(Archivbild): Eine Demonstrantin zeigt während einer pro-palästinensischen Demo in Deutschland eine Zeichnung des Hamas-Militärsprechers.
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Bildrechte: pa/dpa/ZUMAPRESS.com | Abdelrahman Alkahlout
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Hamas in Deutschland: Wie Hassprediger Bühnen finden

Hamas in Deutschland: Wie Hassprediger Bühnen finden

Solidaritätsdemonstrationen und mutmaßliche Terrorstrukturen: Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor wachsender Hamas-Aktivität in Deutschland. Auch Bayern ist betroffen. Hierher war kürzlich ein Hamas-Sympathisant eingeladen, zeigen BR-Recherchen.

Über dieses Thema berichtet: Der Funkstreifzug am .

Ein millionenfach geklicktes Youtube-Video zeigt den ägyptischen Prediger Omar Abdelkafi. Er beglückwünscht "seine Söhne" zu dem, was sie vollbracht hätten. Gemeint ist die Hamas, verantwortlich für den Mord an rund 1.200 Menschen, für Vergewaltigungen, Geiselnahmen und massive Zerstörung beim Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023. Der Titel des Videos spricht unter anderem von der "Al-Aqsa-Flut", der Code der Terrororganisation für das Massaker. Das Standbild des Videos zeigt Abdelkafi und daneben ein Foto, auf dem jubelnde Männer und Jugendliche auf einem Militärjeep abgebildet sind. Es ist dasselbe Bild, das auch die Muslimbruderschaft, also die Mutterorganisation der Hamas, in ihrer Stellungnahme zum Massaker verwendet hatte.

Verehrt von Anhängern, bekannt bei Sicherheitsbehörden

Abdelkafi ist berühmt und begehrt, hat mehr als zehn Millionen Follower auf Youtube. Am Nikolaustag 2025 soll er bei einer Jubiläumsfeier der Münchner Al-Ahibba-Moschee erscheinen – und zwar ins Bürgerhaus in Garching bei München. Besucher, die der BR vor dem Bürgerhaus befragt, sagen, vor allem wegen Adelkafi gekommen zu sein, der Prediger sei ein modernes, friedliches Vorbild. Die Moschee beschreibt Abdelkafi auf Anfrage als spirituell motivierend und distanziert sich schriftlich von Extremismus. Vom Verfassungsschutz wird die Moschee nicht beobachtet, sie engagiert sich seit Jahren im interreligiösen Dialog. Dennoch bleibt die Frage, wie jemand, der öffentlich Gewalt verherrlicht, in Deutschland eine Bühne erhalten soll.

Sicherheitsbehörden haben Abdelkafi seit Längerem auf dem Radar, er habe sich wiederholt antisemitisch geäußert. In einem Interview mit einem arabischen Fernsehsender, das dem BR vorliegt, zitierte er einen Hadith, einen Ausspruch des Propheten Mohammed, den er "ohne historischen Kontext" auf die Gegenwart übertragen habe, sagt Florian Volm vom Bayerischen Verfassungsschutz: "In diesem Hadith geht es darum, dass die Muslime die Juden töten und besiegen würden. Das ist höchst problematisch, weil antisemitisch und darüber hinaus ist interessant, dass auch die Hamas den gleichen Hadith in der eigenen Charta bezeichnet."

Was ist die Hamas?

Die Hamas steht auf der EU-Terrorliste und ist in Deutschland verboten. Ihr erklärtes Ziel ist die Zerstörung des Staates Israels. 1987 als Ableger der Muslimbruderschaft gegründet, übernahm sie 2007 die Macht im Gazastreifen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht für 2024 von rund 550 Anhängern aus. BND-Präsident Martin Jäger warnte kürzlich vor einem "sehr realen Risiko", dass die Hamas ihre Aktivitäten bis nach Europa ausweitet. Zuletzt wurden mehrere mutmaßliche Hamas-Mitglieder festgenommen, ihnen werden von der Bundesanwaltschaft aktuell geplante Anschläge auf jüdische und israelische Einrichtungen vorgeworfen.

Veranstaltung in Garching: Konnte Abdelkafi auftreten?

Jenseits konkreter Terrorpläne zeigt sich Hamas-Sympathie offen. Auf Demonstrationen werden Parolen skandiert, etwa am 7. Oktober 2025 in Berlin, als das Hamas-Massaker als "Sieg" gefeiert wurde. In München ermittelt nach BR-Recherchen die Staatsanwaltschaft gegen einen Berufsschüler. Er habe kurz nach dem Hamas-Massaker Plakate mit Hamas-Geiseln abgerissen, so der Vorwurf. Sein Verteidiger schweigt auf Anfrage. Ob es nach einer Anklage vor dem Münchner Landgericht zum Prozess kommt, ist noch unklar.

Zurück nach Garching: Prediger Abdelkafi selbst erscheint am 06. Dezember nicht. Die Bundespolizei verweigert ihm am Münchner Flughafen die Einreise, wie der BR erfährt. Im Bürgerhaus wird stattdessen eine Videobotschaft des Predigers gezeigt, die nach Angaben der Veranstalter für friedliches Miteinander wirbt. Die problematischen Aussagen aus zuvor veröffentlichten Videos seien nicht bekannt, heißt es von der Moschee. Für Experten wie Hans-Jakob Schindler von der Forschungsorganisation "Counter Extremism Project“ bleibt Unverständnis: "Warum man einer Person eine Bühne bietet, entweder persönlich oder auf Video, die die Terroranschläge gutheißt, dafür habe ich kein Verständnis."

Mitarbeit: Oliver Bendixen

Mehr zu diesem Thema hören Sie heute (07.01) um 12.17 Uhr in der Sendung Funkstreifzug im Radioprogramm von BR24. Den Funkstreifzug finden Sie auch als Podcast in der ARD Audiothek.

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