Psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr (Symbolbild)
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Musterung bei der Bundeswehr: Wie läuft sie genau ab?

Musterung bei der Bundeswehr: Wie läuft sie genau ab?

Hör- und Sehtest, Reaktionsfähigkeit, logisches Denken – und oft der berüchtigte "Hodengriff": Die Musterung bei der Bundeswehr wird für Männer ab dem Jahrgang 2008 wieder verpflichtend. Wie die Untersuchung abläuft und wie es danach weitergeht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Vor 1993 geborene Männer kennen sie noch: die Musterung bei der Bundeswehr. Dabei wird untersucht, ob jemand für den Wehrdienst geeignet ist. Für die Jahrgänge ab 1993 galt: Männer und Frauen wurden nur gemustert, wenn sie freiwillig Wehrdienst leisten wollten. Inzwischen ist klar: Ab dem Jahrgang 2008 müssen alle Männer wieder zur Musterung – so hat es Schwarz-Rot beschlossen.

Im Vorfeld müssen sie einen Fragebogen ausfüllen. Unter anderem mit Angaben zu Krankheiten, Operationen, persönlichen Daten und einer Selbsteinschätzung. Wer den Fragebogen nicht ausfüllt, riskiert ein Bußgeld von mindestens 250 Euro. Im Anschluss wird ein Termin für die Musterung festgelegt. Über ihren Ablauf kursieren viele Halbwahrheiten. Wie sie genau abläuft, beschreibt die Bundeswehr auf ihrer Homepage ausführlich (externer Link). Die wichtigsten Punkte:

  • Ärztliche Begutachtung: Gespräch über die Antworten im Fragebogen und Ganzkörper-Untersuchung. Dazu gehören Hör- und Sehtest, Bewegungsapparat, Herz-Kreislauf-Werte, Lunge, Bauchorgane, Urin, Blut, Körperdaten – und bei Männern das Abtasten der Hoden, um Zysten oder andere Erkrankungen zu erkennen. Die Musterung ist also auch ein großer Gesundheits-Check. Allerdings gibt es an der Untersuchung der männlichen Genitalien viel Kritik. Dieser Teil der Untersuchung kann verweigert werden, wenn stattdessen eine fachärztliche Untersuchung erfolgt.
  • CAT-Test am Computer: Bei diesem standardisierten Test geht es in erster Linie um logisches Denken, Konzentration, Reaktionsfähigkeit und räumliches Vorstellungsvermögen. Danach folgt ein kurzes Auswertungsgespräch.
  • Persönliches oder psychologisches Gespräch: Darin geht es um Teamfähigkeit, die eigene Motivation und wie man mit Belastungen umgeht. Ein psychologisches Gespräch ist in der Regel nur vorgesehen bei auffälligen Testergebnissen oder entsprechenden Angaben im Fragebogen.

Wer eine Offizierslaufbahn anstrebt, den erwartet ein ausführlicheres Gespräch vor einer Kommission. Und ein Fitness-Test. Wer nur Wehrdienst leistet oder sich später für eine Laufbahn als Zeitsoldat entscheidet, muss diesen Fitness-Test später machen – nicht als Teil der Musterung.

Wo findet die Musterung statt?

Die Musterung findet in Karrierecentern oder Musterungszentren der Bundeswehr statt. Bis Mitte 2027 soll es bundesweit 24 solcher Musterungszentren geben. Bei besonders weiter Anreise sind kostenlose Übernachtung und Verpflegung in der Kaserne möglich. Die gesamte Musterung soll aber nicht länger als einen Tag dauern.

Ab wann sollen komplette Jahrgänge gemustert werden?

Weil die Musterungszentren im Entstehen sind und mehr ärztliches Personal verpflichtet werden muss, dauert es noch, bis komplette Männer-Jahrgänge gemustert werden können. Falls Mitte 2027 wirklich alle Musterungszentren stehen, muss die Bundeswehr also erstmal einen "Rückstau" ab dem Jahrgang 2008 abarbeiten.

Musterung: Was ist mit Frauen?

Frauen können sich wie bisher für einen freiwilligen Wehrdienst entscheiden. In diesem Fall füllen sie ebenfalls den Fragebogen aus und gehen – im Falle einer Einladung – zur Musterung. Übrigens: Anders als bei Männern gibt es dort für Frauen keine routinemäßige Untersuchung der Genitalien. Stattdessen müssen weibliche Bewerberinnen in der Regel ein frauenärztliches Attest mitbringen, das nicht älter als zwölf Monate ist.

Das sind die möglichen "Ergebnisse"

Die Bundeswehr stuft mögliche Wehrdienstleistende in Tauglichkeits- und Verwendungsgraden ein. Die wichtigsten Verwendungsgrade sind:

  • T1: voll dienst- und verwendungsfähig
  • T2: dienstfähig, verwendungsfähig mit Einschränkungen
  • T4: vorübergehend nicht dienstfähig
  • T5: nicht dienstfähig (Ausmusterung)
  • T6: dienstfähig als Reservist/in (Teilnahme an Wehrübungen)

Wie geht es nach der Musterung weiter?

Wer freiwillig Wehrdienst leisten möchte und dafür nach der Musterung geeignet ist, erhält in der Regel einige Monate vor Dienstbeginn einen Einberufungsbescheid. Bevor es losgeht, erfolgt zudem eine Sicherheitsüberprüfung, um die Verfassungstreue der Bewerberin oder des Bewerbers zu checken. Wer als dienstfähig gemustert wurde, aber nicht zur Bundeswehr will, kann nach der Musterung vorsorglich den Dienst an der Waffe verweigern.

Kann man den Dienst an der Waffe verweigern?

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bleibt also bestehen. Aber aktuell ist ohnehin nur eine verpflichtende Musterung vorgesehen, kein verpflichtender Wehrdienst. Das würde sich ändern, sollte der Bundestag die Wehrpflicht wieder aktivieren. In diesem Fall würde sich auch die Frage stellen, inwiefern Kriegsdienstverweigerer einen Ersatzdienst ableisten.

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