das Zentrum zwei bis drei Jahre später. Die Bildungsstätte werde etwa 20 Mitarbeiter haben.

Bund will Auswahlprozess unterstützen

Bildungsministerin Prien sagte, sie sei dankbar, dass Yad Vashem diesen Schritt nach Deutschland gehen möchte. Antisemitismus sei eine ständige Herausforderung für alle Bildungseinrichtungen. Pädagoginnen und Pädagogen in ganz Europa übernähmen die Aufgabe, "die Erinnerung an den Holocaust mit pädagogischem Geschick und großem Einfühlungsvermögen wachzuhalten". "Lehrkräfte benötigen dafür umfassende fachliche Unterstützung." Der Besuch von Gedenkstätten sollte daher ein integraler Bestandteil des Lehrplans sein.

Nach Angaben Priens unterstützt der Bund den Auswahlprozess, auch in finanzieller Hinsicht, sei aber in die Entscheidung nicht involviert: "Letztendlich ist es eine Entscheidung von Yad Vashem." Es handele sich um ein Projekt, das für alle Bundesländer Nutzen bringen werde.

Mit Informationen von dpa und AFP

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