Die 19-jährige Carolin Fermum hat einen Traum: Hubschrauberpilotin bei der Bundeswehr. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie sich für 12 Jahre verpflichtet. "Ich glaube, dass unsere Demokratie das höchste Gut ist, was wir schützen müssen, in Deutschland."
Doch nicht alle jungen Menschen sehen es wie Carolin, darum wird immer wieder über eine Wehrpflicht diskutiert. Die stößt jedoch bei Carolins Generation auf wenig Gegenliebe – die überwiegende Mehrheit der 18- bis 28-Jährigen spricht sich gegen eine Wiedereinführung aus.
"Unser Jahrgang wurde gefickt"
Einer von ihnen ist der Schüler Levi. Als er von einem älteren Zuschauer gefragt wurde, was er bereit sei, für Deutschland zu tun, wurde er deutlich: "Ich würde erst mal fragen, was ist Deutschland bereit, für mich zu tun?" In der Sendung jetzt red i im BR Fernsehen sagte er, "Ich komme aus einem Jahrgang, wir wurden gefickt".
Konkret bemängelte er: "Wenn man jetzt die Corona-Politik anschaut, also das war alles richtig, was da passiert ist, aber die Corona-Krise wurde auf unserem Rücken ausgetragen. Wenn ich meine Schulklos anschaue, da muss man Glück haben, dass wir noch ne Klobrille haben. Seine bittere Bilanz: “Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass Deutschland sonderlich viel für mich tut." Im Falle einer Wehrpflicht ist seine Entscheidung klar – er würde versuchen, nicht an die Waffe zu kommen.
Ein generationsübergreifender Dienst als Lösung?
Der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im bayerischen Landtag, Katharina Schulze schwebt ein generationenübergreifendes, verpflichtendes Gesellschaftsjahr vor – "Weil ich schon das Gefühl hab, dass wir im Moment in Deutschland oft so gegeneinander arbeiten und viel Frust und Wut und manchmal auch Hass von manchen da ist." Sie hofft, dass das "Freiheitsjahr", wie sie es nennt, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. "Und wenn da jede und jeder seinen Teil dazu beiträgt, dann wäre das generationengerecht und alle hätten auch dieses Bild: Wir tun was gemeinsam."
Weber: "In welchem Land wollen wir leben?"
"Sie müssen sich mit der Frage beschäftigen, in welchem Land wollen wir leben", mahnte indes der Partei- und Fraktionsvorsitzende der EVP, Manfred Weber (CSU) mit Blick auf die Ukraine. Dort habe man begriffen, dass man nicht in einem Land leben wolle, in dem einem Putin alles vorschreibt, bis hin zur Frage, welche Social-Media-Dienste man nutzen dürfe.
Die Frage, ob es einem das wert sei, das Land, die Demokratie zu verteidigen, müsse jeder für sich beantworten, so Weber. "Ich sage, wir leben im besten Deutschland, das es jemals gab." Er sei jedoch nicht der Meinung, dass auch die mittleren und die älteren Generationen einen Beitrag leisten sollten – dies sei Aufgabe der Jungen.
Rekrutierung – wie geht es weiter?
Ob sich die überzeugen lassen oder ob es doch zur Wiedereinführung einer Wehr- oder Dienstpflicht kommt, bleibt abzuwarten. Die Erfolge bisheriger Rekrutierungsbemühungen, um die Truppenstärke zu erhöhen, sind nicht immer von Erfolg gekrönt – auf einen Fragebogen, den die Bundeswehr seit Beginn des Jahres verschickt, gab jeder Vierte keine Antwort, und dies, obwohl bei Nichtbeantwortung ein Bußgeld droht.
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